Vom Ersatzmann zum Nationalspieler: Der unglaubliche Weg von Amos Pieper

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Am Sonntag steht für den Nordkirchener Innenverteidiger das Saisonfinale der Zweiten Liga an. Vorher schauen wir auf ein schier unglaubliches Jahr von Amos Pieper zurück.

von Nico Ebmeier

Nordkirchen

, 27.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn am Sonntagnachmittag gegen die 17.20 Uhr die Spieler von Arminia Bielefeld die Schale des Zweitliga-Meisters in den ostwestfälischen Himmel strecken, ist es endgültig geschafft. Die Champagner-Korken können fliegen und in der Stadt wird es trotz der Coronamaßnahmen kein Halten mehr geben. Mitten drin wird dann auch der Nordkirchener Amos Pieper sein. Ein Rückblick zu einer denkwürdigen Saison.

Doch damit, dass der Nordkirchener Fußballer Amos Pieper beim Zweitligisten überhaupt zum Stammpersonal gehört, hätten die wenigsten gerechnet. Denn eigentlich begann Pieper als Innenverteidiger Nummer drei oder vier bei den Blauen. Speziell nachdem die Ostwestfalen sogar noch mit Alex Perez einen Verteidiger mit spanischer Erstligaerfahrung holten, schien der Weg in die Startelf sehr lang - auch wenn er in der Rückrunde des Vorjahres viele Spielanteile bekommen hatte.

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Etwas überraschend bekam Pieper schon am zweiten Spieltag seine ersten Saisonminuten. Im Westfalenduell in Bochum wurde er in der 81. Minute eingewechselt und zeigte direkt, was er kann. Nach verrückten 90 Minuten stand es 3:2 für die Hausherren, Pieper bekam den Ball auf der linken Seite, flankte in die Mitte und der Bochumer Losilla grätschte den Ball ins eigene Tor. Es war zwar Piepers erster und letzter Scorerpunkt in dieser Saison, doch er machte auf sich aufmerksam.

Nilsson/Pieper sind eine Bank

Am vierten Spieltag verletzte sich dann der eigentlich etatmäßige Innenverteidiger Brian Behrendt in Regensburg bereits nach sechs Minuten am Kreuzband. Trainer Uwe Neuhaus hatte nun die Qual der Wahl, ob er den jungen Amos Pieper oder den Spanier Perez neben Joakim Nilsson in die Abwehrmitte setzt. Neuhaus entschied sich für den Nordkirchener. Ein Glücksgriff - für Pieper und die Arminen.

Denn das Duo Pieper/Nilsson erwies sich als sichere Bank, kassierte nur zwei Mal mehr als zwei Gegentore und hält bis Saisonende wahrscheinlich die beste Defensive der 2. Liga. Mit dem ebenso kongenialen Sturm-Duo Andreas Voglsammer und „Mister Arminia“ Fabian Klos übernahm der DSC nach einem 5:1-Auswärtssieg in Nürnberg sogar erstmals seit 2010 die Tabellenführung im Fußball-Unterhaus.

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Zwar mussten die Arminen diesen Platz an der Sonne kurz darauf wieder abgeben, seit dem 1. Dezember hieß der Ligaprimus dann aber bis zum Saisonende Arminia Bielefeld. Und Pieper? Der blühte richtig auf.

Immer etwas im Schatten des vier Jahre älteren Joakim Nilsson erhielt der Nordkirchner beispielsweise vom Kicker-Sportmagazin regelmäßig Bestnoten. Heute, wenige Tage vor dem Saisonende, führt Amos Pieper sogar die Liste der besten Innenverteidiger punktgleich mit Nilsson an (Notenschnitt 2,86).

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Auch auf anderer Ebene machte Pieper auf sich aufmerksam. Im November nominierte Nationaltrainer Stefan Kuntz den Nordkirchener erstmals für die deutsche U21-Nationalmannschaft und das Spiel gegen Rumänien. „Man findet relativ wenige Wort dafür. Es ist ein überragendes Gefühl und so ein wenig der Lohn für die erfolgreiche Arbeit“, erzählte Amos Pieper vor dem Spiel bei Sky. Zu einem Einsatz reichte es nicht - noch nicht.

Pieper zählt zum Stammpersonal

Mit den Arminen dagegen ließ sich der Stamm-Innenverteidiger die Tabellenführung bis zum Ende und trotz der Corona-Pause nicht mehr nehmen und war schon vier Spieltage vor dem Finale sicherer Meister und Aufsteiger. Insgesamt kam Pieper bisher auf 30 Einsätze und 2613 Spielminuten. Nur ein einziges Mal wurde der Nordkirchener ausgewechselt. Sein Marktwert liegt mittlerweile bei 1,8 Millionen Euro.

Und auch, wenn der kreuzbandlädierte Behrendt mittlerweile wieder genesen ist und auch der Ex-Erstligaprofi Perez auf seinen Einsatz hofft, wird Pieper sehr wahrscheinlich als Stammspieler in die erste Fußball-Bundesliga gehen. Dann heißen die Gegner nicht mehr Sandhausen und Wehen Wiesbaden, sondern Borussia Dortmund und Bayern München. Man darf gespannt sein, wohin der Weg des Nordkirchener noch führt.

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