Nach Trauerfall in der Familie ist Philipp Sandhowe gefeierter Held beim FC Nordkirchen

rnFußball: Relegation

Philipp Sandhowe ist der Held. Der Schlussmann des FC Nordkirchen war nach dem Relegations-Elfmeterschießen mit 26 Elfern der gefeierte Mann. Tragisch: Erst am Freitag war sein Vater gestorben.

Nordkirchen

, 02.06.2019, 20:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie drückten ihn, sie herzten ihn. Jeder wollte Torhüter Philipp Sandhowe umarmen. Obwohl Daniel Krüger den alles entscheidendenElfmeter verwandelt hatte, liefen Ersatzspieler, Betreuer und Fans des FC Nordkirchen zu ihrem Torwart, dessen hellblaues Torwarttrikot unter dem Haufen Nordkirchener Spieler am Ende nur noch fleckenweise hervorguckte.

Die Szene nach dem Halbfinal-Einzug der Relegation über den SV Burgsteinfurt war eine starke Geste der Nordkirchener Mannschaft an ihren Torhüter. Sandhowe hatte wenige Tage vor dem Spiel seinen Vater nach Krankheit verloren.

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Nordkirchens Keeper Philipp Sandhowe nach dem Sieg

Nordkirchen lief deswegen mit Trauerflor auf. Man konnte nur erahnen, wie sich Sandhowe im Kasten gefühlt haben muss. Im Hinterkopf der Schmerz des Todesfalls in der eigenen Familie, gepaart mit dem Relegationsdruck, den man den Nordkirchenern anmerkte. Der gipfelte nach 120 kraftraubenden Minuten in Gievenbeck bei Temperaturen von über 30 Grad in das Elfmeterschießen, das mit insgesamt 26 Schüssen vom Punkt und einer Achterbahnfahrt kein Drehbuchautor für die Thriller- und Krimisparte besser hätte erdichten können.

Sandhowe saß nach dem 11:10 auf dem Rasen. Er war klitschnass, nachdem ihm ein Mitspieler die Eisbox über den Kopf gekippt hatte. Zwischen den Grashalmen lagen noch Eisstücke. Sandhowe störte sich nicht daran. „Es war irgendwie für ihn“, sagte Philipp Sandhowe gerührt über seinen Vater, „auch, wie die Mannschaft gekämpft hat. Das war einfach geil.“

FCN verschießt dreimal

Gleich mehrfach hatten seine Vorderleute die Möglichkeit, den Sack endgültig zuzumachen. Zum Beispiel Nordkirchens siebter Schütze Joachim Mrowiec, der ganz schwach ins Eck schoss. Direkt danach setzte der nächste Burgsteinfurter den Ball weit vorbei. Doch Tim Bröer verschoss erneut – denn Marcel Brameier war im Eck. Die zwischenzeitliche Nordkirchener Führung hatte Thomas Eroglu als vierter Schütze aus der Hand gegeben.

Sandhowe selbst musste als elfter Nordkirchener auch ran und verwandelte sicher ins linkte Eck, obwohl er Riesendruck hatte, weil er treffen musste. Nachdem Sandhowe dann abgetaucht war und er den 13. Burgsteinfurter Elfmeter von Max Feldhues abwehrte, zimmerte Nordkirchens Daniel Krüger den Ball dann in die Maschen – endlich war das Weiterkommen perfekt. „Wir hatten so oft den Matchball auf dem Fuß. Es ist mir scheißegal, wie lange das ging, Hauptsache gewonnen“, sagte Sandhowe, der Nordkirchen mit starken Paraden mehrfach im Spiel hielt und sich nur eine Unsicherheit leistete, als er sich beim Rauskommen verschätzte – wer will es ihm verübeln mit der Vorgeschichte, die sich abgespielt hat.

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Die Riesenchance nach nur einer Minute, als Krüger dem besser postierten Dennis Närdemann hinter sich übersah, hatte Nordkirchen nicht viel Sicherheit gegeben. Ab Minute zwölf lief Nordkirchen nach einem Einwurf einem Rückstand hinterher. Die größte Ausgleichschance produzierte Krüger, indem er den Ball nach einer Ecke einfach passieren ließ – doch in der Mitte fehlte diesmal der einschussbereite Nordkirchener. Mit dem 0:1 zur Pause war der FCN gut bedient.

Nur drei Minuten nach dem Seitenwechsel machte sich Mrowiec‘ Hereinnahme mit dem Kopfballtor bezahlt. Der FCN tat mehr: Riesenchancen ließen Krüger (55.), Trawinski (90.) und Marvin Fritsche in der Verlängerung (94.) aber aus. Nordkirchens Akkus waren dann leer – bis die Energieleistung im Elfmeterschießen belohnt wurde.

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