Fairplay - für Jannis Kassel vom Geisecker SV eine Selbstverständlichkeit

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Meldungen von ausrastenden Spielern, Zuschauerausschreitungen und Schiedsrichterbedrohungen erwecken den Eindruck, dass die Sitten im Amateurfußball verrohen. Doch es geht auch anders.

Geisecke

, 27.08.2019, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das jüngste Beispiel dafür, dass der Fairplay-Gedanke bei den heimischen Kickern lebt, ist die Bezirksliga-Partie des vergangenen Sonntags am Buschkampweg.

Wir schreiben die 23. Minute der Partie zwischen dem gastgebenden Geisecker SV und TSK Hohenlimburg. Es steht 0:0, und es gibt einen Eckball für Geisecke. Der Ball fliegt in den Hohenlimburger Strafraum, wo eine unübersichtlichen Situation entsteht, an der mehrere Spieler beider Mannschaften beteiligt sind.

Schiedsrichter Adrian Wilczek aus Lüdenscheid hat offenbar Probleme, die Situation richtig einzuschätzen. Er pfeift und entscheidet auf Elfmeter für Geisecke – als Folge eines vermeintlichen Hohenlimburger Handspiels.

Es gab Körperkontakt, aber kein Elfmeter

An dieser Stelle kommt Geiseckes Stürmer Jannis Kassel ins Spiel. „Ich dachte, ich würde den Elfmeter kriegen, weil ich gefoult worden bin“, erzählt Kassel. Es habe einen Körperkontakt mit seinem Gegenspieler gegeben. Danach sei ihm aber der Ball an die Hand gesprungen, ein Hohenlimburger Handspiel habe es nicht gegeben.

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Die Folge: Der Unparteiische fragte nach und ließ sich die Szene von Kassel schildern. „Und wenn man gefragt wird, sagt man die Wahrheit. Das halte ich für ganz normal, da musste ich auch nicht lange überlegen“, sagt Kassel. So gab er sein Handspiel zu. Weil der Schiedsrichter das vorhergegangene vermeintliche Foulspiel nicht als solches erkannt hatte, nahm er die Elfmeterentscheidung zurück.

Keine Vorwürfe von Mitspielern oder dem Trainer

Für die „Kleeblätter“ war die große Chance auf den Führungstreffer dahin. Vorwürfe seiner Mitspieler oder seines Trainers musste sich Jannis Kassel aber deshalb nicht anhören. „Im Gegenteil“, so der Stürmer, für den es persönlich das erste Mal war, dass er vom Schiedsrichter befragt worden ist.

Zwölf Minuten später traf Kassel zum 1:0 für Geisecke. Letztlich war dieser Treffer aber zu wenig für die „Kleeblätter“. Hohenlimburg entführte dank zweier später Tore die drei Punkte aus Geisecke – verdientermaßen, meint Jannis Kassel, „weil wir wirklich nicht gut gespielt haben.“

„Das ist meine Grundauffassung vom Sport“

Ob es anders gelaufen wäre, wenn Kassel die Schiedsrichterentscheidung in der 23. Minute nicht korrigiert hätte? Reine Spekulation, aber für Jannis Kassel auch nicht wichtig. Denn auf Nachfrage des Schiedsrichters die Wahrheit zu sagen, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit – unabhängig vom Spielstand. „Das ist einfach meine Grundauffassung vom Sport“, sagt er – Fairplay eben, für Jannis Kassel mehr als eine Floskel.

Und vielleicht bekommen er und seine Teamkollegen ja noch nachträglich die Gelegenheit, die Niederlage wieder gerade zu rücken. Denn wie berichtet haben die Geisecker gegen die Wertung der Partie wegen eines vom Schiedsrichter verweigerten Spielerwechsels Einspruch eingelegt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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