Stefan Urban in der Derby-Nachlese: „Der Ausgleich tat schon weh!“

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In der Kreisliga A2 Dortmund hat sich der SV Preußen Lünen zum Favoritenschreck gemausert. Beim 2:2 im Derby am Sonntag hatte der SVP die SG Gahmen am Rande einer Niederlage.

Lünen

, 17.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine dramatische Schlussphase eines spannenden Derbys zwischen dem SV Preußen und der SG Gahmen endete am Sonntagnachmittag mit einem 2:2-Unentschieden. Blickte man nach dem Abpfiff in die Gesichter der beiden Trainer Stefan Urban und Semistan Tikici, wusste man sofort: Zufrieden war mit diesem Ergebnis keiner so wirklich. Beide Teams durften sich einerseits glücklich schätzen über ein Punktgewinn und andererseits hätten es für beide Mannschaften auch drei Zähler sein können.

Besonders Preußen-Trainer Urban war die Enttäuschung anzumerken. Dabei war seine Mannschaft auf dem Papier eigentlich als Außenseiter in das Derby gegangen. „Wir haben geführt“, wiederholte Urban im Interview wenige Minuten nach dem Abpfiff immer wieder. Für den Horstmarer Coach bedeutete das 2:2 eindeutig zwei verlorene Punkte gegen die SG Gahmen. Und das macht deutlich, wie weit diese junge Mannschaft des SV Preußen schon nach sechs Spielen gekommen ist.

SV Preußen meistert Mammutprogramm zum Saisonstart

Neun Punkte und Platz sieben scheinen auf den ersten Blick völlig unspektakulär zu sein. Doch die Horstmarer haben an den ersten sechs Spieltagen ein Mammutprogramm hinter sich gebracht. Vier der sechs Kontrahenten gelten als Titelanwärter. Ein weiterer der ersten sechs Preußen-Gegner wird wohl ebenfalls oben mitspielen. Nur eine dieser Partien zu verlieren, ist allein schon honorabel. Vor dem Hintergrund, dass die Horstmarer im Sommer einen großen Umbruch mit starker Verjüngung vollzogen und eben keine so große finanzielle Flexibilität wie andere Teams haben, scheint die vollbrachte Leistung noch größer.

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Und dennoch war gegen Gahmen mehr drin: „Klar war Gahmen der Favorit. Und die haben auch das Spiel gemacht. Wir können uns aber nicht die ganze Saison dahinter verstecken, dass wir gegen Favoriten spielen. Wir müssen auch selber irgendwann das Spiel gestalten. Unsere Einstellung hat heute wieder gestimmt“, sagt Urban und legt nach: „Das 2:2 hätte ich auch vor dem Spiel nicht unterschrieben. Wir wollen das Spiel ja spielen, wollen die ärgern, gut sein und präsent sein für die Zuschauer und in erster Linie für uns selbst. Die Jungs spielen, weil sie Bock haben und das sieht man auch.“

Die junge Preußen-Mannschaft ist in den vergangenen Wochen unter Federführung von Stefan Urban und Co-Trainer Kevin Rehkopp gewachsen, hat sich kontinuierlich gegen vermeintliche Favoriten weiter entwickelt. Schon den VfB Lünen zum Auftakt hatte man am Rande einer Niederlage. Titelaspirant K.F. Sharri schlug man mit 1:0. Und gegen den nicht ganz so eindeutigen „Favoriten“ Ay Yildiz Derne gab es ein 3:3 nach 1:3-Rückstand. „Klar war da auch Glück dabei“, sagt Urban. Doch Glück bedeutet eben nicht Zufall. „Zwei Eigentore wie gegen Derne muss man erst einmal erzwingen“, weiß Urban.

Stefan Urban: „Wir hatten den Fußballgott auf unserer Seite.“

Auch im Derby gegen Gahmen gab es die ein oder andere Situation, die man aus Preußen-Sicht als glücklich bezeichnen könnte. „Wir hatten den Fußballgott auf unserer Seite, weil Gahmen dicke Dinger vergeben hat“, sagt Urban. Auch in der Nachspielzeit hatte der SVP Glück, als der Schiedsrichter nach einem Schubser nicht Elfmeter für Gahmen gibt.

Und dennoch bleibt wieder die Frage: Wie viel dieses Glücks ist zufällig? Dass viele Chancen bis zum Schluss durch den überragenden Sascha Südmeyer im Tor - in der sieben Minute der Nachspielzeit fischte er noch einen Ball von Aykut Isik aus dem Winkel - vereitelt wurden, war bestimmt kein Zufall. „Da kann man froh sein, dass man so einen hat“, so Urban. Denn seine beiden anderen Torhüter waren verletzt. Der vierte Keeper im Bunde, Steven Vajnberger, hat seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt.

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Dass die Preußen-Defensive so stabil stand, war ebenfalls nicht selbstverständlich. Florian Hans fehlte in der Innenverteidigung, Kapitän Tom Meier im Zentrum. Zwei wichtige Ausfälle, welche die junge Truppe ausgesprochen gut wegsteckte. Maurice Katlun, nach langer Sperre zurückgekehrt, machte in der Innenverteidigung einen guten Job.

Und selbst beim nicht gegebenen Elfmeter für Gahmen, gibt Urban zu bedenken: „Der gefoulte Kadir Koc hätte eigentlich nicht mehr auf dem Feld sein dürfen. Vielleicht war das im Nachhinein gerecht.“ Also eher ausgleichende Gerechtigkeit als glücklicher Zufall?

Stefan Urban: „Das macht uns auch stolz“

Urban: „Mit diesen Sachen im Kopf ist so ein 2:2 vielleicht schon ein Erfolg. Aber wenn ich das Glück an dem Tag habe, mir die Mühe gebe und kurz vor Schluss führe, tut der Ausgleich schon weh!“

Jetzt haben die Preußen erst einmal ein spielfreies Wochenende vor sich - ein Schnitt nach dem harten Auftaktprogramm, den die Horstmarer nutzen wollen. „Wir lassen den Anfang der Saison Revue passieren und werden ansprechen, wo es noch fehlt“, sagt Urban. „Letztlich ist es aber doch schön zu sehen, dass man die Punkte hier in Horstmar nicht so einfach mitnehmen kann. Das macht uns auch stolz.“

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