War da nicht noch mehr drin?

Saisonfazit bei Wethmar

Beim Fußball-Bezirksligisten TuS Westfalia Wethmar kann man eigentlich zufrieden auf die zurückliegende Saison 2016/17 zurückblicken. Als Vizemeister mit deutlicher Steigerung gegenüber der Vorsaison und einer bärenstarken Offensive wurden alle Saisonziele erreicht, manche gar übertroffen. Dennoch bleibt insgeheim eine Frage: Wäre da nicht sogar mehr drin gewesen?

WETHMAR

, 07.06.2017, 14:37 Uhr / Lesedauer: 4 min

Am Ende trennten die Wethmarer neun Punkte vom Aufsteiger und Meister Werner SC. Von einem knappen Meisterschaftsrennen kann also kaum die Rede sein. Man benötigt jedoch nicht viele „hätte“, „wenn“ und „aber“, und die Saison wäre ganz anders verlaufen. Dass die Wethmarer beide Begegnungen gegen den WSC für sich entschieden, ist nur ein Indiz dafür.

„Werne hat gestrauchelt“, sagt auch Wethmars Sportlicher Leiter und Rückrundentrainer Rolf Nehling. „In den entscheidenden Phasen haben wir aber Punkte gelassen. Gegen Nordkirchen und in Ascheberg haben wir verloren und danach zu Hause gegen TSC Eintracht nur Remis gespielt.“

Punkte liegen gelassen

Entscheidende Punkte ließ die Westfalia jedoch in der Hinrunde liegen. Auf den schlechten Saisonstart mit der 2:5-Pleite beim TuS Hannibal folgte zwar besagter Sieg über Werne. Doch Schwierigkeiten hatte das Team vom Cappenberger See insbesondere in den Auswärtsspielen. In der gesamten Hinrunde gab es nur einen einzigen Auswärtssieg (3:2 bei der TSC Eintracht im Oktober). „Aus meiner Sicht standen wir da zu offen und wollten unser Spiel durchsetzen. Da hätten wir besser taktieren müssen“, sagt Nehling.

Das war wohl auch ein Grund für eine Änderung im TWW-Spiel unter dem neuen Trainer Nehling mit Pascal Harder an seiner Seite, nachdem Alexander Lüggert den Klub in der Winterpause gen Oberligist Hammer SpVg verlassen hatte. „Wir haben versucht, etwas defensiver zu stehen. Wir haben mit einem 4-4-2-System statt mit einer 4-2-3-1-Formation agiert. Das ist oft gelungen, aber nicht immer“, sagt Nehling.

Zu wenige Spiele gewonnen

Generell habe sich nach dem Trainerwechsel jedoch wenig verändert. „Ich war ja vorher schon dicht an der Mannschaft dran, habe als Sportlicher Leiter an der Gestaltung des Kaders mitgewirkt. Ich hatte einen engen Draht zu Alex. Jetzt in der Rückrunde habe ich eng mit Pascal Harder zusammengearbeitet, der das Training geleitet hat. Im Großen und Ganzen haben wir die Arbeit von Alex also fortgeführt.“

Auch der damalige Chefcoach Lüggert, jetzt Co-Trainer in Hamm, hat eine Erklärung für die mäßige Hinserie: „Wir haben zu wenige Spiele gewonnen, die wir vom Verlauf her hätten gewinnen müssen.“ Alexander Lüggert erinnerte sich vor allem an die späte 1:2-Pleite beim FC Nordkirchen: „Das war ein Treppenwitz. Dieses Team hätten wir zerstören müssen. Zur Halbzeit hätten wir 5:0 führen müssen.“

Weckruf

Ein weiteres Problem: die vielen Gegentore der Grün-Weißen. „Da waren Momente, in denen wir sicher geführt und es dann noch aus der Hand gegeben haben“, analysiert Nehling. Beispielsweise führte der TWW 3:0 gegen Overberge und spielte noch 3:3. In Lüdinghausen lag man gar mit 5:1 vorn. „Plötzlich stand es dort 5:5. Zum Glück haben wir da noch 6:5 gewonnen“, so Nehling. „Daran müssen wir definitiv arbeiten.“ Die Schwierigkeit hat der Sportliche Leiter in der Umschaltbewegung ausgemacht: „Auf der Sechser-Position brauchen wir Leute, die Ruhe reinbringen können.“ Für die nächste Spielzeit hat sich Wethmar dort entscheidend verstärkt. Patrick Schöpf (Kirchderne) und Vahit Yilmaz (SV Hilbeck) kommen nach Wethmar.

Möglicherweise war die 1:2-Auswärtsniederlage gegen den FCN Ende September auch ein Weckruf. Danach jedenfalls startete die Westfalia eine beeindruckende Serie von 14 Spielen ohne Niederlage, die erst im Rückspiel gegen Nordkirchen endete. Zuhause auf dem Kunstrasen am Cappenberger See war die Westfalia eine Macht, verlor nur gegen Nordkirchen. Am Ende standen Platz zwei und 52 Punkte zu Buche. Mit 1,73 Punkten pro Spiel kann man einen deutliche Steigerung zur Vorsaison (34 Punkte, 1,21 Punkte pro Spiel) vorweisen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem zweiten Platz. Unser Ziel war das obere Tabellendrittel.“, erklärt Nehling. „Man muss bedenken, dass wir einen sehr jungen Kader haben. Die Mannschaft hat sich super verkauft.“

Verstärkung in Offensive

Das ist auch den Neuzugängen zu verdanken. „Sie haben alle unsere Erwartungen erfüllt“, lobt Nehling. Der vom SC Husen-Kurl gekommene Tim Heptner wurde mit 22 Toren der treffsicherste Stürmer der Liga. Ohnehin stellt Wethmar die mit Abstand torstärkste Mannschaft der Liga. 78 Tore sind eine Hausmarke, an die auch Meister Werne (70 Tore) nicht herankam. „Tim Heptner ist vorne eingeschlagen. Ich kannte ihn ja schon vorher aus Horstmar und habe damit gerechnet, dass er einige Tore macht“, so Nehling.

Doch das Toreschießen soll künftig nicht nur Heptners Aufgabe sein. Mit Christian Wantoch von Rekowski vom Ligakonkurrenten Kirchderne hat der TWW eine weitere Offensivkraft verpflichtet. „Er ist eine andere Art von Stürmer als Tim“, sagt Nehling. „Er ist ein kraftvoller Spieler.“ So möchte Nehling mit dem künftigen Coach Simon Erling, weiteren U23-Akteuren und Jonas Oesterholz aus der A-Jugend im nächsten Jahr wieder eine gute Rolle spielen.

Lüggert sieht Potenzial

Lüggert, der die Entwicklung der Wethmarer weiter aus der Ferne verfolgt, freut sich über das gute Abschneiden seines ehemaligen Teams: „Die guten Ergebnisse in der Rückrunde waren nicht abzusehen, aber ich hab es erhofft.“ Lüggert hielt die ganze Zeit Kontakt zu Pascal Harder, beriet sich ab und zu mit ihm: „Die Mannschaft hat ja auch schon in der Hinserie funktioniert. Er hat eine intakte Mannschaft übernommen. Doch er hat auch unendlich viel richtig gemacht. Ich ziehe den Hut.“

Lüggert sieht ein „gewisses Potenzial“ im Wethmarer Team. Doch ob die Landesliga für einen Verein wie Wethmar richtig ist, weiß er nicht. „Vom Umfeld und der Vereinsstruktur her passt Wethmar super in die Bezirksliga“, sagt er. „Dass man eine Mannschaft fast ohne Etat zusammenstellt, ist in der Bezirksliga ein Alleinstellungsmerkmal. Blickt man auf Werne, was da in die Zusammenstellung des Kaders investiert wird, muss man am Ende vielleicht auch sagen: Es ergibt Sinn, dass der WSC einen Platz über Wethmar steht.“ Perspektivisch sei die Landesliga laut Lüggert aber durchaus drin für den TWW: „Wenn man die Möglichkeiten hat, qualitativ stärkere Spieler nach Wethmar zu holen, ist das eine Option.“

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