FC Nordkirchens künftiger Co-Trainer Marcel Stiepermann über Klopp und warum er nie Profi wurde

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Der baldige Nordkirchener Trainer Mario Plechaty hat sich einen interessanten Mann an die Seite geholt. Marcel Stiepermann spielte gegen eine ganze Reihe von Stars in seiner Karriere.

Nordkirchen

, 22.01.2020, 10:57 Uhr / Lesedauer: 4 min

In seiner Karriere hat Marcel Stiepermann (33) vom Fußball-Landesligisten Kirchhörder SC viel erlebt: Er brach sich in einer Saison gleich drei Mal den Mittelfuß. Er spielte gegen Liverpool-Star Joel Matip. Nun wird er Co-Trainer beim FC Nordkirchen in der Bezirksliga 11. Die Schuhe hängt er diesmal wirklich an den Nagel.

„Es gibt ja den einen oder anderen Spieler, der mit 40 noch in der Westfalenliga spielt“, sagt Marcel Stiepermann. Er selbst sieht sich da nicht. „Ich werde bald 34“, sagt Marcel Stiepermann. Es geht nicht darum, dass er nicht wollte und will. Es geht darum, was sein Körper will. Und der wollte eigentlich noch nie so richtig, wenn man da ganz ehrlich ist.

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Manche Sportler bleiben ihr Leben lang von schweren Verletzungen verschont. Die Krankenakte von Marcel Stiepermann könnte dagegen Ordner füllen. „Es war nie einfach. Fußball ist meine Leidenschaft“, sagt Stiepermann. Als RW Oberhausen mit Stiepermann, der damals gerade erst 20 Jahre alt war, in die Regionalliga Nord zurückkehrte, brach er sich den Mittelfuß.

Verletzungen brechen immer wieder auf

Für ihn war es manchmal mehr Leiden als Leidenschaft. Am Durchmarsch in die 2. Bundesliga ein Jahr später wirkte Stiepermann aktiv gar nicht mit. „Heute wird so ein Mittelfußbruch sofort operiert“, erzählt er. Doch in Oberhausen verpasste man ihm nur einen Gipsfuß - die falsche Behandlung. Zwei Mal brach die Verletzung bei Belastung dann wieder auf. Knapp ein Jahr seiner Karriere verlor er dadurch.

Schon in seinen Jugendvereinen hatte er immer wieder mehr als nur Wehwehchen. Bei Borussia Dortmund spielte er von den F- bis zu den B-Junioren. Danach kam er über die U19 des VfL Bochum und der SG Wattenscheid nach Oberhausen. In Essen - Stiepermann war mittlerweile 22 - bremste ihn eine Sehnenentzündung im Knie aus, die sich elf Monate hinzog.

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Doch damit nicht genug. Schambeinentzündung, eine Ellenbogen-Ausrenkung und etliche Faserrisse stoppten ihn auch bei seinen nächsten Stationen. „Ich hatte immer irgendwas“, berichtet Marcel Stiepermann, über den Mario Plechaty, sein künftiger Chef im Trainerteam des FC Nordkirchen, sagt, dass er mit Sicherheit Profi geworden wäre - wenn da nicht ständig diese Probleme gewesen wären.

Potenzial für eine Profi-Karriere

Stiepermann stimmt zu. „Das Potenzial war da und den Körper hatte ich. Ich habe immer wieder gemerkt, was ich aus dem Körper rausholen kann, wenn ich fit bin. Aber ich muss den Körper pflegen. Vielleicht sollte es einfach nicht sein“, sagt er. Statt die Profikarriere einzuschlagen, machte er eine Ausbildung und arbeitet inzwischen erfolgreich im Vertrieb für Dachbaustoffe.

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Das Karriereende als Amateur war immer wieder Thema, auch der Wechsel in den Trainerjob. Da kam die Anfrage von Plechaty vor wenigen Wochen gerade recht. „Mario Plechaty schätze ich sehr“, sagt Marcel Stiepermann, „er ist ein Trainer-Fuchs. Ich möchte Erfahrung sammeln und in den Trainer reinwachsen.“ Stiepermann macht keinen Hehl daraus, dass Plechaty der Faktor war, warum er sich für die neue Aufgabe entschied.

Marcel Stiepermann will in das Traineramt hineinwachsen

Das Traineramt reizt den 33-Jährigen. Hier könne er Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit einer Mannschaft Erfolg haben. Motivation ist für Marcel Stiepermann ein Schlüsselwort. „Mein Bruder Marco hat unter Jürgen Klopp gespielt. Er hat gesagt, dass Klopp es immer schafft, zu motivieren, obwohl mein Bruder nicht gespielt hat. Jürgen Klopp schafft es, auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen.“

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Zu seinem Bruder Marco Stiepermann (28), Profi in der Premier League bei Norwich City, hat Nordkirchens künftiger Co-Trainer täglich Kontakt. „Wir haben uns als Kinder ein Zimmer geteilt“, berichtet Marcel Stiepermann. Noch August besuchte er mit der Familie das Eröffnungsspiel der Premier League zwischen Liverpool und dem Aufsteiger aus Norwich.

Marcel Stiepermann spielte gegen viele bekannte Fußballer

In Liverpool saß damals auch der Ex-Schalker Joel Matip (28) auf der Bank. Ihn nennt Marcel Stiepermann auf die Frage, welches der beste Spieler war, gegen den er gespielt hat. „Wir haben mit Wiedenbrück mal gegen die U23 von Schalke gespielt. An dem kamst du nicht mal eben vorbei. Er war wie ein Baum. Ein paar Jahre später ist er durchgestartet“, erinnert sich Stiepermann.

Und es gab viele prominente Akteure, denen Marcel Stiepermann auf dem Feld begegnet ist: Gonzalo Castro zum Beispiel, Ralf Fährmann, Kevin Trapp, Andreas Luthe, Marcel Maltritz, Patrick Fabian, Paul Freier, Marc-André ter Stegen, Tony Jantschke oder Ashkan Dejagah - die Liste ist lang. Der beste Spieler, mit dem er in einer Mannschaft gespielt hat, sei Mike Wunderlich (33) gewesen, dem er bei RWE den Rücken freihielt. 46 Regionalliga-Partien machte Stiepermann, 21 U19-Bundesligaspiele.

Dass er den FC Nordkirchen kaum kennt, sieht er als Vorteil

Der Weggang aus seiner Fußball-Heimat Kirchhörde, wo Stiepermann mit seiner vierköpfigen Familie lebt und sein Sohn (5) Fußball spielt, ist für ihn ein Schnitt. „Vielleicht ist ein Tapetenwechsel auch nicht verkehrt. Nordkirchen ist mal etwas ganz anderes“, sagt Stiepermann. Das Vereinsgelände kennt er noch nicht, gespielt habe er auch noch nie gegen seinen künftigen Klub. Auch die Bezirksliga 11 ist Neuland für ihn.

Stiepermann: „Das ist etwas Positives. Wenn du im Dortmunder Raum lebst, bist du gleich voreingenommen. Jetzt bin ich das erste Mal an einem Ort, an dem ich niemanden kenne und an dem mich niemand kennt.“

Dass Nordkirchen Landesliga-Ambitionen hat, weiß er, gibt einen Aufstieg aber nicht als Ziel aus: „Ich habe immer das persönliche Ziel, so hoch wie möglich zu kommen und so viele Spiele wie möglich zu gewinnen.“ Spielen möchte er primär nicht. „Ich werde irgendwo im Ballraum vielleicht auch Schuhe haben, aber ich bin als Trainer da. Das ist der Fokus“, erklärt Stiepermann. Beim Hörder SC in der A-Liga war er schon Spielertrainer. „Doch eigentlich halte ich da nicht viel von. Der Trainer an der Linie kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und sieht von außen noch mal mehr“, sagt Stiepermann. In Nordkirchen hat er eine neue Aufgabe vor sich.

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