Werner Nagerski stirbt mit 92 – Lüner SV trauert um seinen Erfolgstrainer

Nachruf

Die Fußballer trauern um Werner Nagerski. Der erfolgreichste Trainer in der über 75 Jahren alten Vereinsgeschichte des Lüner SV starb vor wenigen Tagen im Alter von 92 Jahren.

von Bernd Janning

Lünen

, 02.05.2021, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Werner Nagerski war gleich mehrfach beim Lüner SV aktiv.

Werner Nagerski war gleich mehrfach beim Lüner SV aktiv. © Bernd Janning

Werner Nagerski wurde 1929 in Dortmund-Eving geboren und durchlief die Jugendteams der Evinger, stand als Halbrechter bei den Senioren unter dem später erfolgreichen DFB- und Bundesliga-Trainer Dettmar Cramer in der Verbandsliga seinen Mann.

Wäre die Medizin damals die mit dem Wissen von heute gewesen, Nagerskis Karriere wäre wohl nicht so früh beendet gewesen. 20 Jahre alt. Meniskus kaputt. Behandlung in den Krankenhäusern in Brambauer und Lüdenscheid. „Der Trainer wollte, dass ich wieder spiele. Machte ich. Doch bis donnerstags war das Knie wieder dick. Spielen ging nicht mehr“, erzählte Nagerski einst.

Probetraining beim Lüner SV

Die Trainer der Vergangenheit waren nur nebenbei aktiv. Mussten sie in ihrem Hauptberuf arbeiten, fehlten sie am Platz. Für Nagerski war dies die Chance in Eving. „Die Spieler baten mich, das Training zu leiten. Wenn, dann ganz, war meine Antwort.“ Damit war er für sieben Jahre auf dem Platz an der Bergstraße dabei.

Die Dortmunder Fußball-Börse war über Jahrzehnte der Treff der Vereinsvertreter. Dort wurden nicht nur die Anstoßzeiten festgelegt. Interna machten die Runde. Evings Geschäftsführer Walter Hübsch hörte: „Der LSV sucht einen neuen Trainer“.

Die Mannschaft des Lüner SV aus dem Jahr 1971/72 mit Trainer Werner Nagerski (hinten rechts)

Die Mannschaft des Lüner SV aus dem Jahr 1971/72 mit Trainer Werner Nagerski (hinten rechts) © Archiv

Wenig später trat Werner Nagerski auf dem Lüner Schützenhof gegen zwei andere Kandidaten zum Probetraining an. „Ich ließ meinen Mitbewerbern den Vortritt, stellte meine Vorstellungen erst zuletzt vor“, so der Evinger. Spätestens da war in ihm das „Schlitzohr“ als Trainer erwacht. „Ich habe dann das gemacht, was ich bei Dettmar Cramer gesehen und gelernt habe. Ich habe auch das gemacht, was ich gerne im Training mache. Spielen, keine 100-Meter-Läufe.“

Angebot von der SG Wattenscheid

Das erste Kapitel von insgesamt dreien beim Lüner SV begann am 1. Juli 1959 und endete am 30. Juni 1964. Aufstieg in die Verbandsliga und 1963 in die neu gegründete Regionalliga, die alte 2. Liga, und das Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Amateurmeisterschaft – Volltreffer über Volltreffer.

„Noch heute fühle ich mich mitschuldig am Abstieg aus der damals 2. Liga. Wir haben guten Fußball gespielt. Das sollte auch weiter so sein. Aber wir holten keine Punkte. Als ich auswärts defensiver einstellte, klappte es besser. Zuhause auch. Aber da gab es auch Pfiffe. Aber meine Reaktion, die Taktik zu ändern, kam zu spät“, betonte der LSV-Trainer damals.

Beim LSV pochten die Spieler auf einen Nagerski-Verbleib. So lehnte er ein Angebot der SG Wattenscheid ab, trat erst 1964 als Coach beim Verbandsligisten Haspe an. Zur Saison 1966/67 kehrte er zum Lüner SV zurück, führte diesen wieder in die Regionalliga. Zwei erfolgreiche Jahre blieb er. Auf Lünen folgte für zwei Jahre der Hammer SV – mit einem Tausch. Für Nagerski kam Artur Gruber nach Lünen, brachte Ludger Gärtner mit.

Nagerski arbeitete auf der Schachtanlage Minister Stein

Gruber und die LSV-Spieler suchten vergebens nach einer gleichen Funkwelle. Nagerski, inzwischen in Erkenschwick, war dort am Stimberg nie glücklich. „Obmann und Co bestimmten, wer trainierte, wer pausieren konnte. So etwas musste doch ich entscheiden. Bei der Weihnachtsfeier bat ich um meine Entlassung, war wenig später wieder für eineinhalb Jahre in Lünen“. Dass Trainerfuchs Nagerski das erste Punktspiel mit Lünen gegen Erkenschwick gewann, wer hätte das bezweifelt?

„Meine Bandscheiben-Probleme holten mich ein. Recht früh, mit 45 Jahren, machte ich mit dem Fußball Schluss“, so der einstige LSV-Erfolgscoach im Rückblick. Er war nicht auf das Trainergeld angewiesen. Beruflich hatte er in Eving auf der Schachtanlage Minister Stein in der Lohnabteilung angefangen, war später Leiter der Personal- und Sozialabteilung.

Zurück blieben Erinnerungen an eine meist schöne Fußballzeit, an die er sich gerne erinnerte. „Beim Lüner SV hatte ich sehr viel Freude. Dazu gelernt habe ich, wenn ich zwischen Beruf und Training bei Borussia Dortmund spionieren konnte, wie dort geübt wird.“

Das Team habe damals guten Fußball gespielt, das heutige Tempo habe es zu dieser Zeit aber noch nicht gegeben. Mit Blick auf seine LSV-Zeit betonte Nagerski stets: „Ich war nicht der Mann im Vordergrund. Für mich war die Mannschaft wichtig, die immer für mich durchs Feuer ging“, sagte Nagerski. Der Erfolgstrainer des Lüner SV wurde 92 Jahre alt.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt