Buchmüller hat nicht nur für die WM große Pläne

Bob

Die Junioren-WM vor drei Wochen war seine erste – und die fand auch noch auf seiner Heimstrecke in Winterberg statt. Schon so ein großes Erlebnis für den Schwerter Bob-Piloten Bennet Buchmüller (24). Dann aber siegte er im Viererbob – im Bobsport qualifiziert man sich so gleichzeitig für die „große“ WM. Die steht jetzt an.

SCHWERTE

, 23.02.2017, 10:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Buchmüller hat nicht nur für die WM große Pläne

Der Schwerter Bobpilot Bennet Buchmüller setzte sich mit seinem Team im Viererbob bei der Junioren-WM auf seiner Heimstrecke in Winterberg durch.

Das Team Buchmüller misst sich im Viererbob am Samstag und Sonntag (25./26. Februar) in (im besten Fall) vier Läufen mit der absoluten Weltspitze. Ein „Wahnsinnsgefühl“ beschleicht Buchmüller, wenn er an die Weltmeisterschaft am Königssee denkt. Im Interview spricht er über das bisherige Karriere-Highlight und die Pläne danach.

Bennet Buchmüller in der Bob-Weltspitze – wie fühlt sich das an?

Das ist ein Wahnsinnsgefühl und wir freuen uns auch riesig, jetzt dabei zu sein und zu zeigen, wo wir denn so im Vergleich zu den Topteams stehen.

Wie oft denkst du jetzt schon an die WM?

Vor der Junioren-WM hat man immer schon ein bisschen damit geliebäugelt. Aber immer war es eben noch unsicher. Jetzt, wo die WM immer näher rückt, denke ich daran, wie es wohl ablaufen wird und wie wir uns präsentieren werden.

Wie sehen die Gedanken daran aus? Kommt auch Angst drin vor?

Angst weniger. Ich freue mich da eher drauf und mache mir gar nicht den Riesendruck. Das habe ich bei den anderen Wettkämpfen auch nicht gemacht. Da hat es so gut geklappt. Warum sollte ich das bei der großen WM dann ändern?

Was willst und was kannst du bei der WM erreichen?

Das ist schwierig zu sagen. Die Weltcup-Leute waren in der Saison unter sich, wir hatten im Europacup ab und an das Vergnügen mit einem Weltcupteam. Da konnte man schon mal gucken, wie man zeitlich gegen die abschneidet. Die Top-10 wäre eine Riesenüberraschung für uns, ist aber gleichzeitig auch ein Ziel, das ich mir vorgenommen habe (d. Red.: 34 Teams gehen an den Start.). Dazu müssen wir uns aber auch erst einmal für den vierten Lauf qualifizieren, nur die ersten 20 Schlitten dürfen da noch an den Start gehen.

Kannst du auf ein eingespieltes Team zählen?

Bei der Weltmeisterschaft darf nur das Team antreten, das sich auch über die Junioren-WM qualifiziert hat. Das waren Niklas Scherer, Costa Laurenz und Benedikt Hertel – mit der Konstellation sind wir auch größtenteils durch die Saison gegangen.

Wie bereitet ihr euch in den nächsten Tagen auf das Wochenende vor?

Sportlich möchten wir vielleicht noch ein bisschen drauflegen, was wir uns bisher trainingstechnisch erarbeitet haben. Das ist bei diesem kurzen Zeitraum natürlich etwas schwierig, wir hatten unseren Höhepunkt auf die Junioren-WM ausgelegt und darauf hin trainiert. Aber das Niveau wollen wir halten.

Wie realistisch ist es, dass du irgendwann zur Weltspitze gehörst?

Realistisch sind die nächsten Olympischen Spiele nicht für uns. Es gibt ja die drei gesetzten deutschen Teams um Lochner, Friedrich und Walther. Die werden – wenn sich keiner verletzt – auch in Südkorea am Start sein.

Erfahren Sie auf der zweiten Seiten, wie Bennet Buchmüllers Zukunftsplanung im Bobsport aussieht, in wie fern sein Alltag von Dopingkontrollen eingeschränkt wird und wie es bei der WM mit einem "Buchmüller-Fanclub" aussieht.

... und dein Team soll nun Deutschlands Nummer vier sein?

Klar, wir versuchen uns bestmöglich zu platzieren, sodass wir bei den Junioren die Spitze übernehmen und das nächste Team werden, das beim Weltcup-Pulk dann nachrückt.

Du willst dich aber nicht nur auf den Vierer konzentrieren?

Das wird nicht lange funktionieren, das sieht man bei anderen Bobteams, die im Zweier zu schwach, dafür aber stark im Vierer waren. Man muss athletisch auf dem Niveau sein, in beiden Disziplinen vorne dabei zu sein.

Ist eine Pilotenleistung höher zu bewerten als die eines Anschiebers?

Das würde ich nicht sagen. Am Start sind alle gleich, der Pilot läuft ein paar Meter weniger. Während der Fahrt müssen die Bremser sich wegen des Luftwiderstands möglichst klein machen und haben den geringeren Part zu erledigen. Aber man darf die Arbeit nebenbei nicht vergessen, das wäre alleine für den Piloten unmöglich zu schaffen.

Die WM wurde wegen der Doping-Vorwürfe ans russische Team von Sotschi zum Königssee verlegt. Wie stark ist dein Alltag von den strengen Dopingkontrollen eingeschränkt?

Ich bin noch im C-Kader, der geringsten Kaderstufe. A-Kader-Leute müssen beispielsweise über den Tag verteilt angeben, wo sie sich befinden, da gibt‘s striktere Kontrollen. Ich muss einmal im Jahr einen Rahmentrainingsplan angeben. Dieses Jahr wurde ich noch gar nicht kontrolliert. Die haben aber meine Kontaktdaten und könnten mich unangekündigt kontrollieren. Ich muss ständig erreichbar sein.

Du befindest dich derzeit mitten im Aufschwung. Machst du dir auch Gedanken, wie es mit der Bobkarriere weitergehen soll?

Es wird sich bei mir einiges verändern. Ich trete einer anderen Trainingsgruppe bei, weil ich mich weiterentwickeln muss. Ich bin ziemlich lange in Dortmund, jetzt wird es Zeit für was Neues und deshalb ziehe mit meiner Freundin nach Mainz. Dort gehe ich in die Trainingsgruppe nach Wiesbaden, in der schon mehrere meiner Bremser trainieren. Das wird mich sportlich weiterbringen.

Zurück zur WM: Kannst du dich auf einen kleinen Buchmüller-Fanclub freuen?

Es sind ziemlich viele da, irgendwie haben immer mehr zugesagt. 16 Leute, darunter Familie und Freunde, haben sich mittlerweile angekündigt. Die Familie meiner Freundin hat sich bei der Junioren-WM so anstecken lassen, dass sie auch mit zur WM kommt. Das freut mich schon sehr. Auch weil ich ja nicht weiß, wann ich das nächste Mal an einer WM teilnehmen könnte. Nächstes Jahr gibt‘s wegen Olympia keine, danach habe ich die letzte Chance, mich über die Junioren-WM zu qualifizieren – und dann müsste ich auch schon im Weltcup mit dabei sein.

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