Welche Zukunft hat ein Selmer Hallenbad? Der Stadtsportverband wollte wissen, die die Bürgermeisterkandidaten dazu stehen und lud ein. Einer sagte ganz deutlich, dass man ihn nicht fragen soll, wie er es finanzieren würde.

Selm

, 04.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Stadtsportverband Selm hatte am vergangenen Donnerstag die Bürgermeisterkandidaten zur Diskussionsrunde eingeladen. Nachdem die sechs Kandidaten über die Hallensituation und die Zusammenarbeit mit dem SSV gesprochen hatten, ging es beim Thema Hallenbad hoch her. Und auch hier hatten nicht alle Kandidaten Antworten parat.

Die Zukunft eines Bades ist ungewiss. Beim privatisierten Hallenbad am Sandforter Weg deutet sich in den nächsten Jahren der Rückzug des Investors an. „Die Wichtigkeit eines Schwimmbades will ich hiermit aller Deutlichkeit unterstreichen“, sagte Michael Merten.

Alle Bürgermeisteranwärter betonten, wie wichtig ein Hallenbad für die Stadt ist. Die Kandidaten waren sich einig - aber was sollten sie auch anderes sagen: dem Lobbyverband der Sportvereine etwa ins Gesicht sagen, dass Selm kein neues Hallenbad haben sollte?

Die Bürgermeisterkandidaten beantworteten auch die Fragen der SSV-Mitarbeiter.

Die Bürgermeisterkandidaten beantworteten auch die Fragen der SSV-Mitarbeiter.

Ralf Piekenbrock (Familienpartei) ging gleich in die Offensive: „Die Situation, wie wir sie in Selm haben, ist existenziell wichtig. Schwimmen gehörte in meiner Kindheit dazu. Es ist überlebenswichtig“, betonte Piekenbrock und sprach von einem Muss-Zustand. Doch er blieb danach Antworten schuldig: „Fragen Sie mich nicht, wie ich das aus dem Bauch heraus zu finanzieren gedenke. Das kann ich Ihnen schlicht und ergreifend nicht beantworten.“

Thomas Orlowski: „Stadt kann sich ein teures Projekt nicht leisten“

Thomas Orlowski (SPD) dagegen hatte einen Plan: „Wir müssen ein Hallenbad haben. Unsere Kinder müssen Schwimmen lernen. Bei der Hallenbad-Diskussion müssen wir aber auch ehrlich sein. Und zur Ehrlichkeit gehört, dass wir als Stadt uns ein Acht-Millionen-Projekt nicht leisten können. Ich bin aber guter Hoffnung, dass es Fördermöglichkeiten gibt.“ Orlowski sagte auch den Erhalt des Freibades zu.

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„Schulschwimmen ist ein Teil der Bildungspolitik. Es ist verpflichtend hier in Selm. Daher werden wir als Selmer immer ein Hallenbad vorhalten. Die Frage ist nur, wie es in Zukunft vonstattengehen soll“, sagte Michael Zolda von der CDU und zeigte drei Optionen auf: Sanierung, Neubau am Sandforter Weg oder Neubau am Freibad.

Marion Küpper wir nicht auf neustem Stand

Grünen-Kandidatin Marion Küpper, keine Ausdauerläuferin, sondern Naturfan, auch des Schwimmens im Ternscher See, setzt sich - wie alle - für ein Hallenbad ein. „Die Finanzierung? Das wird sicherlich schwer werden. Wir sind eine der schulden reichsten Städte. Da sage ich dann: Wofür macht man Schulden? Ein Hallenbad ist eine Sache, für die ich auch Schulden machen würde.“

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Dann geriet sie selbst etwas ins Schwimmen: Sie lobte Thomas Orlowski dafür, dass er „Sachen sagt, die nicht so ganz öffentlich sind.“ Gemeint war die Diskussion über den Standort des Bades - inklusive Zahlen. „Stand doch alles in der Zeitung“, so Orlowski. Hier war die Grünen-Politikerin nicht auf dem neusten Stand.

Parteiloser Gryczan-Wiese hält private Lösung für möglich, aber nicht optimal

Wilhelm Gryczan-Wiese (parteilos) halte öffentlich-private Partnerschaften, sogenannte PPPs, für möglich, aber auch gefährlich. „So steht man in der Abhängigkeit zu dem Investor. Wenn er pleite macht oder andere Interessen hat, sieht man meiner Erfahrung nach nicht so gut aus. Nichtsdestotrotz gibt es Modelle, wenn es der eigene Haushalt nicht hergibt“, sagte Gryczan-Wiese.

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Er lobte die zentrale Lage des bestehenden Bades. „Das Zeitmanagement muss besser aussehen als bei manch anderen Projekten“, sagte er. Dass Schwimmer mehrere Jahre kein Bad zur Verfügung haben, sei nicht hinnehmbar - damit machten sich aber alle Kandidaten Freunde beim Lobbyverband der Selmer Vereine.

Robin Zimmermann (FDP) schlug vor, mit „Ingenieurs-Tricks“ das Freibad in ein Hallenbad mit auffahrbarer Dachkonstruktion zu umzubauen. Das offene Dach könnte dann im Sommer Freibad-Feeling, in der kalten Jahreszeit eine ganzjährige Nutzung ermöglichen. „Es ist die Frage der Kosten im Raum“, sagte Zimmermann.

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