Früher Handball, jetzt erstmals Marathon: Carsten Sprung hilft mit Laufen auch Kindern

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Früher war er Handballtrainer in Olfen, jetzt konzentriert sich Carsten Sprung aufs Laufen. Seinen ersten Marathon hat er am Wochenende absolviert - und mit sozialem Engagement verknüpft.

Nordkirchen, Olfen

, 10.10.2019, 16:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als Carsten Sprung (42) am Sonntag beim Bremen-Marathon ins Ziel einlief, tat ihm alles weh. Doch die Schmerzen wichen kurz darauf schnell, als dem Nordkirchener die Finishermedaille um den Hals gehängt wurde, wie sich das eben bei Volksläufen so gehört. „Dann waren die Glückshormone da“, erzählt Sprung über sein Marathon-Debüt. Dass davon aber auch das Kinderpalliativzentrum in Datteln finanziell profitiert, ist eigentlich die viel schönere Geschichte.

Die beginnt vor über 25 Jahren. Damals war Sprung Zehnkämpfer. „Ich bin im Wettkampf nie weiter als 1500 Meter gelaufen“, sagt Sprung - das ist die abschließende, zehnte Disziplin bei den „Königen der Leichtathletik“. Carsten Sprung liebte seinen Sport. „Es war mehr ein Miteinander statt ein Gegeneinander im Zehnkampf“, sagt er. Und wichtig zu wissen ist noch, dass Sprung dann viele Jahre relativ wenig mit der Leichtathletik zu tun hatte.

Handballer Carsten Sprung stieg in die Regionalliga auf

Stattdessen wendete er sich dem Handball zu. Der gebürtige Delmenhorster begann ein Elektrotechnik-Studium in Kiel. Die handballverrückte Stadt war damals wie gemacht für ihn. „Ich habe mir einen Ort gesucht, an dem ich gut Handball spielen kann. Und Kiel sollte hinhauen“, erzählte Sprung. Mit dem TSV Kronshagen stieg er sogar bis in die Regionalliga auf.

Früher Handball, jetzt erstmals Marathon: Carsten Sprung hilft mit Laufen auch Kindern

Carsten Sprung trainierte bis vor anderthalb Jahren noch die Handballerinnen des SuS Olfen. © Jürgen Weitzel

Später zog er mit seiner Frau nach Olfen. Sprung begann auch hier, Handball zu spielen. „Ich war in 30 Jahren nie schwer verletzt. Man soll das nicht unbedingt herausfordern. Es war eine intensive und schöne Zeit“, sagt er und entschied sich, die Schuhe als Aktiver an den Nagel zu hängen. Bis 2018 trainierte er die Damenmannschaft, trat dann auch hier zurück, weil es ihm zu zeitaufwendig wurde - der endgültige Abschied vom Handball für den 42-Jährigen.

Carsten Sprung begann zu laufen

Ohne Sport ging es dann aber auch nicht. Carsten Sprung fing wieder an zu joggen, einmal pro Woche 10 Kilometer. Dann motivierte ihn im Winter ein Freund, den Bremen-Marathon am 6. Oktober zu laufen - aus einer Laune heraus sagte Sprung zu. „Ich habe mich direkt angemeldet, damit ich aus der Nummer nicht mehr rauskomme“, sagt Carsten Sprung und lacht. Da stand er nun im Wort.

Doch der Ehrgeiz packte ihn, als er in einem Testlauf, „so weit mich die Beine tragen“, 22 Kilometer auf der Laufuhr stehen hatte. Er recherchierte Trainingspläne und lief immer mehr. „Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto stärker wurde das Gefühl, es nicht nur für mich selbst machen zu können. Es soll anderen helfen“, sagt Sprung.

Laufpate spendet, wenn Carsten Sprung läuft

Und im April beim Wangener Genusslauf im Allgäu wurde die Idee geboren, Laufen mit Spendenbereitschaft zu verbinden. Sein Laufpate Frank Heidemann - mit dem Unternehmer ist Sprung gut befreundet - spendet für jeden Kilometer, den Sprung bei Wettkämpfen läuft, 5 Euro. „Frank ist ein sozial engagierter Mensch“, erzählt Sprung.

So entstand sein eigenes Charity-Projekt, das er „Run & help Kids!-Laufchallenge“ getauft hat und das mittlerweile eine eigene Internetseite hat. Sprungs Ziel war es, in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit auf die Einrichtung in Datteln sowie die Kinderstiftung Bodensee zu lenken. „Ich bin der Meinung, dass die tolle Arbeit in Datteln unterstützt werden müsste“, sagt er.

900 Euro sind bislang zusammengekommen

Bislang sind unter den 1700 Trainings- auch 180 Wettkampfkilometer durch den laufenden Familienvater zusammengekommen, die der Sponsor mit Spenden über 900 Euro an das Kinderpalliativzentrum in Datteln belohnen möchte. Sprung war nicht nur in Bremen dabei, sondern unter anderem auch beim Schloss- und Dorflauf in Nordkirchen, wo seine Familie inzwischen wohnt, beim Schleusenlauf in Datteln, dem Lüdinghauser Stadtfestlauf und dem Sanddornlauf auf Langeoog. Am 20. Oktober läuft Sprung noch den Halbmarathon in Oldenburg.

Aber damit nicht genug. 2020 soll die Challenge weitergehen: Die Nordkirchener Laufveranstaltungen, die Halbmarathons in Wangen (April) und Kressenbronn (Bodensee/September), die Marathons in Hamburg (April) und Bremen (Oktober) sind bereits eingeplant - und das Engagement soll wachsen. Derzeit sucht Carsten Sprung weitere Laufpaten.

Mit dem Ergebnis beim ersten Marathon war er zufrieden: „Vor allen Dingen wollte ich ankommen. Und wenn es dann für unter vier Stunden reicht, wäre das super. Dass es dann sogar 3:48 Stunden geworden sind, macht mich sprachlos und glücklich.“

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