Karriereende mit 20: Schwerter Vorzeige-Athlet Aaron Wiedermann legt das Paddel zur Seite

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Er war im Nachwuchsalter bundesweit einer der Besten seines Jahrgangs und hat es bis in die U23-Nationalmannschaft geschafft. Aber nun muss Aaron Wiedermann Schluss machen mit Kanusport.

Schwerte

, 10.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Aaron Wiedermann schlägt in Magdeburg ein neues Kapitel auf – so lautete die Schlagzeile dieser Redaktion vor ziemlich genau drei Monaten.

Ein Teil der Aussage trifft weiterhin zu. Denn Wiedermann, über viele Jahre Vorzeigeathlet der Rennsportabteilung des Kanu- und Surf-Vereins Schwerte, wird in Kürze in der Tat in einen neuen Lebensabschnitt starten. Allerdings nicht in Magdeburg. Und nicht mehr als Kanusportler. Denn Wiedermanns Entschluss steht: Karriereende! Mit gerade mal 20 Jahren.

Im Herbst war Wechsel nach Magdeburg geplant

Dabei war es vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch ganz anders geplant. Aaron Wiedermann, im Jugend- und Juniorenalter bundesweit einer der besten seiner Zunft, hatte den nächsten Schritt seiner sportlichen Laufbahn geplant. Mit dem Besuch der NRW-Eliteschule des Sports in Essen, wohin er 2014 gewechselt war, hatte der Schwerter sich das sportliche Rüstzeug geholt, das ihn bis zur U23-Nationalmannschaft gebracht hat. Im Herbst sollte es dann nach Magdeburg gehen, um die sportlichen Ambitionen weiter voranzutreiben.

Chronische Schmerzen nicht ausgeschlossen

Doch jetzt ist alles anders. Eine Schulterverletzung hat den Canadier-Paddler ausgebremst. „Die Bizeps-Sehne ist angerissen und ist nah vor dem Durchriss“, erklärt Wiedermann. Schon an den beiden nationalen Ausscheidungsrennen im April, auf denen er sich für die U23-Nationalmannschaft qualifizieren wollte, konnte Wiedermann nicht mehr teilnehmen.

Einer Operation muss er sich nicht unterziehen, mittels Physiotherapie soll sich der Heilungsprozess vollziehen. „Aber die Ärzte konnten mir nicht garantieren, dass die Schulter wieder so belastbar wird, dass es für den Leistungssport reicht“, erklärt Wiedermann. Selbst chronische Schmerzen seien nicht ausgeschlossen.

Wettkämpfe und das Training werden fehlen

So musste sich Wiedermann wohl oder übel mit dem Gedanken auseinandersetzen, das Paddel zur Seite zu legen – ein Gedankenprozess, der ihm mittlerweile kein Kopfzerbrechen mehr bereitet. „Ich habe nichts übers Knie gebrochen. Aber ich habe mich entschlossen, einen kompletten Cut zu machen. Ich hatte schöne Jahre im Kanusport, habe viel erlebt. Und natürlich werden mir die Wettkämpfe und das Training sicher auch fehlen. Aber ich höre auch mit einem Lächeln auf und freue mich, dass jetzt ein neuer Abschnitt beginnt“, sagt Wiedermann.

Bevor er vor etwa vier Wochen für sich selbst beschlossen habe, dass endgültig Schluss sei, habe er viele Gespräche geführt, sagt Wiedermann – mit seinen Eltern, mit Freunden und auch mit seinem langjährigen KVS-Trainer Jonas Becker („Natürlich ist es schade, dass Aaron aufhört. Aber ich kann seine Entscheidung nachvollziehen“) und dem Vereinsvorsitzenden Klaus Volke.

Dieser findet es „sehr schade“, dass Wiedermann nicht mehr paddeln will. Gerne hätte Volke gesehen, wenn Wiedermann nach dem Auskurieren der Verletzung ein Comeback in Angriff nimmt, etwa so wie es Slalomfahrer Gregor Kreul nach seinem Bandscheibenvorfall plant.

Comeback nach der Verletzung ist keine Option

Doch das ist für Wiedermann keine Option. Ihm fehlt die sportliche Perspektive. „Vier bis sechs Monate könnte ich gar nicht paddeln. Und dann fängst du bei Null an. Ich glaube, dass ich im Training beinahe zwangsläufig sehr unzufrieden würde, weil es höchst anstrengend werden würde, das Niveau, das ich zuletzt hatte, wieder zu erreichen – wenn dies überhaupt möglich wäre.“

So sieht es ganz nach einem Ende der Karriere aus, in der das Kraftpaket Jahr für Jahr bei nationalen Meisterschaften fleißig Medaillen gesammelt hat und in der er sich auch auf internationaler Ebene seine Meriten verdient hat.

Nun aber wird Wiedermann in ein paar Wochen zurück nach Schwerte ziehen, wo er am 1. August bei der Firma Berkenkopf eine Ausbildung als Anlagenmechaniker beginnen – ein neues Kapitel im Leben des Aaron Wiedermann. Ohne den Kanusport.

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