In der Corona-Pause: Laufen und Krafttraining als Alternative - wenn überhaupt

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Der Amateurfußball hat Zwangspause. Wegen des Corona-Virus ruht der Spielbetrieb zunächst mal bis 19. April. Auch turnusmäßige Trainingseinheiten gibt es Vereinen in diesen Zeiten nicht.

Schwerte

, 16.03.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 4 min

Stellt sich die Frage: Gibt es ein Fitness-Alternativprogramm für die Spieler? Und wird die Saison wohl nach dem 19. April wirklich fortgesetzt werden können oder ist mit einer weiteren Verzögerung oder sogar einem Abbruch zu rechnen?

Wir haben die heimischen Trainer nach ihrer Einschätzung gefragt. Eins vorab: Dass es die richtige und einzig mögliche Entscheidung ist, den Trainings- und Spielbetrieb in diesen Corona-Zeiten ruhen zu lassen, darüber gibt es keine zwei Meinungen.

Die Stimmen:

Thomas Wotzlawski

(Trainer des Bezirksligisten Geisecker SV): „Bei uns ruht der Ball zunächst einmal bis zum 29. März. Um dieses Datum herum wird die allgemeine Situation neu bewertet und entschieden, ob der Trainingsbetrieb zumindest wieder aufgenommen werden kann.

Wir sind Amateure, deshalb kann ich als Trainer nur appellieren, das sich jeder meiner Spieler selbst fit hält. Eine feste Vorgabe gibt es hierbei nicht.

Thomas Wotzlawski, Trainer des Geisecker SV.

Thomas Wotzlawski, Trainer des Geisecker SV. © Foto: Manuela Schwerte

Mit dem Blick auf den Kalender bleibt es spannend, wie der Verband entscheiden wird, wie und ob die Saison zu Ende gespielt wird. Es bleiben für zehn Spieltage bis zum 24. Mai noch fünf Wochen. Das bedeutet theoretisch auch fünf Englische Wochen am Stück – das Ganze selbstverständlich für alle Altersklassen.

Dazu spielen wir mit dem Geisecker SV auch noch im Kreispokal. Ein Trainingsbetrieb ist dann sicher an keinem Tag mehr möglich. Und direkt nach dem letzten Spieltag verabschieden sich dann viele in Abschlussfahrten oder in den Urlaub.

Ich möchte diese Entscheidung nicht treffen. Aber wie schon gesagt: Wir sind Amateure, und die Gesundheit sollte immer vorgehen.“

Dominik Buchwald

(Trainer des Bezirksligisten VfL Schwerte): „Dem, der sich darüber beschwert, dass der Spielbetrieb ruht, ist nicht mehr zu helfen oder er weiß nichts über diesen Virus. Man stelle sich vor, wir spielen Fußball, aber die Schulen und Kitas sind aus nachvollziehbaren Gründen geschlossen.

Ich habe den Jungs lediglich geschrieben, dass Bewegung/Laufen an der frischen Luft dort, wo sich keine oder nur wenige Menschen aufhalten, meines Wissens nach richtig und sogar gesund ist. Aber ich denke da weniger an den sportlichen Aspekt als an die Gesundheit und Immunabwehr des Einzelnen.

Dominik Buchwald, Trainer des VfL Schwerte.

Dominik Buchwald, Trainer des VfL Schwerte. © Bernd Paulitschke

Ich hoffe, dass jeder verstanden hat, wie extrem schnell sich der Virus ausbreitet und dass er für die Risikogruppen tödlich sein kann. Daher muss man alles unternehmen, um diesen Menschen zu helfen und sich fernhalten – auch wenn es eine skurrile Situation und aus emotionalen Gründen schwierig ist. Aber die Gesundheit geht vor und die Lage ist ernst, man muss nur Berichte aus Italien lesen. Das ist der Wahnsinn.

Dass wir nach dem 19. April noch spielen, kann ich mir kaum vorstellen. Mal angenommen, es geht am 26. April weiter. Dann gibt es übermotivierte Vereine, die schon bald das Training aufnehmen, obwohl es zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus fatal wäre. Dann spielt der sportliche Erfolg eine wichtigere Rolle als die Gesundheit – das wäre der Wahnsinn. Deshalb sollten sie die Saison abbrechen.“

André Haberschuss

(Trainer des Bezirksligisten ETuS/DJK Schwerte): „Wir machen jetzt erstmal anderthalb Wochen gar nix. Dann werden wir uns zusammensetzen, falls das möglich ist, um zu überlegen, wie es sinnvollerweise weitergeht.

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte.

André Haberschuss, Trainer des ETuS/DJK Schwerte. © Bernd Paulitschke

Wenn ab dem 19. April wirklich wieder trainiert und gespielt werden kann, rechne ich damit, dass die Saison wohl im Sonntag-Mittwoch-Sonntag-Rhythmus durchgezogen wird.

Aber wenn es zu diesem Datum noch nicht hinhauen sollte, was heute noch keiner weiß, dann wird wohl abgebrochen.“

Fabian Kampmann

(SC Berchum/Garenfeld): „In dieser Woche ist erstmal komplett Pause. Und dann muss man gucken, wie sich die Lage entwickelt. Klar ist, dass man nichts unnötig riskieren sollte – dazu zählt für mich auch schon, gemeinsam laufen zu gehen.

Fabian Kampmann, Trainer des SC Berchum/Garenfeld.

Fabian Kampmann, Trainer des SC Berchum/Garenfeld. © Manuela Schwerte

Ob die Saison noch fortgesetzt werden kann, ist absolut nicht abzusehen. Falls ja, kommen wohl sechs brutale Englische Wochen auf uns zu.“

Marvin Horn

(Sportlicher Leiter des Bezirksligisten SC Hennen): „Nachdem jetzt auch noch die Fitness-Studios dicht sind, ist ja kaum noch etwas Anderes möglich als Laufen zu gehen oder sich zuhause fit zu halten – möglicherweise mit einer Fitness-App.

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des SC Hennen.

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des SC Hennen. © Bernd Paulitschke

Vielleicht wird die Saison Ende April auf Amateurebene fortgesetzt – aber wohl nicht höher als Landesliga. Denn ich denke, größere Zuschauermengen werden noch länger untersagt bleiben.“

Christoph Pajdzik

(Trainer des A-Ligisten VfB Westhofen): „Wir werden die Lage aufmerksam verfolgen und die Entwicklung abwarten. Ich habe die Jungs gebeten, etwas für sich zu tun – Laufen und Krafttraining zuhause.

Christoph Pajdzik, Trainer des VfB Westhofen.

Christoph Pajdzik, Trainer des VfB Westhofen. © Bernd Paulitschke

Ich vermute, dass wir nach der aktuellen Entwicklung, wo wir täglich immer mehr Infizierte haben und kein Rückgang in Sicht ist, länger pausieren werden. Wahrscheinlich muss man die Saison abbrechen und nachdem die Lage sich beruhigt hat einfach wieder bei Null anfangen. Die Ligen bleiben so, wie sie jetzt sind – und es gibt einen Neustart. Dazu sehe ich kaum eine Alternative.“

Dominic Pütz

(Trainer des A-Ligisten SG Eintracht Ergste): „Mindestens bis zum 7. April ruht unser Trainingsbetrieb. Ein Alternativprogramm haben unsere Spieler nicht bekommen. Ich glaube, jeder hat genug mit dem Thema zu tun – da will ich nicht noch Druck mit einem Trainingsplan ausüben. Falls es einen Zeitpunkt zur Fortführung der Saison geben wird, werden wir eine Mini-Vorbereitung machen.

Dominic Pütz, Trainer der SG Eintracht Ergste.

Dominic Pütz, Trainer der SG Eintracht Ergste. © Bernd Paulitschke

Ich hoffe, dass es weitergeht – gerne auch mit Englischen Wochen oder einer Verlängerung der Saison. Wenn ich es wüsste, wäre ich für höhere Aufgaben berufen. Aber um ehrlich zu sein: In meinen Augen gibt es im Moment wenig Unwichtigeres als Kreisliga-Fußball. Warten wir ab, was passiert und freuen uns, wenn wir wieder gegen den Ball treten dürfen.

Benjamin Gottstein

(Trainer des B-Ligisten Holzpfosten Schwerte 05): „Unser Trainingsbetrieb ruht – so wie das auch für alle Sparten unseres Vereins gilt. Wir haben den Jungs ein Alternativprogramm in dem Sinne mitgegeben, dass wir ihnen gesagt haben, bitte zwei- bis dreimal in der Woche für sich alleine laufen zu gehen. Wie sie das umsetzen, muss man dann schauen – wir sind nur eine Kreisliga-B-Truppe.

Ob die Saison nach dem 19. April fortgesetzt werden kann? Schwer zu sagen, aber ich denke schon, dass wir die Saison fortsetzen werden.

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05.

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05. © Bernd Paulitschke

Ich glaube, dass die Europameisterschaft verschoben wird und dann auch die Bundesliga wieder spielen wird. Und wenn es die Profis schaffen, warum sollten wir es dann nicht auch schaffen? Wir haben theoretisch ja auch noch den Großteil des Juni. Wenn nicht, wäre es natürlich bitter für uns. Oder wir steigen auf, weil die Tabelle nach aktuellem Stand gewertet wird – das wäre dann auch okay.“

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