Jugendarbeit in Lünen - ein Klub sticht heraus: Wir sind seit einiger Zeit die Nummer eins in Lünen

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Beim Blick auf die Statistiken fällt schnell auf: Qualität und Quantität im Jugendfußball sind in Lünen sehr ungleich verteilt. Aber warum ist das so? Eine Reise durch die Fußballszene der Stadt.

von Florian Dellbrügge

Lünen

, 10.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir bewegen uns im Jahr 2020 in einer Zeit, in welcher wir auf viel verzichten müssen. Das fängt bei den Einschränkungen im Arbeitsleben an und endet natürlich irgendwann in der Freizeitgestaltung auch beim Sport. In der Bundesliga sind die Stadien leer, im Amateurfußball sind die Sportplätze komplett dichgemacht. Auch im Herbst fallen gerade wieder Spiele und ganze Turniere aus. Davon betroffen ist auch die Fußballjugend in Lünen.

Schon im Sommer gab es den traditionellen Vergleich bei der Feldstadtmeisterschaft nicht. Und auch die eigentlich im Dezember und Januar stattfindende Hallenmeisterschaft fällt dem Corona-Virus zum Opfer. Für die einen ist das schade, für die anderen gar nicht weiter schlimm. Denn während es bei einigen wenigen Vereinen in der Stadt gerade gute Zeiten in der Jugend gibt, stöhnen einige andere Vereine über das genaue Gegenteil und Probleme, überhaupt Mannschaften stellen zu können.

Glück mit der geografischen Lage

Doch woran liegt das eigentlich? Detlev Eppmann, Vorsitzender der Jugend-Fußballfachschaft im Stadtsportverband Lünen, sagt dazu: „Das gibt es immer wieder, dass sich Teams aus dem Betrieb zurückziehen und einige Vereine wenige oder keine Jugendteams haben. Das ist eine Wellenbewegung, die wir alle paar Jahre beobachten können. Ich würde das als normale Fluktuation beschreiben.“

Manchmal aber, so Eppmann weiter, hätten die Vereine auch einfach Glück mit ihrer geografischen Lage. „Manchmal liegt es natürlich auch in der Natur der Sache. Wenn ein Verein wie Westfalia Wethmar im direkten Umfeld ein Neubaugebiet bekommt, wo viele junge Familien mit fußballinteressierten Kindern hinziehen, dann gehen diese Kinder natürlich auch zum nächstgelegenen Sportplatz.“

Detlev Eppmann ist Vorsitzender der Jugend-Fußballfachschaft im Stadtsportverband Lünen (M.).

Detlev Eppmann ist Vorsitzender der Jugend-Fußballfachschaft im Stadtsportverband Lünen (M.). © Günther Goldstein

Und tatsächlich: Mit den Wohngebieten Wethmar Mark oder Lüner Heide hatte der TuS Westfalia in den vergangenen 20 Jahren enormen Zuwachs von Familien in der direkten Umgebung des Sportplatzes am Cappenberger See.

Das gibt dann auch der Jugendleiter von Westfalia Wethmar zu. Bernd Völkering sagt dazu: „Wir haben Baugebiete, die uns einkesseln. Davon profitieren wir natürlich auch. Unser Verein ist in Wethmar fest verankert.“

Die Nummer eins in Lünen?

Völkering ist Vertreter einer der Vereine in Lünen, in denen es sportlich und strukturell gut läuft. Sehr gut sogar. 350 Kinder nennen Westfalia Wethmar derzeit ihre sportliche Heimat. Viele von ihnen spielen überkreislich in der Bezirks-, teilweise sogar in der Landesliga. Ein Zeugnis der guten Arbeit.

In den vergangenen Jahren gingen die meisten Titel bei den Stadtvergleichen stets an den TuS. „Wir sind seit einiger Zeit die Nummer eins in Lünen. Das sollte aber kein Grund sein, um abzuheben. Dennoch sind wir natürlich zufrieden, wie es läuft“, sagt Völkering dazu.

Bernd Völkering (r.) ist verantwortlich für die erfolgreiche Jugendarbeit beim TuS Westfalia Wethmar.

Bernd Völkering (r.) ist verantwortlich für die erfolgreiche Jugendarbeit beim TuS Westfalia Wethmar. © Foto Goldstein

Die Arbeit anderer Vereine wolle er aber von außen nur ungern beurteilen. „Das ist auch eine Sache des Respekts. Man muss immer sehen, welche Möglichkeiten die Vereine haben. Also maße ich es mir nicht an und sage, da läuft es ja gar nicht. Viele Vereine machen aus ihren Möglichkeiten wirklich das Beste und befinden sich auf einem guten Weg, ohne dass die breite Öffentlichkeit das derzeit schon bemerkt.“

Anders als in Wethmar, wo sich die Auslastung mit Jugendteams am oberen Ende des Machbaren befindet, sieht es in Gahmen aus. Die SG Gahmen spielt als einer der wenigen Klubs im Gebiet Lünen/Dortmund noch auf einem Ascheplatz. „Das ist natürlich ganz klar ein Nachteil“, sagt Hüseyin Tekin.

Gahmen hofft auf den Kunstrasen - LSV kooperiert

Der Sportliche Leiter der SG Gahmen ist auch für die Jugend im Klub verantwortlich. Außer einer A-Jugend verfügt der Klub nicht über weitere Nachwuchsmannschaften. Lediglich 22 Jugendliche spielen für den Klub. Ein Zustand, der sich bald ändern soll. „Wir hoffen auf den Kunstrasen in Gahmen. Dann wird es in der Jugend einen Zulauf geben“, so Tekin weiter.

Mit dem neuen Geläuf plant der Verein, innerhalb von fünf Jahren alle Altersklassen zu besetzen. Dabei helfen sollen neben eigenen Aktivitäten des Klubs auch Kooperationen mit umliegenden Schulen. Eine Idee, die auch andere Vereine der Stadt schon hatten. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Sportlicher Leiter der SG Gahmen ist Hüseyin Tekin.

Sportlicher Leiter der SG Gahmen ist Hüseyin Tekin. © Timo Janisch

Mit einer Schule der etwas anderen Art kooperiert der Lüner SV. Der LSV arbeitet im Jugendbereich mit der Münchener Fußballschule zusammen. Während das auf den ersten Blick ob der weiten Entfernung zwischen Lünen und München schwierig aussieht, klärt LSV-Jugendleiter Sebastian Burmann auf: „Unsere Trainer erhalten von der Fußballschule Videos mit Schwerpunkten für die verschiedenen Altersklassen. Diese Sachen sollen sie dann im Training weitergeben und die Kinder so entwickeln.“

Ein Ansatz, wie ihn so kein anderer Verein in der Stadt hat. Burmann sagt dazu: „Wichtig ist uns erst einmal, dass alle Kinder ans Spielen kommen und aktiv sportliche Erfolgserlebnisse wie ein Tor haben. Daher halten wir uns auch an die neuen Entwicklungen wie das Drei-gegen-Drei. Denn dann kommen wirklich alle Kinder an den Ball und können sich entsprechend entwickeln. Konditionstraining und solche Sachen sind da erst einmal nebensächlich. Der Spaß am Spiel muss im Vordergrund stehen.“

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Die Jugend des Lüner SV stehe stets im Austausch mit dem Vorstand des Klubs. Und alle seien sich einig, dass es Geduld mit den Kindern braucht. Denn anders als im Seniorenfußball, wo der Lüner SV seit Jahren die unumstrittene Nummer eins der Stadt ist, hat der Klub bei den Junioren durchaus Nachholbedarf.

„Wir müssen uns einfach im Klaren sein, dass unsere jetzige Arbeit eben erst in fünf oder sechs Jahren Früchte trägt. Bis dahin muss man geduldig weitermachen. Langfristig wird es sich aber auszahlen“, so Burmann dazu.


Lesen Sie im zweiten Teil am Donnerstag, wie der Ansatz der Jugendarbeit bei BW Alstedde aussieht, wie viel Wert die Lüner Vereine auf die Arbeit ihrer Trainer setzen und wie eine mögliche Zukunft der Jugendarbeit aussehen könnte.

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