Alfred Achtelik darf endlich wieder springen und wächst beim Training über sich hinaus

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Niemand hätte Stabhochspringer Alfred Achtelik wohl aufhalten können, als vor zwei Wochen das Go vom Land NRW kam und er wieder auf die FCN-Anlage durfte. Vor Ort überraschte er sich dann selbst.

Nordkirchen

, 24.05.2020, 11:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Trainingseinheiten auf der Stabhochsprunganlage hat Alfred Achtelik schon hinter sich gebracht. Und glücklicher könnte der 59-Jährige kaum sein. Zwei Monate musste er durch die Coronakrise warten, bis er endlich wieder seinen Stab in der Hand hielt und Anlauf auf die Latte nehmen konnte.

Als am 7. Mai vom Land NRW der kontaktlosen Breiten- und Freizeitsport wieder erlaubt wurde, gab es für den Nordkirchener Leichtathleten kein Halten mehr. „Es brannte mir richtig unter den Nägeln, denn so eine lange Pause hatte ich noch nie. Sonst reiht sich eine Saison an die nächste. Da kommt man nicht zur Ruhe und trainiert ständig“, erklärt er.

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Hochmotiviert ging es direkt am Donnerstag, ein Tag nachdem die Lockerungen in Kraft getreten sind, auf die Platzanlage am Schloss. Spezielle Abstandsregeln gab es für Achtelik vor Ort nicht, denn der Athlet vom FC Nordkirchen ist der einzige Stabhochspringer, der die Anlage zur Zeit nutzt. Und somit ganz alleine beim Training.

Die einzige Gesellschaft ist manchmal seine Frau, die ihn bei seinen Sprüngen filmt. Da beide in einem Haushalt leben, ist das in der aktuellen Lage auch kein Problem. Desinfiziert wird aber trotzdem vorher und nachher. Mit Maske muss Achtelik nicht springen. Unter darunter wäre es wahrscheinlich ziemlich heiß geworden.

Achtelik muss sich selbst beim Training bremsen

Weiche Stäbe und kurzer Anlauf standen ganz oben auf dem Plan. Denn in seine ersten Trainingseinheiten wollte Achtelik nicht direkt mit 100 Prozent starten. Woche für Woche möchte er zur alten Stärke finden, um dann im Laufe der nächsten Monate wieder Höhen aufzulegen, die wettkampftauglich sind. Doch der Nordkirchener musste sich sich selbst ein bisschen bremsen. „Ich bin voller Energie und fühle mich gut. Aber trotzdem wird sich mein Körper erst wieder an das Springen gewöhnen müssen, vor allem meine Bänder. Deswegen darf ich nicht übertreiben“, erklärt er.

Denn in der Coronapause waren seine Übungen im Training ganz anders gestaltet als die echten Stabhochsprungeinheiten. Trotz alledem hat er die Zeit genutzt, um andere Akzente zu setzen und besonders an seinen Schwächen zu arbeiten, die ihn im vergangenen Jahr oft ausgebremst haben. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum Achtelik bei seinen ersten Trainingssprüngen ein wenig über sich hinauswuchs.

30 Mal über die Latte und 30 gültige Sprünge standen in kürzester Zeit auf dem Papier und das bei einer einzigen Einheit. „Das habe ich wahrscheinlich das letzte Mal mit 25 Jahren geschafft“, witzelt Achtelik. Damit kopiert er fast schon die Garten-Challenge der weltweiten Stabhochsprungelite, die versucht hat, innerhalb von 30 Minuten so oft es geht über fünf Meter zu springen.

Persönliche Abhärtungsmaßnahmen für spätere Wettkämpfe

Irgendwann wollte dann aber bei Achtelik die Haut an seinen Händen nicht mehr, die durch die schwarze Haftpaste für den richtigen Griff am Stab zunehmend strapaziert wurde. Ein bisschen über sich selbst hat sich Achtelik schon gewundet, doch gleichzeitig sieht er so ein Training auch als Abhärtungsmaßnahme.

„Man kommt bei solchen kurzen, schnellen Sachen an einen Punkt, wo man nicht mehr kann, und den muss ich überwinden und weitermachen.“ In gewisser Weise ist das auch für die Wettkämpfe gut, die sich oftmals bis zu zwei Stunden in die Länge ziehen. Und bei denen der 59-Jährige dann auch nach vielen Sprüngen immer noch genügend Spannung und Energie haben muss. „Das ist aktuell meine kleine Challenge im Training.“

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