Wird die Fußballsaison abgebrochen? Einhellige Meinung - mit einer Ausnahme

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Wie geht es weiter mit den Amateurfußballern? Wird die Saison beendet? Wenn nicht: Wer steigt auf oder ab? Wir haben die Verantwortlichen der heimischen Vereine um ihre Meinung gebeten.

Schwerte

, 29.03.2020, 15:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat am vergangenen Freitag einen neuen Stand der Dinge verkündet. Die wichtigste Frage lassen die Verbands-Verantwortlichen aber unbeantwortet.

Denn weiterhin steht nicht fest, ob die Saison annulliert oder doch nochmal neu aufgenommen wird.

Vereine bekommen 14 Tage vorher Bescheid

Der FLVW hat vorerst entschieden, die Saison auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Bisher galt, dass wegen der Corona-Krise bis zum 19. April pausiert wird. Sollte es aber zu einem bestimmten Termin weitergehen, bekommen alle Vereine 14 Tage vorher Bescheid.

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Wie ist diese FLVW-Mitteilung bei den heimischen Vereinen angekommen? Wie sehen sie die Lage? Wir haben bei Vereinsvertretern nachgefragt und ein relativ klares Meinungsbild erhalten.

Einhelliger Tenor - mit einer Ausnahme

Einhelliger Tenor: Niemand glaubt, dass die laufende Saison noch zu Ende gespielt wird – mit einer Ausnahme.

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Die Stimmen:

Thomas Wegener, Sportlicher Leiter des SC Berchum/Garenfeld:

„Ich hoffe doch sehr, dass es weitergeht! Mit der Wiederaufnahme des Schulunterrichts hoffe ich, dass die Entscheider auch mindestens den Freiluftsport grundsätzlich freigeben. Zwei Wochen später sollte die Meisterschaft wieder losgehen, von mir aus auch mit mehreren Englischen Wochen. Die neue Saison kann ja ruhig später anfangen.

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Über eine Absage wäre ich nach heutigem Stand enttäuscht. Dann sollten sie das werten, wie sie wollen – da hätte ich keine Präferenz. Sportliche Gerechtigkeit gäbe es dann ohnehin nicht. Ich habe mal was von der Wertung nach der Hinrunde gehört. Da würde ich es hundertprozentig verstehen, wenn man sich in Lüdenscheid sehr aufregen würde.“

(Anm.d.Red.: Zum Abschluss der Hinrunde stand Berchum/Garenfeld an der Spitze der Bezirksliga vor dem aktuellen Tabellenführer Rot-Weiß Lüdenscheid).

Thomas Redel, Sportlicher Leiter des Geisecker SV:

„Ich gehe davon aus, dass wir nicht mehr spielen werden. Was man macht, wird egal sein, da sich irgendjemand sowieso ungerecht behandelt fühlt. Das System der Basketballer gefällt mir ganz gut, wird aber schwer umzusetzen sein. Erkläre mal einer Mannschaft, die auf einem Abstiegsplatz steht, dass sie abgestiegen sind, obwohl sie theoretisch noch Möglichkeiten gehabt hätte, drin zu bleiben. Beim Tabellenführer sieht’s ja genauso aus – plötzlich hat auch der Zweitplatzierte mit acht Punkten Rückstand wieder Aufstiegschancen.... Da wird man keine gerechte Lösung finden.

Ich würde es beenden und die Tabelle der Hinrunde als Wertung nehmen.“

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Kamal Hafhaf, Sportlicher Leiter des VfL Schwerte:

„Ich bin der Meinung, dass die Saison nicht mehr zu Ende gespielt werden soll – es gibt jetzt wichtigere Dinge als Fußball. Für die Mannschaften, die um den Aufstieg und gegen den Abstieg spielen, sollte sich der Verband etwas ausdenken.“

Detlev Brockhaus, Sportlicher Leiter des ETuS/DJK Schwerte:

„Sich zum jetzigen Zeitpunkt über Fußball zu unterhalten, fällt mir schwer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ligabetrieb nochmal aufgenommen wird. Ich möchte in dieser Sache nicht der Verantwortungsträger sein – es geht da um Auf- und Abstiege. Aber ganz ehrlich: Im Grunde genommen ist das doch Bullshit. Wen interessiert es denn in so einer Krise, wie wir sie momentan haben, wer auf- und wer absteigt?“

Marvin Horn, Sportlicher Leiter des SC Hennen:

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir etwas mehr Klarheit hätten. In meinen Augen wird diese Saison nicht mehr fortgesetzt. Aber mir ist auch bewusst, dass niemand Erfahrung mit so einer Situation hat. Die Entscheidung, was mit der Saison passiert, will ich nicht treffen. Es wird definitiv Verlierer geben. Vermutlich wäre eine Annullierung ohne Auf- und Absteiger die einfachste Lösung.“

Kommt der Ball nochmal ins Spiel in dieser Saison? Auch Marvin Horn (SC Hennen) glaubt nicht daran.

Kommt der Ball nochmal ins Spiel in dieser Saison? Auch Marvin Horn (SC Hennen) glaubt nicht daran. © Bernd Paulitschke

Jürgen Rump, Präsident des VfB Westhofen:

„Die Saison ist tot. Meiner Meinung gibt es nur die eine Möglichkeit: Alles annullieren und auf Anfang stellen. Der Verband sagt, dass er mit zwei Wochen Vorlauf Bescheid geben will, wann es weitergeht. Vor dem Schulanfang nach den Osterferien wird definitiv nichts passieren. Dann hatte man für zehn noch ausstehende Spieltage rund drei Wochen – wie soll das gehen?“

Jürgen Rump, Präsident des VfB Westhofen, fragt: Zehn Spieltage in rund drei Wochen – wie soll das gehen?

Jürgen Rump, Präsident des VfB Westhofen, fragt: Zehn Spieltage in rund drei Wochen – wie soll das gehen? © Bernd Paulitschke

Uli Schulte, Fußballvorstand der SG Eintracht Ergste:

„Die Saison wird wohl nicht zu Ende gespielt, andere Sportarten haben das ja schon entschieden. Aber wie soll dann mit Auf- und Abstieg umgegangen werden? Meines Erachtens müsste die Saison annulliert werden. Alles bleibt wie es ist, die Saison 2019/20 hat es dann eben nicht gegeben. Damit würde auch die Diskussion bei Spielerwechseln entfallen. Aber damit sind sicher nicht alle Vereine einverstanden.

Egal wie die Entscheidung ausfällt: Es gibt immer Vereine, die darunter leiden und andere sind bevorteilt. Gerechtigkeit für alle wird es nicht geben.“

Benjamin Gottstein, Trainer von Holzpfosten Schwerte 05:

„Ich befürchte, dass nicht zu Ende gespielt werden wird. Wobei ich es gut fände, wenn da eine Lösung gefunden wird. Für uns als Tabellenführer wäre ein Abbruch natürlich extrem bitter. Von daher hoffe ich darauf, dass zum Beispiel der Stand der Winterpause genommen wird. Das wäre noch halbwegs fair, da jeder mal gegen jeden gespielt hätte – und es wäre für uns natürlich positiv. Aber im Endeffekt müssen wir es sowieso so nehmen, wie es kommt.“

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