Petra Renner und ihre Würfe in die Weltspitze

Sportlerin des Jahres

LÜNEN Petra Renner - das ist seit fast zwei Jahrzehnten das Aushängeschild für die Bundesliga-Keglerinnen von Fortuna Lünen. Darum zeichnen die Ruhr Nachrichten die 45-jährige als "Sportlerin des Jahres 2008" aus.

von Von Bernd Janning

, 15.05.2009, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Petra Renner und ihre Würfe in die Weltspitze

Es sind nicht immer die tollen Titel, die den Charakter eines Spitzensportlers am besten kennzeichnen. Es ist vielmehr das Wann und das Wie des Rücktrittes.

Zunächst aber zu ihren Wurzeln: Ihre kegelbegeisterten Eltern legten Petra Renner diesen Sport mit Kugel und neun Puppen schon in die Wiege. Ihr Weg von der Wiege bis an die Weltspitze dauerte ein Vierteljahrhundert.

Die Serie der Weltmeister-Titel "Die Bahnerfahrung spielt eine große Rolle", sagt Petra Renner. "Um die 30 ist man im besten Kegleralter." 1987, im zarten Alter von 24, war sie das erste Mal Weltmeisterin in Einzel, Doppel und mit der Mannschaft. Die Siege im Einzel und mit der Mannschaft wiederholte sie 1991 - damals noch für ihren Heimatverein Salzgitter. Den 91er Erfolg schaffte sie 1995 ein zweites Mal in Iserlohn. 1999 toppte sie das Ergebnis im holländischen Kerkrade noch einmal - sie wurde Weltbeste in Einzel, Doppel und mit der Mannschaft.

Ein Jahr später beschloss sie, nicht mehr in der obersten internationalen Etage die Kugel zu werfen - da sind wir beim Rücktritt. "Die Motivation war nicht mehr da. Als Titelverteidigerin wäre ich nur noch die Gejagte gewesen", erklärt sie, die ja schon alles erreicht hatte: Zehn WM-Siege, darunter fünf Einzelerfolge in Serie. Renner: "Ehe man einen neuen Erfolg einfährt, ist die Gefahr sehr groß, dass man tief herunterfällt." Einen Pudel werfen - so heißt es in der Fachsprache der Kegler. Sie ersparte sich das.

Sie liebt die Präzision Dennoch blieb Petra Renner ihrem Sport bis heute treu. Sie liebt die Präzision, die Konzentration, ohne die es auf der Bahn nicht geht. "Jede Anlage ist anders", sagt sie. Sie weiß, wie wichtig eine gute Technik ist. "Und ohne Kondition läuft es überhaupt nicht. Sonst sind 800 Holz bei 120 Würfen bei der Jagd nach möglichst vielen Neunen unmöglich."

Der Gesellschaftskegler sieht das Spiel mit anderen Augen. Sein Blick geht meist über Gemütlichkeit auf der Bahn und Spielchen wie "Totenkiste" nicht hinaus.

Die Kegel-Krise Ob Gesellschaftskegeln oder Leistungskegeln - die Tendenz der Begeisterung ist fallend. Der Nachwuchs bricht analog zu anderen Sportarten weg. Das weiß auch Renner: "Was wir an Älteren verlieren, bekommen wir an Jüngeren nicht dazu." Man stehe als Kegler nicht in der Öffentlichkeit. "Uns fehlen die Helden, wie ein Boris Becker es im Tennis war, wie im Fuß- und Handball die Nationalmannschaften."

Was im Fuß- und Handball frühzeitig gelang, kam bei den Keglern zu spät. Erst 2001 wurde das alte Turniersystem durch die Bundesliga ersetzt - da war Kegeln schon eine rückläufige Sportart.

Petra Renner ist trotzdem ein Glanzlicht Petra Renner ist trotzdem ein Glanzlicht. Zehn Weltmeistertitel, dazu zahlreiche Deutsche Meisterschaften und andere wertvolle Erfolge. Mit Fortuna, einem der zwei Mannschaften im Lüner Sport, die in der Bundesliga vertreten sind, gelingt Petra Renner derzeit meist eine Platzierung um Rang vier.

Viertbestes Team in ganz Deutschland zu sein, das ist heute höchste Anerkennung wert. Die Laufbahn im Überblick und die Lobeshymnen von Vereinskameraden und Freunden - auf einer Sonderseite in der Samstagsausgabe (16. Mai) der Lüner Ruhr Nachrichten.

Lesen Sie jetzt