Patrick Fabian: Der Profi aus Westhofen und sein Leben ohne Zweikämpfe

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Die Corona-Pandemie hat allenthalben einschneidende Auswirkungen. Patrick Fabian trifft die aktuelle Situation allerdings gleich dreifach schwer.

Westhofen

, 24.04.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Fußballprofi, der beim VfB Westhofen mit dem Kicken begonnen hat und seit einer „halben Ewigkeit“ für den VfL Bochum spielt, hat in diesen schwierigen Zeiten gleich auf drei Gebieten zu kämpfen: als Sportler, Stiftungsvorsitzender und Unternehmer.

VfL Bochum

Patrick Fabian fährt in Fußballklamotten zum Training, steigt aus, trainiert und setzt sich dann ungeduscht wieder ins Auto. Das Leben eines Zweitliga-Fußballers im Frühling 2020 hat nicht mehr allzu viel mit dem Profi-Dasein zu tun, wie es der Westhofener seit nunmehr zwölf Jahren kennt.

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Drei Wochen lang haben Fabian und seine Teamkollegen im Homeoffice geschwitzt: Kraftübungen und Laufrunden – alles selbstständig, alles bei Fußballspielern ungefähr so beliebt wie ein Gegentor in der 94. Minute. Seit knapp drei Wochen dürfen die VfL-Profis zumindest wieder in kleinen Gruppen zusammen trainieren, allerdings unter rigiden Vorgaben. Lediglich sechs Fußballer dürfen auf dem Platz stehen, ohne sich zu nah zu kommen. Zweikämpfe sind verboten. „Das ist schon ein sehr spezielles, neues Terrain für alle“, sagt der 32-jährige Fabian.

Nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang

Den VfL Bochum traf die Saisonunterbrechung mitten im bitteren Abstiegskampf. Neun Spieltage vor dem regulären Saisonende steht er auf dem ersten Nichtabstiegsplatz, hat nur drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.

Die einzigartige Situation berührt den VfL aber nicht nur sportlich, sondern vor allem finanziell. „Es ist kompliziert“, erzählt Fabian, „da wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Wir sind auf die TV-Gelder und Zuschauereinnahmen angewiesen.“

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Bis zum 31. August – das steht bereits fest – wird es sicher kein Spiel vor Zuschauern geben. Der Verein musste seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, die Profis verzichten auf Teile ihres Gehalts. „Es wird alles getan, um die Mitarbeiter durch die Krise zu bringen. Den Fußball kann man nicht platt gehen lassen“, fordert Patrick Fabian.

„Es wird Veränderungen im Fußball geben“

Seine Hoffnung: Die Saison irgendwie zu Ende bringen – notfalls auch durch unkonventionelle Modelle. „Es wird Veränderungen im Fußball geben – bei Kadergrößen und auf dem Transfermarkt. Die Vereine werden einsparen, wo es nur geht“, prognostiziert der Innenverteidiger, den es eventuell auch ganz persönlich betreffen wird.

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Denn eigentlich hatte er schon mit dem Karriereende im Sommer kokettiert. Vertraglich ist Fabian zwar noch bis 2022 an den VfL gebunden. Schon jetzt wird er an administrative Aufgaben in der Geschäftsführung herangeführt, kann sich hier eine Zukunft gut vorstellen.

Doch die prekäre Corona-Zeit wirbelt auch diese Pläne durcheinander. „Wenn der Verein auf mich zukommen und sagen würde, dass er mich noch ein Jahr auf dem Platz braucht, werde ich mir das zumindest überlegen.“

Tierschutz-Stiftung PAU

Fabian ist Gründungsmitglied und Vorsitzender von PAU (People & Animals United). Die Tierschützer initiieren Projekte im In- und Ausland, die sich für die Rechte und Leben von Tieren einsetzen. Eine besondere Verbindung hat der Verein zu Hunden in Rumänien.

Ein Foto, das gut vier Jahre alt ist: Patrick Fabian, Fußballprofi aus Westhofen, hat die Tierschutz-Stiftung PAU gegründet.

Ein Foto, das gut vier Jahre alt ist: Patrick Fabian, Fußballprofi aus Westhofen, hat die Tierschutz-Stiftung PAU gegründet. © Manuela Schwerte

„Momentan können keine Hunde nach Deutschland transportiert werden“, erklärt Fabian. „Die Tierheime sind überfüllt und gleichzeitig können wir aktiv durch Werbeaktionen keine Gelder generieren.“

Damit würden Spendengelder zwar wegfallen, allerdings hat sich der Verein einen finanziellen Puffer aufgebaut. „Wenn alles so weitergeht, kriegen wir das Jahr noch durch“, sagt Fabian. Er sorgt sich dennoch: „Der Tierschutz endet nicht mit der Corona-Krise. Die Tiere leiden vor allem jetzt weiter.“

Unternehmen STASP

Vor drei Jahren hat Fabian mit einem Freund STASP gegründet, ein Modegeschäft in der Bochumer Innenstadt, das Streets- und Sportswear anbietet. „Der Einzelhandel war ja schon vor Corona ein schwieriges Feld“, erzählt Fabian. Vor vier Wochen mussten sein Kumpel und er den Laden schließen.

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„Ich war von morgens bis abends da. Wir mussten jeden Tag hart arbeiten, damit wir den Ausfall zumindest etwas abfedern konnten. Aber ein Monat Umsatzausfall ist eine Katastrophe.“ Immerhin: In der Krise wurden die Geschäftsmänner kreativ und gründeten eine WhatsApp-Gruppe, über die Freunde und Stammkunden weiter einkaufen konnten. Am Montag durfte Fabian seinen Laden wieder öffnen – wiederum unter strengen Sicherheitsmaßnahmen.

Fragile Zukunft in drei Bereichen

Patrick Fabian kennt Rückschläge. Viermal hat der Profifußballer sich bereits das Kreuzband gerissen. „Ich habe gelernt, sich nicht zu lange mit Dingen aufzuhalten, die man nicht ändern kann“, sagt er. Doch die Corona-Zeit ist auch für ihn einmalig. „Ich muss mich derzeit in drei Bereichen jeweils mit dem Worst Case beschäftigen.“

Die Zukunft ist überall fraglich und fragil. „Trotzdem habe ich schon jetzt das Gefühl, dass man enger zusammengerückt ist. Ich spüre die Solidarität“, sagt Fabian.

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