2,65 Millionen Zuschauer schauen Annika Paszehr bei ihrem Hobby zu

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Annika Paszehr ist Schwertes Top-Schiedsrichterin. Sie wohnt in Dortmund – und bei ihrem Hobby schauten 2,65 Millionen Zuschauer zu.

Schwerte

, 20.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Annika Paszehr kommt aus Schwerte. Mittlerweile wohnt sie in Dortmund und arbeitet beim TSC Eintracht. Über 2,5 Millionen Menschen sahen sie kürzlich auf den Fernsehbildschirmen. Ihrem Lieblingshobby kann sie auch trotz der Corona-Krise weiter nachgehen.

Das größte Spiel in ihrer Schiedsrichterin-Karriere erlebt Annika Paszehr am 4. Juli in Köln. Obwohl sie an diesem Samstag in einem fast menschenleeren Stadion steht, das sonst 50.000 Zuschauer fasst. Es ist DFB-Pokalfinale der Frauen. Paszehr begleitet Schiedsrichterin Nadine Westerhoff als Assistentin an der Seitenlinie.

Annika Paszehr zeigt eine Top-Leistung. Als Essen Sekunden nach Anpfiff zum 1:0 in einer ziemlich kniffligen und abseitsverdächtigen Spielsituation trifft, bleibt die gebürtige Schwerterin cool – und entscheidet richtig. Das sehen an jenem Tag auch 2,65 Millionen Zuschauer am Fernsehbildschirm.

Spannender Schiri-Alltag

Rund viereinhalb Monate später ist Paszehr längst wieder im Schiri-Alltag angekommen, der bei ihr allerdings ziemlich spannend ist. Vor der Saison wurde sie zur Oberliga-Schiedsrichterin bei den Herren befördert.

Zudem assistiert sie weiterhin Westerhoff in der 1. Frauen-Bundesliga und pfeift selbst in 2. Liga der Damen. Und auch wenn letztere coronabedingt unterbrochen wurde, ist Paszehr am Wochenende im Doppeleinsatz. Meistens sieht das so aus: samstags als Assistentin bei den Herren in der Regionalliga, sonntags bei den Damen.

Zum Topspiel der Frauen-Bundesliga kam Paszehr am vergangenen Freitag wieder einmal auf die TV-Bildschirme. Denn die Freitagsspiele der Frauen-Bundesliga überträgt der Fernsehsender Eurosport. Dieser zeigte einen knappen 1:0-Sieg von Turbine Potsdam gegen Eintracht Frankfurt – und eben Annika Paszehr an der Seitenlinie. Zu sehen im Free-TV.

Eine Dimension, die der 29-Jährigen aber immer erst nach den Spielen deutlich wird. „Tatsächlich bin ich während des Spiels so fokussiert, dass ich überhaupt nicht darüber nachdenke, dass da gerade sehr viele Menschen zuschauen“, erklärt Paszehr, die für die Holzpfosten Schwerte pfeift. „Ich genieße es eher, weil ich weiß, dass meine Familie und Freunde mir mal bei der Arbeit zuschauen können.“

Annika Paszehr erlebt ein aufregendes Jahr als Schiedsrichterin: Im Juli stand sie als Assistentin im DFB-Pokalfinale, zuletzt an der Seite beim Topspiel der Frauen-Bundesliga.

Annika Paszehr erlebt ein aufregendes Jahr als Schiedsrichterin: Im Juli stand sie als Assistentin im DFB-Pokalfinale, zuletzt an der Seite beim Topspiel der Frauen-Bundesliga. © imago images/foto2press

Dass Paszehr Schiedsrichterin in den professionellen Fußball-Ligen Deutschlands ist, macht sie derzeit zur privilegierten Person. Sie ist an den Wochenenden bis hin nach Frankfurt unterwegs – allerdings achtet der DFB darauf, dass die Schiedsrichterinnen nicht quer durch die Republik fahren müssen. „Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich derzeit mein Hobby, was das Pfeifen für mich immer noch ist, ausführen darf“, sagt Paszehr.

Verrückte Anfahrtsregel

Sie und ihre Kolleginnen profitieren vom professionellen Hygienekonzept des DFB. Das geht sogar so weit, dass Paszehr und Schiedsrichterin Nadine Westerhoff nach Frankfurt getrennt anreisen mussten. Obwohl die Dortmunderin und Bochumerin quasi Nachbarinnen sind. „Wir sollen eben so wenig Kontakt wie möglich haben“, erklärt Paszehr. „Deshalb werden wir auch einmal pro Woche getestet und ziehen uns mittlerweile in richtig großen Mannschafts-Umkleidekabinen um.“

Als Schiedsrichterin ist sie derzeit nur insofern eingeschränkt, als sie sich aktuell nicht für höhere Aufgaben empfehlen kann – so wie es eigentlich ihr Plan war. Da die 2. Frauen-Bundesliga momentan ausgesetzt ist, finden logischerweise auch keine Beobachtungsspiele statt. Beruflich ist Annika Paszehr jedoch sehr wohl von der Pandemie betroffen.

Im Beruf von Kurzarbeit betroffen

Sie ist die Leiterin des Kinder- und Jugendsports beim TSC Eintracht Dortmund – und hier in Kurzarbeit. Seit November hat sich das Training beim TSC wieder in die digitalen Sphären verschoben. Paszehr organisiert vor allem Live-Workouts über Videoschalten. Da schauen ihr dann nicht 2,65 Millionen Menschen zu, jedoch zahlreiche Kinder und Jugendliche, die auf dasselbe wie Annika Paszehr hoffen: eine baldige Rückkehr in die Normalität.

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