Zurück zur Normalität? Westfalia Vinnum spielt nach der Schlägerei erstmals wieder Fußball

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Lockere Trainingseinheiten standen am Dienstag und Donnerstag in Vinnum an. Der Weg zurück in den Alltag nach der Gewalterfahrung soll über gute Laune führen. Doch das Thema bleibt präsent.

Vinnum

, 27.09.2019, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch immer sind die Ereignisse nach dem Kreisliga-Spiel vor zwei Wochen allgegenwärtig in der Fußballmannschaft von Westfalia Vinnum. Die Massenschlägerei mit acht Verletzten vor zwei Wochen hatte die Vinnumer seitdem in Atem gehalten. Sonntag wird wieder Fußball gespielt. Doch der Schritt in den Alltag fällt nicht leicht.

Dienstag und Donnerstag trainierte die Mannschaft erstmals wieder normal. Oder zumindest so normal wie möglich. Patrick Roser, Sportlicher Leiter des Kreisligisten, sagte am Freitag: „Es ist immer noch Thema, aber es ist mehr Normalität da als in der Vorwoche.“

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Da war an ein geregeltes Training im Prinzip noch nicht zu denken bei den Vinnumern, die am Montag und Dienstag nach den Ausschreitungen beim Herta-Recklinghausen-Spiel an der Sportanlage zusammenkamen, um die Dinge aufzuarbeiten. Helmut Stolzenhoff (40), Vizekapitän der Mannschaft, sagte: „Die erste Woche war bedrückend.“

Donnerstag absolvierten die Spieler eine lockere Einheit Fußballtennis. „Es war auch möglich, mit den jungen Spielern zu sprechen. Der Verein hat da eine Fürsorgepflicht“, stellte Roser klar.

Mehr spielfähige Fußballer als letzte Woche

Das Auswärtsspiel gegen Genclikspor Recklinghausen vergangenen Sonntag war verlegt worden, weil Vinnum zu viele Verletzte hatte. In dieser Woche waren Dienstag 15 und Donnerstag 12 Spieler beim Training. „Spaß am Ball“ habe laut Stolzenhoff im Vordergrund gestanden. „Viel Torschusstraining gemacht, wenig Kondition gebolzt. Das Training war lascher. Vielleicht ist es auch nicht schlecht, wenn wir lockerer drauf sind“, sagte Stolzenhoff. Die Normalität sei wieder da. „Aber ob der Fokus schon wieder auf Sonntag gerichtet ist, weiß ich nicht“, so der Spielführer.

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Noch immer aber haben einige Vinnumer Fußballer Sportverbot infolge der bei der Schlägerei davongetragenen Verletzungen. Und hinzu kommt jetzt auch noch, dass sich Verteidiger Alexander Höring im Training am Dienstag einen Muskelfaserriss zuzog. Immerhin spricht man in Vinnum schon wieder über Sportverletzungen bei den Ausfällen, nicht nur über die Folgen der Gewalt.

Patrick Roser selbst sei auch nicht mulmig zumute, wenn am Sonntag um 15 Uhr in Vinnum der Ball gegen den FC/JS Hillerheide rollt. „Ich habe aber ein besseres Gefühl, ein Heimspiel zu haben“, sagte er.

Vinnumer haben nicht mehr Ordner im Einsatz als üblich

Ihr Sicherheitskonzept für dieses Heimspiel haben die Vinnumer indes nicht verschärft. Der Verein werde den nach Spielordnung vorschriftsmäßigen Ordnungsdienst stellen, aber nicht mehr Ordner abstellen als vorgegeben. Vereinschef Kunibert Gerij machte klar: „Gegen so ein Ereignis können wir uns nicht selbst schützen.“

Hillerheides Trainer Rabih Such (42) hat von den Ereignissen auch über die Medien erfahren. „Es ist erschreckend und alarmierend, wenn so etwas auf dem Platz stattfinden kann. Ich habe auch vollstes Verständnis, dass das Spiel gegen Genclikspor abgesagt worden ist“, sagte Such. Auch innerhalb seiner Mannschaft sei darüber diskutiert worden.

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Der Platz des SV Herta Recklinghausen liegt nur etwa zwei Kilometer von der schicken Sportanlage in Hillerheide entfernt. Negativ aufgefallen sei ihm der Nachbar bisher aber nicht. „Hier in Recklinghausen liegen die Fußballplätze, wie man auch bei Google sehen kann, so nah beinander, dass man mit einem kleinen Warmmachprogramm hinlaufen könnte. Es geht in solchen Derbys manchmal hitzig zu“, sagte Such - Spiele gegen den SV Herta seien bislang aber nicht aus dem Ruder gelaufen.

Hillerheide hofft auf ein anschauliches Fußballspiel

Such, dessen Mannschaft nach dem Bezirksliga-Abstieg einen Umbruch erlebt hat, aber trotzdem den Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben hat (O-Ton: „Hillerheide gehört in die Bezirksliga!“) und derzeit Tabellenfünfter (13 Punkte) ist, wünscht sich nun so viel Normalität wie möglich: „Ich hoffe, dass über die Woche in Vinnum Ruhe eingekehrt ist. Klar wird das noch im Hinterkopf sein. Wir wollen ein normales Kreisliga-A-Spiel über die Bühne kriegen und ein schönes, anschauliches Fußballspiel durchführen.“ Helmut Stolzenhoff schließt sich an: „Es muss ja weitergehen. Man kann sich ja nicht ein Leben lang einschließen.“

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