Lasse Sobiech startet am Montag in die neue Saison

Schwerter Profi bei St. Pauli

Vor der Saison 2015/16 deutete der Schwerter Fußballprofi Lasse Sobiech an, dass es für den FC St. Pauli deutlich besser laufen würde als in der Fastabstiegssaison davor. Er behielt Recht und landete mit dem Kiezklub auf Platz vier in der 2. Liga. Doch auch für ihn persönlich entwickelte sich eine Erfolgssaison.

SCHWERTE

, 06.08.2016, 06:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
Auf der Jubeltraube: Lasse Sobiech freut sich hier mit seinen Teamkollegen über das 1:0-Tor am 13. Spieltag der vergangenen Saison beim VfL Bochum. Am Montag beginnt die neue Spielzeit – Sobiechs vierte beim Kiezklub.

Auf der Jubeltraube: Lasse Sobiech freut sich hier mit seinen Teamkollegen über das 1:0-Tor am 13. Spieltag der vergangenen Saison beim VfL Bochum. Am Montag beginnt die neue Spielzeit – Sobiechs vierte beim Kiezklub.

Am kommenden Montag möchte Sobiech mit dem ersten Spiel der neuen Zweitliga-Spielzeit beim VfB Stuttgart in ihre Fortsetzung starten. Nur einmal ging's daneben – oder eher drüber. Ausgerechnet im Bochumer Ruhrstadion, keine 35 Kilometer von Zuhause entfernt, knallte Lasse Sobiech am 30. Oktober 2015 den Ball aus elf Metern übers Tor, das Spiel endete 1:1. Eben solche unglücklichen Momente waren 2015/16 für den Schwerter aber so selten wie ein ruhiger Freitagabend auf der Reeperbahn.

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Lasse Sobiech - Stationen seiner Karriere

Lasse Sobiech aus Schwerte hat es geschafft: Vom VfL Schwerte über die Junioren-Teams von Borussia Dortmund zum Fußballprofi. Seine Karriere in Bildern - klicken Sie sich durch!
18.06.2014
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In der Saison 2025/2016, seiner dritten Spielzeit beim FC St. Pauli, absolvierte Lasse Sobiech 32 Spiele und erzielte dabei vier Tore. Er zählt zu den Leistungsträgern im Team der Kiezkicker.© Foto: dpa
Der VfL Schwerte ist Lasse Sobiechs (*18. Januar 1991) Heimatverein: Von den Mini-Kickern bis zur D-Jugend trug er das Trikot der Blau-Weißen. 2003 schloss sich Lasse (l.) dem BVB an – hier beim Warmmachen im Berliner Union-Stadion mit Volkan Ekici, Marc Hornschuh, Sven Freitag und Samed Topcu.© Foto: dpa
Mit der B- und A-Jugend des BVB erreichte er die Finalrunden um die Deutsche Meisterschaft 2007, 2008 und 2009 - die aber alle verloren gingen.© Foto: Bernd Paulitschke
Lasse Sobiech (l.) - hier mit Marco Stiepermann - durchlief die verschiedenen Altersjahrgänge bei den Schwarz-Gelben.© Foto: Menne
Er startete als Sturmtank, wurde aber zum Abwehrspieler umgeschult.© Foto: Ludewig
"Am Anfang war ich damit sehr unzufrieden. Toreschießen war für mich das Schönste", gab Lasse auf BVB.de zu. Inzwischen denkt er darüber allerdings anders, denn in der Abwehr besitzt er eindeutig bessere Perspektiven.© Foto: Ludewig
Dann zur Saison 2009/10 der Sprung in die zweite Mannschaft des BVB: Lasse Sobiech (l.) verliert hier zwar das Luftduell mit einem Ingolstädter, reifte in der 3. Liga allerdings zum Stammspieler - obwohl er noch für die A-Junioren auflaufen könnte.© Foto: Bielefeld
Zu Beginn der Saison 2010/11 bekam Lasse einen Profi-Vertrag bis 2012. Doch ein Unfall warf ihn zunächst zurück: Ein Ausflugsdampfer quetschte im Hamburger Hafen sein Bein ein, das Lasse ins Hafenbecken hatte baumeln lassen - er musste daraufhin länger pausieren.© Foto: DeFodi
Neben Schwarz-Gelb trägt Lasse (o.2.v.l.) auch das Trikot mit dem Adler - hier für die U21-Nationalmannschaft im Oktober 2010. Zuvor hatte er für die U18 und U19 gespielt.© Foto: dpa
Dann bahnte sich der nächste Karriere-Schritt an...© Foto: DeFodi
Lasse durfte mit dem Bundesligakader im Januar 2011 ins Winter-Trainingslager nach Spanien.© Foto: defodi
"Der Unterschied zum täglichen Training mit den Profis ist noch einmal gewaltig", sagt er mit Bezug auf die zweite Mannschaft.© Foto: DeFodi
Zurück in Dortmund gab Lasse (r.) weiter vollen Einsatz, um vielleicht mal an einem Spieltag den Sprung in den 18er-Kader zu schaffen - hier mit Marco Stiepermann (l.) und Fitnesscoach Oliver Bartlett.© Foto: DeFodi
Gänsehaut-Atmosphäre tankte Sobiech im Revierderby gegen den FC Schalke 04 im Februar 2011. Hier saß der Verteidiger zum ersten Mal auf der Bundesliga-Bank. Zu einem Einsatz kam es aber nicht.© Foto: dpa
Bei der U21 - hier im Februar 2011 gegen Griechenland - ist der Schwerter eine wichtige Stütze in der Innenverteidigung.© Foto: dpa
Auch wenn er nur wenig dazu beitragen konnte: Für Lasse Sobiech stand im Sommer 2011 ein großer Höhepunkt an.© Foto: dpa
Der BVB ist Deutscher Meister! Nach dem entscheidenden Spiel gegen Nürnberg feiert Lasse Sobiech (r.) mit Marco Stiepermann auf dem Rasen den Titel. Nuri Sahin gibt der Südtribüne einen Vorgeschmack auf die Schale. © Foto: dpa
Zwar hat er kein Spiel gemacht, aber dennoch kann Lasse - hier zwischen Kevin Großkreutz und Marco Stiepermann - ausgiebig mitfeiern.© Foto: dpa
Zur Saison 2011/12 dann der nächste Schritt: Lasse Sobiech (l.) - hier in der Regionalliga-Partie gegen Wiedenbrück Ende April 2011 - wird an den Erstliga-Absteiger FC St. Pauli ausgeliehen. Bei den Hanseaten soll er Spielpraxis sammeln.© Foto: Dieter Menne
Doch die Saison 2010/11 läuft noch. Vor dem letzten Spieltag fordert eine Gruppe auf Facebook: "Kloppo, lass den Lasse gegen Frankfurt spielen". Es ist vorerst die letzte Chance für Lasse Sobiech (l.) - vor seiner Ausleihe zum FC St. Pauli.© Foto: Ludewig
Eingewechselt wurde er zwar nicht, dennoch durfte er mitfeiern: Nach dem letzten Spieltag der Saison 2010/11 gegen Frankfurt reckt Kapitän Roman Weidenfeller die Meisterschale in die Höhe - mit dabei Lasse Sobiech (obere Reihe, 3.v.r.).© Foto: dpa
Lasse Sobiech (Mitte, hinter Kagawa) war auch dabei, als sich der Meister in das goldene Buch der Stadt Dortmund eintragen durfte.© Foto: dpa
Lasse Sobiech feierte am 1. Spieltag der Zweitliga-Saison 2011/12 einen gelungenen Profi-Einstand im Trikot des FC St. Pauli. © Foto: dpa
In den ersten acht Saisonpartien stand Lasse immer über die volle Spielzeit auf dem Platz - am 9. Spieltag musste er verletzt ausgewechselt werden. Für seine Einsätze erhielt er vom Kicker die Durchschnittsnote 2,88 und war damit zweitbester Verteidiger der Liga. Insgesamt machte er 14 Spiele für die Hanseaten - und schoss am 34. Spieltag beim 5:0 über Paderborn sogar ein Tor.© Foto: dpa
Zur Saison 2012/13 dann der Umzug aus dem Norden in den Süden: Der BVB verlieh Lasse Sobiech (o.l.) an Erstliga-Aufsteiger Greuther Fürth. In der Mitte Trainer Mike Büskens.© Foto: dpa
In Fürth gehörte Lasse Sobiech zwar zunächst nicht zur Startelf. Hier jubelt er nach einer Einwechslung und dem Abpfiff aber im Kreise der neuen Teamkameraden Mergim Mavraj (l.) und Thomas Kleine. Eine Szene nach dem 1:0-Sieg der SpVgg Greuther Fürth beim FSV Mainz 05 am 2. Spieltag der Bundesliga-Saison 2012/13.© Foto: dpa
Auch wenn er zu Beginn bei seinem neuen Klub Greuther Fürth nur Ersatzspieler ist - in der U21-Nationalmannschaft spielt der Schwerter von Beginn an. Sowohl im Hin- als auch im Rückspiel zur Qualifikation für die Junioren-EM stand Sobiech gegen die Schweiz auf dem Platz.© Foto: dpa
Stammspieler in der U21-Nationalmannschaft: Lasse Sobiech im Zweikampf mit dem Schweizer Josip Drmic beim Qualifikationsspiel.© Foto: dpa
Am 15. Dezember 2012 im Spiel gegen Augsburg konnte Lasse Sobiech sein zweites Bundesliga-Tor erzielen. Am Ende der Saison stieg die Spielvereinigung dann aus der ersten Liga ab. Für die Kleeblätter machte Sobiech insgesamt 24 Spiele. Im Sommer 2013 ging es erstmal zurück nach Dortmund.© Foto: dpa
Dieses Mannschaftsfoto von Borussia Dortmund für die Saison 2013/2014 zeigt einen Spieler, der nicht mehr für die Schwarz-Gelben auflaufen wird: Lasse Sobiech (obere Reihe, 4.v.l.).© Foto: dpa
Hier trägt er zwar noch Schwarz-Gelb. Ein Einsatz in diesem Dress wird es für Lasse jedoch vorerst nicht geben.© Foto: dpa
Denn er musste direkt zum nächsten Shooting - und zwar in Hamburg (obere Reihe, 6. v.l.). Der Schwerter schloss sich in der Sommerpause dem Hamburger SV an. Anders als zuvor bei Pauli oder Fürth wurde er vom BVB nicht verliehen, sondern wechselt fest zu den Hanseaten. Beim Nord-Klub unterschrieb er einen Drei-Jahres-Vertrag.© Foto: dpa
Beim HSV feierte Lasse einen super Einstand: In seinem ersten Bundesligaspiel für seinen neuen Klub erzielte er direkt ein Tor zum zwischenzeitlichen 3:2 gegen Schalke 04. Die Partie endete jedoch 3:3.© Foto: dpa
Nach schlechtem Ligastart bekommt er dann einen neuen Trainer: Bert van Marwijk, der auch schon beim BVB Trainer war. Lasse verliert zunächst seinen Stammplatz. Negativer Höhepunkt: Anfang November 2013 beim 0:2 zuhause gegen Gladbach verschuldet der Schwerter beide Gegentreffer durch katastrophale Fehler.© Foto: dpa
Unter Mirko Slomka, der im Februar 2014 das Amt des Cheftrainers beim HSV übernahm, kam Sobiech nicht zum Zug.© Foto: dpa
Für Sobiech war in der Rückrunde der Saison 2013/14 beim HSV meist nur noch Auslaufen angesagt. Nach der Saison wechselte er in die zweite Liga, spielte als Leihspieler für den FC St. Pauli.© Foto: dpa
Lasse Sobiech (r.) spielte nach Engagements bei Greuther Fürth und dem Hamburger SV zur Saison 2014/15 auf Leihbasis wieder für den FC St. Pauli. In 31 Saisonspielen erzielte er vier Treffer und war feste Größe in der Abwehr des Zweitligisten.© Foto: dpa
Lasse Sobiech wechselte zur Saison 2015/2016 ablösefrei vom Hamburger Sportverein zum FC St. Pauli. Der Abwehrspieler einigte sich mit Sportchef Thomas Meggle auf einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 mit einer Option auf ein weiteres Jahr.© Foto: dpa
Lasse Sobiech – hier oben auf der Jubeltraube – hat im Mai 2016 seinen Vertrag beim Zweitligisten FC St. Pauli frühzeitig um ein Jahr bis 2018 verlängert. Der 25-jährige Innenverteidiger hat sich zu einem Führungsspieler im Team der Kiezkicker entwickelt.© Foto: dpa
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Hinter Sobiech liegt eine Supersaison, die nächste soll nun folgen. Dass er als schlaksiger, fast zwei Meter großer Innenverteidiger überhaupt für die Elfmeter verantwortlich war, resultierte aus einem einfachen Trainingsspiel, an dessen Ende eine Entscheidung mittels Elferschießen gesucht wurde. Sobiech überzeugte derart, dass Trainer Ewald Lienen ihn zum Mann vom Punkt bestimmte. Drei von vier Strafstößen verwandelte er sicher, ein weiteres Saisontor gelang ihm aus dem Spiel.

Sobiech hatte schon in der Vorsaison vier Tore gemacht, oftmals wichtige Sieg- und vor allem Kopfballtreffer. „Es wäre schön gewesen, wenn ich noch mehr Tore mit dem Kopf gemacht hätte“, meint Sobiech, „aber sonst bin ich schon zufrieden. Das Sportfachmagazin Kicker zertifizierte ihm seine starke Spielzeit mit der Nominierung in die Kicker-Elf der Saison der 2. Bundesliga – als einziger St. Paulianer.

Von Platz vier überrascht

32 von 34 Saisonspielen absolvierte Sobiech, nur eins davon nicht über die volle Spielzeit. Sein Notenschnitt von 3,08 und nur drei kassierte Gelben Karten zeigen, warum Sobiech zu einem der besten Zweitligaspieler Deutschlands avanciert ist. „Auch wenn ich nicht so viel Wert drauf lege, ist es natürlich schön, wenn man am Ende in der Kicker-Elf des Jahres ist“, meint der 25-Jährige.

Schon vor einem Jahr blickte er sehr optimistisch auf die kommende Spielzeit. Obwohl sich St. Pauli so gerade und auch dank Sobiech zum Klassenerhalt gehangelt hatte. „Nach dem Trainerwechsel (Anm. d. Red. Ewald Linien im Dezember 2014) haben wir aberschon in der Rückrunde 2014/15 relativ viele Punkte gesammelt. Ich war zuversichtlich, dass es sich auf die neue Spielzeit überträgt“, sagt Sobiech. Platz vier habe dann aber auch ihn (positiv) überrascht. Die Hauptgründe für den wiedererstarkten Kiezklub sieht Sobiech im funktionierenden Mannschaftsgefüge. „Das war unser großes Plus.“

Seite 2: Sobiechs Bekenntnis zum FC St. Pauli

Ins Millerntor-Stadion und in die anderen Arenen der Republik wurde der FC St. Pauli meistens von Sobiech geführt. Zwar ist der Schwerter wie in der neuen Saison auch eigentlich Vize-Kapitän, weil Spielführer Sören Gonther aber auf nur zwölf Einsätze kam, trug Sobiech meistens die Binde mit dem Totenkopf um den Arm.

„Etwas ganz, ganz Besonderes“ nennt er das Gefühl, als erster durch den Tunnel in die „Hölle von St. Pauli“, dem Stadion mit dem zweithöchsten Zuschauerschnitt, zu gehen. „Mich freut es aber umso mehr, auch hinter den Kulissen zu helfen und in Bereichen außerhalb des Fußballs mehr Verantwortung zu übernehmen“, erklärt Sobiech.

Im Mai hat er seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert. Das sei nicht von Anfang an klar gewesen, sagt Sobiech. Es gab auch Angebote anderer Vereine. „St. Pauli hat mir aber eine gute Perspektive geboten“, begründet er die Entscheidung. Verein und Fans goutierten das St. Pauli-Bekenntnis. Sobiech ist beliebt und betont, wie wohl er sich fühlt. Er geht in seine vierte Pauli-Saison, als Leistungs- und oftmals Bindenträger – der Kiezklub ist längst in Sobiechs Fußballherz verankert.

"Wir wollen uns immer verbessern"

Nach sechs Wochen Vorbereitung, unter anderem mit Spielen gegen den BVB und Europa-League-Gewinner FC Sevilla, wartet am Montag der Ligaauftakt gegen Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart. Gut so, meint Lasse Sobiech. Schließlich spielte sein Team auch in der zurückliegenden Saison vor allem bei den Favoriten gut auf. Als Saisonziel wird ein Platz unter den ersten Sechs angepeilt. Doch weder Sobiech noch der Verein wollen sich verschlechtern.

„Wir haben gut nachgelegt und ich glaube, dass wir eine bessere Mannschaft als letztes Jahr haben“, sagt Sobiech. „Wir wollen uns immer verbessern. Das heißt auch, dass man in den nächsten Jahren aufsteigen will.“ Wenn Lasse Sobiech ab Montag in den Wiederholungsmodus schaltet und eine weitere starke Saison hinlegt, nähert sich der FC St. Pauli weiter der 1. Liga, aus der er 2011 abgestiegen war. Nur in einem Punkt muss Sobiech demnächst vielleicht noch nachlegen: Elfmeterschießen in Bochum. 

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