Einst waren die Hallenfußball-Stadtmeisterschaften der sportliche Höhepunkt der Lippestadt. Doch dieser Höhepunkt hat stark an Bedeutung verloren. Die Ruhr Nachrichten gehen auf Spurensuche.

Lünen

, 07.01.2019, 18:51 Uhr / Lesedauer: 5 min

Die Rundsporthalle war gut ausgelastet, die Tribünen teilweise überfüllt. Heute markieren sich nicht einmal mehr die Fußballfans der Stadt den Termin rot im Kalender. Die Ränge bleiben zunehmend leer und die, die da sind, kritisieren die Veranstaltung mehr, als sie sie genießen. Selbst die Spieler schlagen ähnliche Töne an, gehen mit Verbesserungsvorschlägen an die Öffentlichkeit. Die Ruhr Nachrichten haben diese Ideen gesammelt und benennen die Probleme, bei denen der dringendste Handlungsbedarf besteht. Reformiert der Stadtsportverband die Hallentitelkämpfe nicht, haben die Turniere keine lange Zukunft mehr vor sich.

Die Teilnehmer: „Mehr Teams, mehr Klasse“

Das Teilnehmerfeld bei den vergangenen Lüner Hallenfußballstadtmeisterschaften ist ziemlich leicht zu beschreiben: Zehn Fußballvereine haben bei den Senioren und Junioren, sofern diese gemeldet haben, zuletzt mitgemacht, allesamt verortet in der Stadt Lünen. Das macht Sinn, handelt es bei diesem Wettbewerb ja um reine Lüner Stadtmeisterschaften. Murat Büyükdere, Torjäger beim Lüner SV, nennt nun aber eine revolutionäre Idee, die den Wettbewerb sportlich deutlich attraktiver machen könnte. „Statt zehn Lüner Mannschaften könnte man auch 15 oder 16 Teams einladen – auch aus der Umgebung wie Selm, Werne oder Oberaden“, sagt der Fußballer.

Dadurch würde der Wettbewerb einerseits sportlich an Qualität dazugewinnen, andererseits verspricht ein größeres Teilnehmerfeld aller Voraussicht nach auch mehr Zuschauer für die Rundsporthalle. Aus Werne kämen mit dem Landesligisten Werner SC und den A-Ligisten Eintracht Werne und SV Stockum drei Teams dazu. Aus Selm würden die beiden A-Ligisten PSV Bork und GS Cappenberg sowie B-Ligist SG Selm das Teilnehmerfeld ergänzen.

Um reine Stadtmeisterschaften würde es sich bei einer Teilnehmerfelderweiterung allerdings nicht mehr handeln – genauso wie bei den Stadtmeisterschaften in Dortmund. An diesen haben zuletzt mit dem Lüner SV, dem BV Brambauer, dem VfB Lünen und dem BV Lünen auch wieder vier Teams aus der Lippestadt teilgenommen. Den Dortmunder Zuschauern gefiel das allerdings ganz und gar nicht. Die Stimmung in den Hallen richtet sich, wenn Lüner Teams antreten, meist gegen die Lippestädter. „Wenn man neue Teams einlädt, dann würde man nicht ständig nur die Gesänge hören, die sich gegen den LSV richten. Mehr Teams versprechen auch mehr Klasse“, so Büyükdere.

Martin Wanata vom Stadtsportverband begrüßt übrigens eine Öffnung der Lüner Hallenstadtmeisterschaften. „Da wäre ich für. Man könnte das dann beispielsweise Kreis-Unna-Meisterschaften nennen“, so Wanata.

Der Termin: „Bei diesem Termin denkt niemand an Fußball“

Kurz vor Weihnachten war es wieder so weit: Lünens Seniorenfußballer trafen sich am Wochenende vor Heiligabend (21. und 22. Dezember) in der Lüner Rundsporthalle, um den neuen Stadtmeister der Lippestadt zu ermitteln. Nachdem die Fußballer am Freitag zunächst den ersten Teil der Vorrunde ausspielten, folgten am Samstag Teil zwei der Vorrunde sowie die Endrunde mit den Finalspielen. Mario Plechaty, Coach des Westfalenligisten und Turniersieger Lüner SV, gefällt die Terminierung überhaupt nicht.

„Bei diesem Termin hat man an andere Sachen zu denken. Man ist im Vorweihnachtsstress, muss die Einkäufe für die Feiertage tätigen und denkt nicht an Fußball“, sagt der LSV-Coach und sieht darin auch eine Erklärung für den Rückgang der Zuschauerzahlen. Bei den vergangenen Stadtmeisterschaften fanden sowohl zu den Senioren- als auch zu den Juniorenfußballern nur wenige Zuschauer den Weg in die Rundsporthalle. Das Finale der Senioren zwischen dem Lüner SV und dem VfB Lünen fand am Ende gefühlt vor leeren Rängen statt.

Der LSV-Trainer schlägt daher eine Terminverlegung vor – und zwar in den Januar des Folgejahres. „Wir sollten dann auch den Dortmunder Stadtmeisterschaften aus dem Weg gehen“, sagt Plechaty. Diese starten mit der Vorrunde immer am Ende des Jahres. Die Endrunde der Dortmunder Titelkämpfe steigt standesgemäß am zweiten Januarwochenende.

Die Lüner Verantwortlichen hätten somit die Möglichkeit, die Lüner Titelkämpfe Mitte Januar auszutragen, wenngleich zu dieser Zeit auch das Warsteiner Masters stattfindet, an dem in diesem Jahr mit dem Bezirksligisten TuS Westfalia Wethmar und den B-Ligisten SG Gahmen sowie FC Brambauer drei Vereine teilnehmen. Darüber hinaus starten Mitte Januar die ersten Fußballmannschaften schon ihren Trainingsbetrieb, um sich auf die anstehende Rückrunde vorzubereiten, die im Februar wieder beginnt.

Sascha Kusserow, Sportdirektor beim VfB Lünen, hält Plechatys Vorschlag dennoch für sinnvoll. „Der Termin vor Weihnachten ist unglücklich. Da hat gefühlt jeder etwas anderes vor, es ist schwierig, sich zwei Tage loszueisen“, so Kusserow.

Quo vadis, Lüner Stadtmeisterschaften?

Murat Büyükdere (r.) schlägt eine Öffnung des Teilnehmerfeldes vor. © Weitzel

Der Ball: „Gebt uns den alten Fußball wieder“

Viele Kicker ärgern sich über ihn, seit 2016 ist er in der Halle Pflicht: der Futsalball. Das Spielgerät, mit dem die Fußballer nun schon seit Ende Dezember 2015 in der Halle kicken. „2015 haben wir als Versuch damit begonnen, ein Jahr später wurden die Futsalregeln Pflicht. Dazu gehört auch der Ball“, sagt Martin Wanata vom Stadtsportverband.

Über den Ball beklagten sich während der Stadtmeisterschaften aber gleich mehrere Lüner Fußballer. Das verwundert nicht, ist die Kugel (Größe 4) doch kleiner als ein normaler Fußball (Größe 5). „Zudem ist der Futsalball für die Beschaffenheit des Hallenbodens optimiert. Das Sprungverhalten ist mit dem eines Fußballs auf einem Rasenplatz fast gleichzusetzen“, schreibt der DFB auf seiner Homepage.

Joel Razanica, Kapitän beim Bezirksligisten BV Brambauer, kann dem Spielgerät nicht viel abgewinnen. „Das Spiel ist mit dem normalen Ball viel schneller. Man sieht auch, wer richtig kicken kann. Der Futsalball macht das Spiel langsam. Der Ball bleibt immer liegen oder klebt am Fuß“, sagt Razanica, der lediglich einmal im Jahr – bei den Lüner Hallenstadtmeisterschaften – mit dem Futsalball spielt.

Jannik Audehm, Kicker beim A-Ligisten BW Alstedde, stimmt Razanica zu. „Der Ball ist sehr speziell für uns. Ich würde lieber wieder mit dem normalen Fußball spielen“, sagt Audehm. Sascha Kusserow, Sportdirektor beim A-Ligisten VfB Lünen, verfolgte die Lüner Titelkämpfe von der Tribüne aus. Auch er findet kritische Worte. „Gebt uns den alten Fußball wieder“, fordert er und ergänzt: „Ich kann nicht verstehen, warum in Dortmund nach normalen Hallenregeln gespielt wird und wenige Kilometer in Lünen nicht“, so Kusserow.

Die Erklärung ist einfach: Da die Endrunde in Dortmund auf Kunstrasen ausgetragen wird, darf diese mit einem normalen Fußball gespielt werden. Das bestätigen auch die Statuten des DFB. Für die Vor- und Zwischenrunde in Dortmund, die auf normalem Hallenboden stattfinden, haben sich die Dortmunder eine Sondergenehmigung erstritten, sodass auch hier mit einem normalen Ball gekickt wird. Für Lünen scheint das, aufgrund der DFB-Auflagen, utopisch.

Das Ambiente: „Keinen Mehrwert mehr“

Wer während der Hallenstadtmeisterschaften mit den Verantwortlichen des Stadtsportverbandes oder der Turnierleitung gesprochen hat, erhielt ein eindeutiges Bild. Auch die Entscheidungsträger der größten Fußballveranstaltung der Stadt sind längst im Grübeln angekommen. Unzufriedenheit hat sich breitgemacht. Bei den Verantwortlichen scheint sich die Einsicht durchzusetzen: So geht es nicht weiter. Der Termin, der Ball und die Teams – all das sind konkrete Diskussionspunkte. Weniger fassbar ist das Drumherum um die Rundsporthalle: das Ambiente.

Das, was der SSV zusammen mit dem Ausrichter – in diesem Jahr der BV Brambauer – anbietet, ist klassisch. Es gibt einen Bierwagen mit alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken, kalte Snacks und warme Imbissgerichte. Ein großes Aufgebot ist das nicht. Es gibt keinerlei weiteren Aktionen, gerade den Kindern wird nichts geboten. Eine Tombola oder ein Torwandschießen, das die Kinder in die Halle zieht und mit schönen Erinnerungen an den traditionsreichen Wettbewerb bindet, gibt es nicht. Zumindest über eine Tombola hat der SSV sogar schon nachgedacht, das ginge aber wegen Verordnungen der Stadt Lünen nicht, wie Martin Wanata erklärt. Wanata ist im Jugendvorstand des SSV tätig und kritischer Beobachter der vergangenen Titelkämpfe.

Er sieht die Organisatoren zum Handeln gezwungen. „Es wird ja nicht besser, sondern schlechter. Das hat keinen Mehrwert mehr“, wird Wanata deutlich. Er erinnert sich an vergangene Zeiten: „Es ist ganz schön an Qualität verloren gegangen.“ Sascha Kusserow, Sportdirektor des VfB Lünen, stößt konkrete Veränderungen an: „Ich würde die Bewirtung zukünftig nach innen verlegen. Draußen bei gefühlt minus fünf Grad Celsius verliert man sich, früher waren die Zuschauer bei den Stadtmeisterschaften eine richtige Gemeinschaft.“

Der Blick in die Vergangenheit scheint kein verkehrter. Was früher einmal gereicht hat, um die Rundsporthalle zu füllen, scheint heute nicht ansatzweise ausreichend.

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