Erline Nolte peilt mit neuer Pilotin Olympia an

Bobsport

Der 21. Dezember 2017 wird der bis dato wichtigste Tag in Erline Noltes Bobleben. An jenem Mittwoch kurz vor Weihnachten entscheidet sich, ob die Schwerter Anschieberin bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang dabei ist oder nicht. Dafür ist Nolte zu einer neuen Pilotin gewechselt – und blickt nun dem so wichtigen Olympia-Winter selbstbewusst entgegen.

SCHWERTE

, 12.07.2017, 11:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Erline Nolte peilt mit neuer Pilotin Olympia an

Zusammen wollen sie Großes schaffen: Erline Nolte (re.) möchte mit ihrer langjährigen Trainingspartnerin und neuen Pilotin Anna Köhler zu den Olympischen Spielen nach Südkorea

Dass sie heute überhaupt von den Spielen in Südkorea träumen kann, war vor einem halben Jahr überhaupt nicht klar. Ein Bandscheibenvorfall beendete ihre Saison abrupt. Während ihre Kolleginnen Weltcup-Punkte und Fahrpraxis sammelten, war Erline Nolte mit großen Schmerzen an die Couch gefesselt. Anfang des Jahres unterzog sie sich einer Spritzentherapie in der Sportklinik Hellersen, anschließend ging es für viereinhalb Wochen in eine Rehaklinik am Tegernsee.

Die hatte sich Nolte auf Empfehlung von Bundestrainer René Spies bewusst ausgewählt. Die Klinik ist auf die Behandlung von Leistungssportlern spezialisiert. „Mein Ziel war es, und das habe ich dort direkt gesagt, dass ich nach der Reha fit sein will für das Aufbautraining der Saison. Ich war am Anfang aber ziemlich übermotiviert“, erinnert sie sich.

Der Rehaplan sah vor, zunächst die kleineren Muskeln im Rumpfbereich zu stabilisieren. Zudem bekam Nolte sehr viel Physiotherapie verordnet. Je nach Befinden steigerte sie dann sukzessive die Intensität der Übungen. Am Ende ihres Aufenthaltes in Bayern startete die 27-Jährige ihre ersten Laufversuche und sogar erste Kniebeugen waren drin.

„Seitdem kann ich eigentlich alles machen. Es ist sehr gut gelaufen, ich fühle mich superfit“, freut sich die Westhofenerin. Jetzt, erklärt Nolte, sei sie auf dem Niveau, das sie auch ohne die Zwangspause gehabt hätte.

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So konnte sie schon im Frühjahr zum Beginn des Aufbaus für die neue Saison die Sorge Bandscheibe weitgehend wegradieren. Sofort fokussierte sie den Olympia-Winter 2017/18. Und wie: Einen Großteil des Trainings verbringt sie in ihrer Bobheimat Winterberg. „Ich habe einiges umgestellt und möchte bei so vielen Einheiten wie möglich einen Trainer dabei haben. So ist das Training einfach noch effektiver“, erklärt sie. Ein klares Indiz: Die Saison vor den Spielen hat bei Wintersportlern noch einen ganz anderen Stellenwert.

Damit sich die südkoreanischen Träume im Februar 2018 erfüllen, hat sich Erline Nolte auch für einen Pilotinnenwechsel entschieden. Erst 2017 war sie vom Team Schneiderheinze zu ihrer Freundin Mariama Jamanka gegangen. Nun riskiert sie einen erneuten Wechsel und will mit der in der Weltspitze noch unerfahrenen Anna Köhler angreifen.

Allerdings gewann Noltes neue Pilotin zuletzt den Gesamt-Europacup. Die beiden trainieren fast täglich zusammen. Denn: Köhler wohnt seit vier Jahren in Dortmund und fährt ebenfalls für den BSC Winterberg. „Anna hat ein extrem gutes Fahrgefühl und einen Riesensprung nach vorne gemacht. Wir sind unglaublich motiviert“, sagt Nolte.

Sie ist zuversichtlich, dass der „Ruhrpott-Bob“ es tatsächlich nach Pyeongchang schaffen könnte. Zwar wäre Nolte auch gerne bei Jamanka geblieben, doch da ist an der mit Abstand besten Anschieberin Annika Drazek kein Vorbeikommen.

Nach dem Urlaub Ende des Monats schaltet sie in den Vollgasmodus. Am 2. September wartet der erste Anschubtest der Saison. Er entscheidet über die Verteilung der Anschieberinnen in der ersten Saisonhälfte – und ist dazu ein erster Messwert für die Olympia-Frühform. Wenig später soll es auch schon in die Weltcup-Saison gehen.

„Es ist dieses Jahr eine ganz andere Anspannung“, sagt Erline Nolte. „Das merke ich jedes Mal, wenn ich an die Anschubtests denke.“ Gemessen an der Leistung, die sie bei ihrem Comeback-Kampf im vergangenen Halbjahr gebracht hat, sollte ihr die Nervosität aber nicht allzu viel Angst geben. Weder beim Gedanken an den Anschubtest noch an den Februar 2018.

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