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Vom Fußball- und Leichtathletik-Präsidenten kommt ein Schlusspfiff: Gundolf Walaschewski hat die Aufarbeitung des Skandals rund um einen Ex-Direktor der Sportschule Kaiserau für beendet erklärt.

Kamen

, 08.06.2019 / Lesedauer: 4 min

„Blickpunkt Verein“ - so stand es in großen Buchstaben über dem Podium in der Kamener Stadthalle. Mehr als 150 Fußball- und Leichtathletik-Funktionäre und Gäste aus Westfalen waren am Pfingstsamstag gekommen, um unter anderem einen neuen Ethik-Kodex für Haupt- und Ehrenamtler zu beschließen und Gremien bis hin zum Präsidium zu besetzen. Der Verbandstag findet nur alle drei Jahre statt.

Als Präsident Walaschewski zu Beginn das Wort ergriff, ließ er sich nichts anmerken von den aktuellen Enthüllungen um den Vize-Präsidenten und Finanzchef Peter Wolf, über den sich Mitarbeiter des Sportcentrums Kaiserau 2017 bei einem Ombudsmann beschwert hatten. Später sollte es aber noch einmal spannend werden. „Wir werden sehen, dass wir heute jede Menge Finanzkompetenz versammelt haben“, sagte Walaschewski. Damit war neben Wolf unter anderem der Vizepräsident Finanzen des Landessportbunds, Stefan Klett, gemeint. Der zollte Walaschewski später Respekt für die Aufarbeitung des Skandals um einen früheren Direktor der Sportschule Kaiserau. Die Staatsanwaltschaft hat Ende April ihre Ermittlungen wegen Untreue gegen den früheren Direktor Martin N. (Name geändert) eingestellt.

Schlussstrich gezogen

Walaschewski bezeichnete die internen und externen Untersuchungen und die daraus abgeleiteten Konsequenzen als „notwendig und richtig“. Das Fehlverhalten sei umfangreich aufgearbeitet worden. Die Staatsanwaltschaft habe ermittelt. „Wir haben organisatorische und personelle Konsequenzen gezogen, Strukturen wie Ombudsmann und Compliance-Gremien gebildet, das geschah in enger Abstimmung mit den Gremien“, sagte der Präsident. „Wir haben den Prozess immer begleitet, im Präsidium, dem Verwaltungsrat und der Ständigen Konferenz, aufgearbeitet und jetzt auch abgeschlossen.“

Für den Neustart im Sportcentrum und in der Verbandsgeschäftsstelle stehen die neuen Geschäftsführer Benjamin Schwartz und Wilfried Busch. Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hob deren Rolle bei der Zusammenarbeit mit der Stadt Kamen hervor. „Ich weiß, dass der FLVW keine einfache Zeit hatte“, sagte sie. Der Verband sei ein Aushängeschild für die Stadt und verbinde Spitzen- und Breitensport. Kappen erinnerte an das 100. Jubiläum des SuS Kaiserau im kommenden Jahr.

DFB-Schatzmeister in Kamen statt in Minsk

Klüngel, Mauschelei, Prasserei - das waren unterschwellige Vorwürfe im nun für beendet erklärten Skandal. Nicht nur dem FLVW schlagen kritische Töne entgegen, sondern auch dem DFB, wie dessen Schatzmeister Stephan Osnabrügge einräumte. Seine Anwesenheit bedeutete eine unmittelbare Reisekostenersparnis, war er doch nach Kamen und nicht mit DFB-Kollegen nach Minsk zum EM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalelf gereist, wie er scherzhaft anmerkte.

„Die da oben wissen nicht mehr, wo der Fußballschuh drückt“, sei ein oft zu hörender Vorwurf. „Ja, wir in Frankfurt haben dazu beigetragen, dass uns nicht applaudiert wird, aber wir haben viel dafür getan, dass das nicht so bleibt“, sagte der Vertreter eines nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel reduzierten DFB-Präsidiums. Osnabrügge nannte als Beispiele für Veränderungen ein „Compliance-Management-Systems, das vor Präsidenten nicht Halt macht“. Die Kontrollrechte der inneren Revisionsstelle seien verstärkt worden - ein Gremium, dem FLVW-Vize-Präsident Peter Wolf angehört. Es gebe erhebliche Probleme mit der steuerrechtlichen Betriebsprüfung der Jahre 2012 bis 2014. Das Ziel sei, die Gemeinnützigkeit und hohe Finanzkraft des DFB zu erhalten. Osnabrügge verteidigte den Neubau der DFB-Zentrale.

Präsidium einstimmig bestätigt

Die Delegierten entlasteten Verwaltungsrat und Präsidium einstimmig. Ebenso einstimmig wurden fünf Präsidiumsmitglieder nacheinander einzeln bestätigt: Gundolf Walaschewski (Präsident), Manfred Schnieders (Vizepräsident Fußball), Peter Westermann (Vizepräsident Leichtathletik), Marianne Finke-Holtz (Vizepräsidentin Vereins- und Verbandsentwicklung), Holger Bellinghoff (Vizepräsident Jugend). Dann bat Peter Wolf (Vizepräsident Finanzen) als einziger aus „persönlichen Gründen“ um eine geheime Abstimmung. Die Delegierten sprachen ihm trotz der Enthüllungen um den Ombudsmannbericht von 2017 das Vertrauen aus, verpassten ihm aber einen Denkzettel: 97 Ja-, 36 Nein- und eine Enthaltung. In die neu geschaffenen Beisitzer-Posten wurden mehrheitlich Martin Derenthal und Andree Kruphölter gewählt.

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Aus den Schlagzeilen herauskommen

“Wir haben die Kluft zwischen Vereinen und dem Verband verringern können“, sagte der wiedergewählte Präsident Walaschewski über erzielte Erfolge. Er kündigte weitere Verbesserungen an, zum Beispiel verstärkte Umfragen unter den Vereinen. Die von ihm angesprochenen Delegierten und Gäste kamen aus den 29 Kreisen des Verbandsgebiets. Manfred Deister aus dem Kreis Gütersloh sagte am Rande des Verbandstags, ihm sei wichtig, „dass man alles transparent und ehrlich macht und der Fußball aus den negativen Schlagzeilen rauskommt“. Seine Erwartungen an die Funktionäre formuliert er so: „Nicht das Amt ist entscheidend, sondern wie man es ausfüllt.“ Silvia Bär aus Dortmund ist wichtig, dass die gewählten Gremien „den Fußball in Zukunft nach vorn bringen“. Von den Amtsträgern erwartet sie „Wegweisungen in die Zukunft und eine Festigung der Strukturen“. Lars Lehmann aus Iserlohn hofft „auf Kontinuität bei den Ämtern, die meinen Bereich als Schiedsrichter“ betreffen.

DLV-Ehrenschild für Peter Westermann

Auch Ehrenpräsident Hermann Korfmacher hatte einen Auftritt. „Ehrenamt und auch Euro 2024 sind herausragende Themen“, sagte Walaschewskis Vorgänger. Auf Skandalgeschichten ging er nicht ein. Beim Verbandstag wurden traditionell zahlreiche aktive und scheidende Mitglieder geehrt. Vize-Präsident Peter Westermann erhielt von DLV-Vizepräsident Jochen Schweitzer den Ehrenschild des Leichtathletik-Verbands.

In einer früheren Version dieses Artikels war der Nachname des Schildträgers Peter Westermann falsch wiedergegeben. Wir haben dies korrigiert.
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