Uli Richters trauriges, aber stolzes Ende auf der Trainerbank des VfL Brambauer

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42 Jahre lang war Uli Richter Trainer und Spieler bei „seinem“ VfL Brambauer. Dass nach dieser Saison Schluss sein würde, war klar. Dass das Ende aber so früh kommt, nicht.

Brambauer

, 16.03.2020, 11:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er ist und bleibt das Gesicht des VfL Brambauer, ein wahres Urgestein, das seine gesamte Handball-Laufbahn als Spieler und Trainer nur „seinem“ VfL widmete. Nach 42 Jahren als Spieler und Trainer ist es für Uli Richter nun an der Zeit „adieu“ zu sagen.

Uli Richter ist ein Mann, der zu seinem Wort steht. Ein Mann, der nicht immer den Erfolg an erster Stelle setzte. Für ihn waren es die sozialen Kompetenzen, die zählten. Sein Charakter macht ihn aus und macht ihn zu einem der beliebtesten Lüner Handballtrainer. Doch mit dem Trainerposten ist jetzt endgültig Schluss.

Es hätte alles so schön werden können. Seine A-Mädchen standen eigentlich vor dem letzten Saisonspiel: Der Lüner SV sollte am Samstag zum Lokalderby erscheinen. Richters Mannschaft machte im Vorfeld mächtig Werbung über Social Media. Werbung für das Derby und natürlich für ihren Trainer, der am Samstag das letzte Mal auf der Trainerbank sitzen wollte. Die Halle wäre komplett voll geworden.

Alle Beteiligten wollten nur eins: Richter einen würdigen Abschied schenken. Doch das Corona-Virus machte Richter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Dadurch wurde die Jugend-Saison frühzeitig beendet und Richter zugleich um seinen würdigen sportlichen Abschied in der Sporthalle gebracht. „Natürlich war ich sehr traurig. Ich hätte so gerne noch letztes Mal auf der Bank gesessen“, sagt er. Doch dann kam alles ganz anders als erwartet und völlig überrascht: Seine A-Mädchen stellten sich mit dieser neuen Situation nicht zufrieden. Sie organisierten ganz spontan eine persönliche Abschiedsfeier am Samstag-Abend für ihren „Uli“ im Vereinsheim des Lüner SV in Schwansbell.

Abschied inklusive Überraschungsfeier

„Ich war total überrascht. Das war ein so schöner Abend. Alle wussten davon, auch meine Frau Sabine. Nur ich nicht“, erzählt Richter. Es war eine Überraschungsfeier, die es in sich hatte. Bis tief in die Nacht wurde zusammen gesessen, gefeiert und viele schöne Erinnerungen ausgetauscht. „Das war ein mehr als würdiger Abschied“, so Richter.

Richter pflegte stets einen guten Umgang mit seinen Spielern. Nicht umsonst war er 42 Jahre lang Jugend- und Seniorenmannschaften beim VfL Brambauer, spielte nebenbei aber auch noch bis er 32 Jahre alt war. Mit 20 Jahren machte er seine C-Lizenz und fuhr danach immer wieder Erfolge ein. Sein größter Coup mit der Jugend war sicher die Westfalenmeisterschaft im Jahr 2011. Zudem führte er auch die Männer in die Bezirksliga oder auch die Frauen in die Verbandsliga. Diese hatte er noch bis vor drei Jahren gecoacht. „Für mich war es wichtig meine jetzige A-Jugend bis zum Ende ihrer Jugendzeit zu begleiten. Ich habe sie damals in der D-Jugend übernommen“, sagt Richter.

Uli Richter lässt Platz für die junge Generation

Für ihn stand aber schon vor einigen Jahren fest, dass mit 60 Jahren Schluss ist. „Gesundheitlich geht das leider nicht mehr so gut. Irgendwann muss man reagieren und Platz für Jüngere machen“, so Richter, der seit 1970 im Verein Mitglied ist und immer auch Aufgaben im Vorstand übernahm. Aktuell ist er auch noch stellvertretender Vorsitzender. Das Amt möchte er noch zwei weitere Jahre ausführen. „So schnell werden die mich dann jetzt auch nicht los“, scherzt er und legt nach: „Der Verein ist mein Leben. Ich habe jede Arbeit, die ich hier getätigt habe, immer gerne gemacht.“ Jetzt ist aber der Moment für einen Cut, der aufgrund von gesundheitlichen Problemen jetzt an der Zeit ist, gekommen. Richter hatte 2004 einen Schlaganfall und dadurch Schwierigkeiten beim Laufen. „Das macht sich einfach bemerkbar. Nach meinen Operationen am Rücken habe ich einfach Schwierigkeiten“, gibt er offen zu.

Die Zeit, die er nun haben wird, wird er hauptsächlich mit seinem Lebensrückhalt, seiner Frau Sabine, verbringen. „Wir wollen los marschieren, wollen die Zeit zusammen genießen. Natürlich bin ich aber auch in der Sporthalle“, sagt er. Schließlich sind so viele Spielerinnen und Spieler ihm ans Herz gewachsen. Da will er deren weitere Laufbahnen natürlich hautnah weiter verfolgen. Für viele Nachwuchssportler ist Uli Richter zu ihrem ganz persönlichen Opa geworden.

Zu einem Opa, der immer ein offenes Ohr hatte. „Mir war es immer wichtig den Spielerinnen und Spielern zu zeigen wie das Leben funktioniert. Die sozialen Kompetenzen sind das Wichtigste überhaupt“, so Richter.

Der 60-Jährige habe jede Minute in der Sporthalle genossen: „Ich bin traurig, dass jetzt Schluss ist. Aber ich habe mir immer gesagt: Mit 61 Jahren sitzt du nicht mehr auf der Trainerbank.“ Ein Mann – ein Wort. Auch wenn er nicht mehr aktiv am Spielfeldrand ins Geschehen eingreift, so wird „sein“ VfL Brambauer immer einen ganz großen Stellenwert in seinem Leben einnehmen.

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