Was Udo Seifert noch heute bereut

Sportlerporträt

SCHWERTE Er ist ein Mann mit einer langen und bewegten Vergangenheit. Udo Seifert hat bis zum Ende der Saison das Traineramt beim Fußball A-Ligisten TuS Holzen-Sommerberg übernommen. Doch sein Hauptaugenmerk legt der Ex-Profifußballer weiterhin auf den Nachwuchs. Ein Porträt.

von Von Bastian Bergmann

, 12.05.2009, 15:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Denn hier möchte er den Jugendlichen die Hilfestellung geben, die er als Jugendlicher nicht hatte - und weshalb ihm eine vielleicht große Karriere verwehrt blieb. "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort und hätte jemanden gebraucht, der meine Situation realistisch und nicht durch eine Vereinsbrille betrachtet hätte", erinnert sich Udo Seifert an das Jahr 1972.

Damals als 19-Jähriger in Diensten des Hörder SC war Borussia Dortmund auf ihn aufmerksam geworden. Dieses erste Angebot für die Amateurmannschaft der Borussen schlug Seifert auf Anraten des Hörder sportlichen Leiters aus. "Leider Gottes habe ich mich falsch entschieden", erklärt Seifert heute. Über Hombruch und Hörde zum BVB Nach den Landesligastationen in Hombruch und beim SuS Hörde landete er neun Jahre später doch noch beim BVB. "Ich war damals schon am Zenit." Trotzdem hatte er an der Seite von Michael Zorc, Ingo Anderbrügge oder Michael Lusch noch eine sehr schöne Zeit. Aber ein fader Beigeschmack ist bis heute geblieben. "Ich bereue es noch heute, nicht früher zum BVB gegangen zu sein. Mit meinem heutigen Wissen weiß ich, dass ich viel mehr daraus hätte machen können und es wohl eine andere Karriere geworden wäre", blickt der heute 56-Jährige zurück.

Genau diese teils schmerzhaften Erfahrungen will der B-Lizenztrainer so früh wie möglich an die Jugend weitergeben. "Genau das ist mein Ansatz. Ich kann bedingt durch meine Vergangenheit den Kindern mehr beibringen", betont Seifert. Bereits von 1985 bis 1989 trainierte er die Senioren des TuS Holzen-Sommerberg. Seiferts Jugendarbeit trägt Früchte Zu seiner ersten Jugendmannschaft kam er 2006 nach eigener Aussage wie die Jungfrau zum Kind. Die Fußball-Weltmeisterschaft spülte so viele Kinder in den Holzener Verein, dass Seifert mit seinem Jungjahrgang der F-Jugend zeitweise 40 Kinder auf dem Platz hatte. Dem Erfolg schadete das nicht: Hallenkreismeister, ein Jahr später Kreismeister und Vize-Kreispokalsieger - die Erfolgsliste liest sich gut. Erst letztes Wochenende setzte er mit seiner E2-Jugend noch eins drauf und wurde erneut Kreismeister. Seine Arbeit trägt Früchte.Hauptaugenmerk auf der Jugendarbeit - Absage an die Senioren   Das bleibt wiederum den Spähern von Borussia Dortmund nicht im Verborgenen. "Ich konnte einen Teil der Mannschaft beim Tag der Talente unterbringen", freut sich Seifert. Mit Florian Berendt hat bereits ein Holzener Nachwuchskicker durch Seifert den Sprung geschafft und hat sich im BVB-Leistungszentrum etabliert. "Wenn der Nachwuchs früh anders trainiert wird, sind die Chancen bedeutend größer. Ich will ihnen eine Basis und ein Sprungbrett zu Vereinen wie Eintracht Dortmund geben", so Seifert. Er weiß, dass nicht alle diesen Sprung schaffen werden. So oder so wird der TuS Holzen-Sommerberg langfristig davon profitieren. Gerade deswegen hat Seifert trotz seiner sofortigen Zusage als Interimstrainer einem Engagement über die Saison hinaus bei den Senioren eine klare Absage erteilt. "Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Jugendarbeit."ZUR PERSONUdo Seifert ist 56 Jahre alt. 1981 wechselte er zu Borussia Dortmund, nachdem er 1972 ein erstes Angebot ausgeschlagen hatte.Der B-Lizenztrainer ist seit 2006 als Jugendtrainer in Holzen tätig. Auf der kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung wurde Seifert zudem in den Jugendvorstand gewählt.

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