Holzpfosten-Futsaler Nils Klems ist tief beeindruckt

Futsal: Länderspiel

Nach den zurückliegenden Tagen in Hamburg, die ihn nicht nur körperlich forderten, ruhte sich Nils Klems erschöpft auf dem Sofa aus. Klems könnte den Duden durchforsten. Vermutlich fände er für die Erlebnisse von den ersten beiden Länderspielen der deutschen Futsal-Nationalmannschaft kein passendes Wort – nur eins benutzt er auffallend häufig: unbeschreiblich.

SCHWERTE

, 03.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Holzpfosten-Futsaler Nils Klems ist tief beeindruckt

Kapitän Klems: Weil Deutschlands Spielführer Timo Heinze krankheitsbedingt nur ein paar Minuten durchhielt, trug die Binde überwiegend sein Schwerter Stellvertreter.

Am Sonntag stieg Nils Klems als Erster vor der Hamburger Inselparkhalle aus dem Bus. Mit dem war das neue DFB-Team vom Mannschaftshotel durch die Hansestadt chauffiert worden. Auf dem Bus prangte der Schriftzug „Die Nationalmannschaft“. Als Klems ausstieg, warteten Familie und Freunde auf ihn – und eben auch die ersten Fans. Die Nationalspieler bekamen schon am Anfang einen Appetithappen darauf, was sie noch alles erwarten sollte. Die ausverkaufte Inselparkhalle wurde für die Futsaler zum Erlebnispark. Für ein paar Tage tauchten sie ins Profileben ein.

Die Länderspiele waren professionell umrahmt. Der DFB, der den FIFA-Hallenfußball bis vor einem Jahr weitgehend ignoriert hatte, präsentierte sich gut vorbereitet. Die DFB-Spitzen um Präsident Reinhard Grindel und Vize Rainer Koch fieberten von der Tribüne ebenso wie die ehemaligen Nationalspieler Horst Hrubesch und Arne Friedrich mit. Vor der Partie besuchte Hrubesch die Mannschaft in der Kabine, nach dem 5:3-Sieg beglückwünschte Grindel das Team ebenda. „Mein persönliches Highlight“, sagt Klems.

Begonnen hatten die Gute-Nachrichten-Tage am Freitag, als Nationaltrainer Paul Schomann ihn zum zweiten Kapitän ernannte. Am Sonntag stand Klems dann sogar in der Startfünf, natürlich mit „seiner“ 13 auf dem edlen DFB-Jersey. Weil Kapitän Timo Heinze kränkelte und nur 15 Minuten durchhielt, trug Klems für den Rest der Partie die Binde. Am Dienstag führte er das DFB-Team dann aufs Feld. „Das hat mich alles extrem stolz gemacht.“

Er spielte – wie das gesamte DFB-Team – sehr souverän und solide, leitete am Sonntag sogar zwei Tore ein. Dass er beim 3:3 am Dienstag nur etwa zehn Minuten zum Einsatz kam, wusste er nicht: „Allgemein wurde ja viel durchrotiert. Das war schon in Ordnung.“ Sportlich ging das DFB-Team ungeschlagen aus beiden Spielen, was ebenso überraschend wie stark war. Am Dienstag kassierten sie erst in der Schlussminute den Ausgleich. „Sportlich waren wir ja relativ klar der Außenseiter. Die Ergebnisse waren so ja gar nicht zu erwarten“, erklärt Klems zufrieden.

Auch wegen der Atmosphäre (mit etwas Verspätung kamen die „Hoolzpfosten“, der Holzpfosten-Fanklub, in der Halle an und waren dann aber sofort für die Stimmung zuständig) erreichten Klems ausschließlich positive Rückmeldungen – von Teamkollegen, DFB-Offiziellen und dem TV-Sender, der ihn am Sonntag noch Sven Klems nannte. SPORT1 freute sich über sehr gute Einschaltquoten. Durchschnittlich 250.000 Menschen (Sonntag) und sogar 290.000 (Dienstag) schauten zu.

2009 hat Klems die Futsal-Abteilung bei den Holzpfosten gegründet. Am Anfang schauten sich auswärts teilweise weniger Leute das Spiel an, als auf dem Feld standen. Klems schuftet seit Jahren für die Entwicklung des Sports. Nun schauten ihm hunderttausende Fans beim Futsal zu. Vielleicht gibt‘s im Duden dafür wirklich nur ein Wort, das Klems‘ Gefühlssituation ganz gut zusammenfasst: unbeschreiblich.

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