Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Klassische Passkontrolle ist ein Auslaufmodell: „Dem Betrug ist Tür und Tor geöffnet“

rnAmateurfußball

Die vergilbten Seiten mit Passfotos, auf denen Männer aussehen wie Kinder, sterben aus. Im Kreis Dortmund gibt es die klassische Passkontrolle nicht mehr. Das neue System ist umstritten.

Schwerte

, 20.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein x-beliebiger Sportplatz vor einem x-beliebigen Kreisliga-Fußballspiel: Bevor der Ball rollt, überprüft der Schiedsrichter, ob auch wirklich nur Spieler mitspielen, die auch die Berechtigung dazu haben – Passkontrolle heißt das Zauberwort.

Doch die alte Passmappe mit den vergilbten Seiten und den Fotos, auf denen Männer noch aussehen wie Kinder, stirbt aus. „Die Passmappen werden im gesamten Verband abgeschafft“, sagt Volker Schneeloch vom Kreisfußball-Ausschuss in Dortmund. Im Kreis Dortmund gebe es schon seit zwei Jahren keine Passkontrolle im klassischen Sinne mehr.

Kreis Dortmund ist NRW-weit ein Vorreiter

Der Kreis Dortmund ist laut Schneeloch in NRW als Vorreiter unterwegs. „Die Passmappen werden im gesamten Verband durch die Spielrechtsprüfung mit hinterlegten Fotos in den Spielerlisten im DFBnet ersetzt. Zusätzlich haben wir in Dortmund analog zur Oberliga bereits die Abschaffung der Passkontrolle eingeführt“, erklärt Schneeloch.

Der Grund: „Wir wollten den Vereinen einen sehr großen Anreiz bieten, alle Bilder ins DFBnet hochzuladen“, sagt Schneeloch. Über 90 Prozent der Spieler seien dem Aufruf gefolgt, sagt Schneeloch, der glaubt, dass die aktuelle Regelung keine großen Nachteile hat: „Welcher Schiedsrichter konnte denn bei der alten Passkontrolle binnen Sekunden Ausrüstung, Rückennummer, Geburtsdatum und Aussehen kontrollieren?“, fragt er und beantwortet die Frage selbst: „Da waren nicht viele dabei.“

Seit der Abschaffung ist die Zahl der Einsprüche gestiegen

Jörg Franke pfeift seit Jahren im Dortmunder Raum und ist bei der Dortmunder Schiedsrichtervereinigung für die Öffentlichkeitsarbeit mit zuständig. Ihm ist die Regelung ein Dorn im Auge: „Durch die Abschaffung der Passkontrolle ist dem Betrug Tür und Tor geöffnet.“ Das bestätigt auch der Schwerter Frank-Bernd Meyer, der Vorsitzende des Dortmunder Kreissportgerichts: „Seit die Passkontrolle abgeschafft wurde, sind die Einsprüche und die Betrugsfälle gestiegen.“

Beim Westdeutschen Fußball-Verband ist die Passkontrolle vielleicht auch deshalb noch nicht flächendeckend vom Tisch: „Davon ist mir nichts bekannt“, sagt Reinhold Spohn vom Verbandsfußballausschuss auf Nachfrage, „das wird von Kreis zu Kreis unterschiedlich gehandhabt.“

In ein paar Jahren ist alles online erfasst

So ist es im Kreis Iserlohn offenbar anders als bei den Dortmundern. „Bei uns gibt es noch die klassische Passkontrolle“, sagt Lars Lehmann, Vorsitzender der Iserlohner Schiedsrichtervereinigung. Aber wie lange noch? „Es ist ein Auslaufmodell“, meint auch Lehmann. Spätestens in ein paar Jahren sei alles online erfasst.

Noch aber sind die Unparteiischen im Kreis Iserlohn angehalten, die Spielerpässe zu kontrollieren, wie auch Schiedsrichter Dennis Heinings (Geisecker SV) bestätigt. Ob das in der Praxis auch jeder seiner Schiedsrichter-Kollegen gewissenhaft macht, dafür will Heinings aber nicht die Hand ins Feuer legen.

Kein Versicherungsschutz beim Spielen auf falschem Pass

Letztlich liegt aber das Risiko ohnehin beim Spieler, wie Jörg Franke erläutert: „Jeder Akteur sollte sich darüber im Klaren sein, dass er keinen Versicherungsschutz genießt, wenn er auf einem falschen Pass spielt.“ Dass dies als Abschreckung hilft, darf bezweifelt werden – meint zumindest Volker Schneeloch: „Es wird leider immer gelogen und betrogen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt