Offene Worte und ein Seitenhieb für die Profis: „Einfach nur peinlich!“

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Sorgt die Pandemie für eine Schieflage bei den heimischen Fußballklubs? Oder hält sich das durch Corona entstehende Minus in Grenzen? Eine Bestandsaufnahme.

Schwerte

, 10.11.2020, 18:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kein Trainings- und kein Spielbetrieb und geschlossene Vereinsheime - auf den Sportplätzen der Stadt herrscht Tristesse. Der November-Lockdown der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten der Länder hat das Amateurfußball-Geschehen zum Erliegen gebracht.

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Für die heimischen Vereine hat die angespannte Situation rund um das Coronavirus handfeste finanzielle Folgen, schließlich fallen Einnahmen weg. Oder sind die finanziellen Auswirkungen der Pandemie gar nicht so gravierend, weil die Vereinsverantwortlichen möglicherweise ja auch weniger für Aufwandsentschädigungen in die Tasche greifen müssen?

Wir haben nachgefragt und bekamen offene Worte der Vereinsverantwortlichen zur Antwort.

VfL Schwerte

Das Vereinsheim am Schützenhof wird in Vereinsregie geführt. „Klar - da brechen jetzt fest eingeplante Einnahmen weg“, sagt VfL-Wirtschaftsratsvorsitzender Bernd Arnhold. Solange es noch erlaubt war, konnte man unter dem Tribünendach die BVB-Spiele verfolgen, „aber auch da war die Anzahl der Leute durch die Hygienevorschriften schon sehr reduziert“, sagt Arnhold.

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„Absolute Stabilität“ gebe es dagegen erfreulicherweise im Sponsoring-Bereich, sagt Arnhold. „Da ist niemand abgesprungen“. Und solange nicht trainiert und gespielt werden kann, müsse der Verein auch keine Aufwandsentschädigung an Spieler oder Trainer leisten, erklärt Arnhold, der dann noch einen Seitenhieb für die Profifußballer parat hat: „Wenn ich höre, dass es bei den Profis schon Probleme bei einer Reduzierung der Gehälter im Bereich von 10 bis 15 Prozent gibt, dann finde ich das einfach nur peinlich.“

Im Gegensatz dazu hätten die VfL-Spieler ein hohes Maß an Verständnis für die Situation. Rechtlichen Anspruch auf Zahlungen hätten sie aber ohnehin nicht.

ETuS/DJK Schwerte

Das Vereinsheim im EWG-Sportpark ist verpachtet - ein Verlust entsteht den „Östlichen“ als Verein durch die Mindereinnahmen deshalb nicht. Was dagegen fehlt, sind Eintrittsgelder sowie die Finanzspritze des einen oder anderen Sponsoren.

„Da gibt es schon welche, die erstmal selber sehen müssen, wie sie klar kommen. Deshalb wird am Ende des Jahres sicherlich ein bisschen Geld fehlen“, meint ETuS/DJK-Vorsitzender Hans Haberschuss. „Aber weil wir keine Festgehälter zahlen, haben wir momentan auch keine ausgaben für Spieler und Trainer. Deshalb wird sich der Verlust in Grenzen halten“, meint Haberschuss.

Geisecker SV

Bundesliga-Fußball auf Sky, Geburtstage oder andere Feierlichkeiten - was zu normalen Zeiten im Geisecker Vereinsheim am Buschkampweg los wäre, fällt zurzeit flach. Die Folge: „Wir haben schon ein paar Einbußen - aber nicht in einem Maße, dass man sich Sorgen machen müsste“, sagt Thomas Redel, Sportlicher Leiter der „Kleeblätter“.

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Denn auf der anderen Seite spare man sich zurzeit von Vereinsseite jegliche Auflauf- oder Siegprämie an die Spieler. Gleiches gelte für die Trainer, die als Angestellte des Vereins theoretisch einen Anspruch auf ihr Übungsleiterentgelt hätten, so Redel. „Aber weil sie zurzeit keine Leistung erbringen können, verzichten sie darauf - das ist prima.“

SC Hennen

Weil das schmucke Vereinsheim im Naturstadion von Vereinsseite betrieben wird, fallen zurzeit nicht unerhebliche einnahmen weg, sagt Hennens Fußballvorstand Marco Vorländer. Hinzu kommen - wie überall anders auch - fehlende Eintrittsgelder.

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Andererseits haben aber auch die „Zebra“-Verantwortlichen zurzeit keine Kosten für Spieler und Trainer und freuen sich laut Vorländer auf der anderen Seite über konstant fließende Mitgliedsbeiträge und Sponsorengelder. So werde in Kürze auch das einmal jährlich aufgelegte Vereins-Infoheft des Mehrspartenvereins in gewohnt üppigem Umfang erscheinen.

SC Berchum/Garenfeld

Mehr als in vielen anderen Vereinen fehlen den Berchum/Garenfeldern Einnahmen aus dem Betrieb des Vereinsheims im Waldstadion. „Das war sieben Tage die Woche geöffnet, ehe wir es vorletzten Donnerstag dicht machen mussten“, berichtet SC-Teammanager Sebastian Schulte.

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Was neben dem finanziellen Verlust erschwerend hinzukommt: „Das Vereinsheim ist auch ein Treffpunkt und ist wichtig für das, was einen Verein wie unseren ausmacht“, so Schulte.

Eine Aufwandsentschädigung an Spieler oder Trainer werde auch beim SC nicht bezahlt, solange der Trainings- und Spielbetrieb ruht, sagt Schulte.

VfB Westhofen

Weil das Vereinsheim an der Wasserstraße verpachtet ist, ist der VfB nicht direkt von Mindereinnahmen betroffen. Allerdings ist es in der aktuellen Situation auch schwierig, die normalerweise fällige Miete vom Betreiber einzufordern, erklärt Vereinspräsident Jürgen Rump.

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Aufwandsentschädigungen an Spieler oder Trainer gebe es bei den Westhofenern für die Zeit des Lockdowns nicht, sagt Rump, der aber auch schon an die Zeit der Saisonfortsetzung denkt (wenn es denn dazu kommt). Möglicherweise mit Englischen Wochen dürften dann nämlich umso mehr Prämien fällug werden.

TuS Holzen-Sommerberg

Als „übersichtlich“ bezeichnet Phillip Stricker, der in Kürze in den Abteilungsvorstand des TuS aufrücken soll, die wirtschaftlichen Einbußen durch den Lockdown. Festgehälter werden in Holzen nicht bezahlt, und die Mitgliedsbeiträge fließen in bisherigem Umfang weiter.

SG Eintracht Ergste

„Dramatisch ist es nicht“, sagt Ergstes Fußball-Geschäftsführer Detlef Ens - auch wenn die Einnahmen an Heimspieltagen merklich fehlen. Aufwandsentschädigungen an Spieler gibt es in Ergste laut Ens nicht, der Umgang mit der Pauschale für Trainer/Übungsleiter sei per „gentlemen agreement“ geregelt, so Ens.

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Holzpfosten Schwerte 05

Schmerzhafter als die fehlenden Einnahmen bei Fußball-Heimspielen seien die Umsätze, die wegen des Saison-Stopps im Futsal ausbleiben, sagt Vereinsvorsitzender Leon Weiß. Besonders die Eintrittsgelder machen dort einen sehr großen Faktor aus. „Finanziell haben wir aber so solide geplant, dass dadurch keine unmittelbaren Schieflagen oder Risiken entstehen“, sagt Weiß und ergänzt: „Aktuell sehen wir die Lage noch eher gelassen und warten die Entwicklung der nächsten Monate in Ruhe ab.“

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