Rik Amann ist kein Freund der späten Saison: „So kannte ich die Leichtathletik bisher nicht!“

Coronavirus

In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln.

von Rik Amann

Olfen

, 19.08.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rik Amann wollte bei den Westfalenmeisterschaften im Kugelstoßen starten.

Rik Amann wollte bei den Westfalenmeisterschaften im Kugelstoßen starten. © Gövert

Die diesjährige „Late-Season“ und ich, so richtige Freunde werden wir wohl nicht mehr. Auf der einen Seite freut es mich natürlich, dass bei den ganzen Meetings, die zurzeit durchgeführt werden, immer neue Bestleistungen und teilweise sogar verschiedenste Rekorde aufgestellt werden. Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Absagen von Veranstaltungen und eine Planungssicherheit, die ich schon ein paar Mal angesprochen habe, kann auch angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen in Deutschland niemand gewährleisten.

So zum Beispiel wurde in der vergangenen Woche die U20 aus dem Terminplan der westfälischen Meisterschaften in Hagen gestrichen – bisher ersatzlos. Eigentlich hatte ich dort zunächst einen Start im Kugelstoßen und im Speerwerfen geplant. Beides nicht meine Hauptdisziplinen, aber in so einem Jahr kann man ja das ein oder andere ausprobieren.

Doch wirft man nun einen Blick in die Ausschreibung für diese Meisterschaften, findet man nicht mehr als den Hinweis: Jahrgang 2001, Altersklasse U20, nicht startberechtigt. Dass dieser Start nun für mich ausfällt, ist zwar blöd gelaufen, jedoch verkraftbar.

Rik Amanns Verständnis für Absagen ist verständlich, aber nicht die Art

Es geht mir jedoch um eine andere Sache. Dass eventuell aus organisatorischen Gründen eine Meisterschaft mit vier Altersklassen und jeweils männlichen und weiblichen Athleten mit Hygieneauflagen und erhöhtem organisatorischem Aufwand nicht umzusetzen ist, ist für mich absolut nachvollziehbar. Dass dann eine Altersklasse oder Disziplinen aus dem Wettkampfprogramm gestrichen werden müssen, ist für mich auch nachvollziehbar.

Doch dass einfach eine Ausschreibung geändert wird und damit das Thema durch ist, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich als Athleten würde mir da doch wünschen, dass es eine kurze Mitteilung gibt, sei es auch nur auf der Seite des zuständigen Verbandes. Denn eine Absage aus Gründen, die mit der Coronavirus-Pandemie zusammenhängen, kann - denke ich - jeder verstehen. Es gibt bestimmt für alle Entscheidungen und Absagen plausible Gründe, doch warum kommuniziert man sie nicht mit den Athleten, sondern lässt sie in ihrer Ungewissheit alleine?

Genau das ist es, was mir an dieser „Late-Season“ nicht gefällt, die fehlende Kommunikation zwischen Athleten und Verbänden. Es gibt viele nationale und sogar wieder internationale Meetings für Spitzenathleten, es gibt wieder Deutsche Meisterschaften für die Besten der Besten, doch denkt man auch genug an die breite Masse, die Athleten der zweiten Reihe? Für die Top-Athleten wird alles möglich gemacht und die anderen müssen zurückstecken. So kannte ich die Leichtathletik bisher nicht.

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In einer wöchentlichen Kolumne schreibt Hammerwerfer Rik Amann (18) vom SuS Olfen, wie die Auswirkungen des Coronavirus sein Sportlerleben durcheinanderwirbeln. Amann war bereits Leichtathlet des Jahres im SuS Olfen, in dem er seit 2006 Mitglied ist. Seine größten Erfolge waren die Silbermedaille bei den Deutschen U16-Meisterschaften im Jahr 2016 und der sechste Platz in der U18 im Jahr 2018.
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