Im Segelflugzeug von Wolke zu Wolke

Serie: Schwerter Sportplätze

Wem das Fliegen allein als Faszination nicht ausreicht, der geht Segelfliegen. Dort schwebt man durch die Luft, allerdings ohne Motor. Auch am Holzwickeder Flugplatz Hengsen-Opherdicke, ein paar Minuten von der östlichen Stadtgrenze entfernt, wo der LSV Unna-Schwerte beheimatet ist.

SCHWERTE/HOLZWICKEDE

, 20.08.2016, 12:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Flugplatz gehört der Bundeswehr, die das Gelände ab und zu für Übungszwecke benötigt. Schilder weisen am Anfang des Flugplatzes darauf hin. Andere zeigen aber auch: Achtung, hier wird geflogen! Das Gelände ist ein riesiges Feld. Ein kleines Vereinsheim und Garagen für die Flugzeuge stehen zentral, von hier gibt’s die perfekte Sicht auf die Starts und Landungen der Segelflugzeuge.

Philip Dierig checkt mit Vereinskollegen ein Flugzeug, das gleich in die Luft gehen soll. Das ist Pflicht, bevor es losgeht. Der 24-jährige Student aus Dortmund ist Geschäftsführer des Luftsportvereins. Seine Leidenschaft ist auch familiär vorgeprägt, er selbst fliegt seit 2014. "Das Gefühl in der Luft zu sein, die Aussicht", das gefalle ihm am meisten. "Es ist auch ein richtiger Sport", fügt Dierig hinzu. "Man muss ständig die Wolken beobachten und von Wolke zu Wolke fliegen."

Anders als bei motorisierten Flugzeugen haben Segelflieger eben keine technische Absicherung. Ihr ganz natürlicher Motor ist die Thermik, also eine Form von Aufwind. Wenn die Sonne strahlt und den Boden erwärmt, steigt die warme Luft auf und gibt den Segelflugzeugen damit die Grundlage zur Höhengewinnung und Geschwindigkeit.

Das perfekte Wetter ist daher ein blauer Himmel mit Schäfchenwolken, die oft durch die Thermik entstehen und damit den idealen Ort für den Aufwind bieten. "Wir fliegen auf die Wolken zu und dann darunter her", erklärt Dierig. Segelflieger sind unter den Wolken zu Hause.

Bei perfekten Bedingungen kann ein Segelflugzeug stundenlang von Wolke und Wolke gleiten, und alles in Luftgefilden für die man nicht unter Höhenangst leiden sollte. Der Flugvorgang erfordert allerdings einen zeitintensiven Vorprozess. Der Start muss penibel vorbereitet werden und braucht mehr Personen als nur den Piloten. Es gibt beispielsweise einen Flugleiter oder auch den Windenfahrer.

Winde? Ein wichtiges Wort im Segelflieger-Duden. Der Windenstart ist eine von zwei Startmöglichkeiten beim Segelfliegen. Hier wird das Flugzeug von einem langen Seil, das am anderen Ende der Startbahn mit einer Art Aufrollmaschine verbunden ist, in die Luft katapultiert. Die andere Möglichkeit: Ein vorfahrendes Motorflugzeug zieht den Segelflieger nach oben.

Blick aufs Wetter

Der LSV Unna-Schwerte trifft sich am Wochenende oder an Feiertagen – und ist dabei immer aufs Wetter angewiesen. Spielt das mit, sind die fünf Vereinsflugzeuge schnell in der Luft. Die Altersspanne im LSV ist groß, junge Nachwuchspiloten lernen derzeit bei ihren Fluglehrern, ab 13 ist das möglich.

Die Ausbildung geht etwa über drei Saisons. Nach 60 Starts folgen oft schon die ersten Alleinflüge, im Winter gibt es theoretischen Input, später noch die meteorologische und navigatorische Einweisung. Nach einem 50-km-Flug kommt die praktische Prüfung. Philip Dierig will seinen Flugschein noch in dieser Saison bekommen. Dann kann er das luftige Hobby unter den Wolken auch zertifiziert genießen.

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