Frauenmannschaft des SV Südkirchen feiert 50. Jubiläum - und alles begann im Ausland

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1970 wurde die Damenabteilung des SV Südkirchen gegründet und seit heute besteht sie. Auch, wenn es damals große rechtliche Probleme gab, hat sich die Frauenmannschaft immer gehalten.

von Nico Ebmeier

Südkirchen

, 16.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn heutzutage die deutsche Frauen-Fußball-Nationalmannschaft spielt, zieht es Millionen Fernsehzuschauer vor die Geräte. Dass es früher gar verboten war, als Frau gegen das runde Leder zu treten, ist eigentlich gar nicht mehr vorstellbar. Besonders im Nationalsozialismus wurde der Frauenfußball verachtet, galt als nicht vertretbar mit dem eigenen Ansehen der Frau. Es dauerte bis in die frühen 70er Jahre, dass in Deutschland Frauenfußball offiziell erlaubt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten die deutschen Herren längst ihren ersten WM-Titel geholt und waren auf dem Weg zu zwei weiteren großen internationalen Triumphen.

Doch noch bevor die Frauen in Deutschland überhaupt das Recht bekamen, im Verein Fußball zu spielen, hatte sich schon in Südkirchen eine Mannschaft gebildet. Der Weg dahin war äußerst kurios. In den Niederlanden hatte Frauenfußball längst Konjunktur, war anerkannt und gehörte zum alltäglichen Bild des Sports. Auf einer Reise ins Nachbarland schaute sich deshalb auch der Südkirchener Josef Quante dort eine Partie in Hengelo an und war begeistert.

50 Jahre Frauenfußball beim SV Südkirchen

Quante, heute Ehren-Mitglied beim SVS, nahm diese Begeisterung auch mit über die Grenze zurück und gründete kurzerhand eine Südkirchener Frauenmannschaft. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt, im Mai 1970, noch immer nicht erlaubt, ein wirkliches Freundschaftsspiel anzusetzen. Deshalb vereinbarte Quante mit der Mannschaft aus Hengelo ein „Trainingsspiel“ am Südkirchener Böckenbusch.

„Die Begeisterung war wohl auch hier riesig. Es sollen Hunderte Zuschauer am Platz gewesen sein“, erzählt SVS-Vorsitzender Franz Josef Dornhege. Das Spiel endete zwar 21:0 für die Gäste aus Hengelo, die aufgrund der nicht vorhanden Beherbergungsmöglichkeiten in Südkirchen in Privathäusern untergekommen waren, doch das war natürlich zweitrangig. Über die große Begeisterung für den Frauenfußball in Nordkirchen kann Dornhege aber nur rätseln. „Es ist eigentlich schon kurios, weil das damals mit dem Herren-Fußball nicht annähernd vergleichbar war“, erinnert sich der Südkirchener, der ebenfalls als Kind ein Frauen-Spiel besucht hatte.

Das erste Spiel des SV Südkirchen ging 0:21 aus

„Aber vielleicht haben die Leute ein Plakat gesehen und sich auch gefragt, wie das wohl aussehen wird. Und dann sind sie eben alle zum Böckenbusch gekommen.“ Um das passende Flair auf den Platz zu bringen, kamen die Niederländer sogar extra mit einer eigenen Blaskapelle angereist und sorgten für richtig Stimmung beim SVS.

Wenige Monate später, im Oktober 1970, wurde Frauenfußball in Deutschland dann auch offiziell erlaubt und die Mannschaft, trainiert von Antonius Köster und Heinz Kehrenberg, entwickelte sich immer weiter, stieg sogar zwischenzeitlich in die Bezirksliga auf.

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Genau 50 Jahre später sieht die Welt ein wenig anders aus. Frauenfußball mobilisiert Millionen, auch mit vielen Vorurteilen konnte er inzwischen aufräumen. Im passenden Jahr ist sogar dann auch die Spielgemeinschaft Selm/Südkirchen zuletzt in die Kreisliga A aufgestiegen. „Das ist natürlich toll, dass es dann sogar genau zum Jubiläum passiert ist. Generell spielen die Mädels mittlerweile richtig guten Fußball. Das ist mit den Qualitäten von früher überhaupt nicht mehr vergleichbar“, freut sich Franz Josef Dornhege.

Eigentlich wollte der SV Südkirchen auch in diesem Jahr eine große Jubiläums-Fete schmeißen. „Wir hätten dann alle ehemaligen Spielerinnen eingeladen und einmal richtig Party gemacht. Das konnten wir nun wegen des Coronavirus natürlich nicht. Leider wissen wir auch noch nicht, ob und wie wir die Feier noch nachholen werden“, erklärt der Südkirchener.

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