Coronavirus: Verband setzt Amateurfußball vorerst aus - das sagen Trainer der heimischen Vereine

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An diesem Wochenende sollte nicht nur das Bezirksliga-Derby des FC Nordkirchen gegen den SuS Olfen steigen. Wir haben bei den vier ligahöchsten Teams der Region nachgefragt, wie sie mit den Absagen umgehen.

Nordkirchen, Olfen, Selm, Vinnum

, 13.03.2020, 15:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ab diesem Wochenende bleibt es vorerst still auf Westfalens Fußballplätzen: Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat sämtliche Spiele von den Kreisligen bis zur Oberliga bis zum 19. April aufgrund der Coronakrise abgesagt. „Es ist uns bewusst, dass es eine drastische Maßnahme ist. Wir sahen aber im Sinne der Verantwortung für unsere Aktiven und Fans keine andere Möglichkeit“, wurde FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski in einer Verbands-Mitteilung zitiert. „Nur gemeinsam können wir die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen, dazu müssen auch der Fußball und die Leichtathletik beitragen. Wir hoffen im Sinne der Solidarität vor allem mit älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen auf das Verständnis unserer Vereine.“ Neben den Liga-Partien sind auch sämtliche Freundschafts- und Pokalspiele sowie Turniere betroffen.

Somit kommt es an diesem Sonntag auch nicht zum Bezirksliga-Derby des FC Nordkirchen und SuS Olfen. Eine Entwicklung, die die Trainer beider Vereine bedauern, aber auch für alternativlos halten.

„In erster Linie ist das absolut die richtige Entscheidung, auch wenn es für uns natürlich schade ist. Wir haben gerade einen Lauf mit vier Siegen aus vier Spielen, das gute Gefühl nimmst du natürlich gerne mit ins nächste Spiel“, erklärt Issam Jaber, Coach des Tabellendritten FCN. „Aber aus gesundheitlichen Gründen finde ich das absolut richtig. Auch wenn das für uns sportlich von Nachteil ist.“

Michael Krajczy und der SuS Olfen setzen den Trainingsbetrieb aus.

Michael Krajczy und der SuS Olfen setzen den Trainingsbetrieb aus. © Sebastian Reith

Olfens Trainer Michael Krajczy sieht die Entwicklung ähnlich. „Es ist richtig, dass alles abgesagt ist. Man muss ja jetzt aufeinander aufpassen. Das sieht man ja auch in Italien, dass die Verbreitung verlangsamt werden muss“, so Krajczy. „Man muss erstmal die Entwicklung abwarten und gucken, ob es überhaupt weitergeht. Es ist dann halt trotzdem irgendwo nur ein Fußballspiel.“

„Halte es nur für verantwortungsvoll, wenn man das Ganze so befolgt“

Auch bei der SG Selm gibt es Verständnis für die Absagen. „Es ist zwar immer schwierig, Leuten, die sich fit und gesund fühlen, zu sagen, dass sie nicht spielen dürfen. Aber es ist ja so, dass weltweit Maßnahmen ergriffen werden. Da halte ich es nur für verantwortungsvoll, wenn man das Ganze so befolgt“, sagt Trainer Deniz Sahin. „Die machen das ja nicht um einen zu ärgern, sondern damit der Virus nicht weitergegeben wird - daher ist das gar kein Thema.“

Deniz Sahin, Trainer der SG Selm, steht hinter den Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus.

Deniz Sahin, Trainer der SG Selm, steht hinter den Maßnahmen gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus. © Sebastian Reith

Für Westfalia Vinnums Coach Michael Nachtigall war die Absage vorhersehbar. „Wenn man ein bisschen über den Tellerrand hinausschaut, gerade bei der Entwicklung in den letzten 48 Stunden, war klar, dass das so kommt“, so Nachtigall.

Der Westfalia-Trainer ist sich der gesundheitlichen Gefahr, auch für seine Mitmenschen, bewusst. Die Einladung zum Geburtstag der Mutter seiner Freundin habe das Paar ausschlagen müssen, wie er erklärt: „Ich arbeite im Außendienst und habe da viel Kontakt mit Menschen. Meine Freundin ist viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Der Sohn ist in der Schule. Wir können da gar nicht guten Gewissens hingehen.“ Das Geburtstagskind sei über 80 Jahre alt - und zählt somit zur Risikogruppe. „Da ist der Fußball nicht so wichtig.“

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Unterschiedlich verfahren die Teams mit dem Trainingsbetrieb. „Wir trainieren heute mit der gesamten Mannschaft“, berichtete Nordkirchens Issam Jaber am Freitag. „Alle Spieler, auch die Verletzten, werden da sein. Wir werden dann den weiteren Gang der nächsten Wochen besprechen, auch mit dem Verein.“

Der SuS Olfen dagegen legt das Training vorsorglich auf Eis. „Wir bis nächste Woche einen Cut und sammeln dann erstmal Informationen. Wir werden heute und am Wochenende nichts machen und dann Mitte nächster Woche gucken, wie es weitergeht.“

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© Sebastian Reith

So handhabt auch die SG Selm die Situation. „Es kam die Empfehlung, dass nicht weiter trainiert werden soll. Die Überlegung geht schon dahin zu sagen, dass man erstmal von Woche zu Woche guckt, dass wir diese Woche aussetzen und dann weitergucken. Wir wollen da kein Risiko eingehen“, erläutert Sahin.

Bei Westfalia Vinnum war die Fortsetzung des Trainings am Freitagmittag noch unklar. „Wir werden nochmal telefonieren, wie wir das handhaben, aber ich denke schon, dass wir den Trainingsbetrieb aufrechthalten“, so Nachtigall. „Ich bin beruflich im Vertrieb unterwegs, da kann ich auch nicht sagen, ich mache zwei, drei Wochen Homeoffice. Das geht einfach nicht.“

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