Volleyballerin übt deutliche Kritik: Sport nimmt sich eine falsche Stellung heraus!

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Anna Hoja hat auch wegen der Pandemie eine Saison in der 2. Frauen-Volleyballbundesliga drangehängt. Jetzt sorgt eine Entscheidung bei ihr aber für großes Unverständnis.

Schwerte

, 18.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schwerter Volleyballerin Anna Hoja hat den Verband hart dafür kritisiert, dass ihr Verein, der Zweitligist Leverkusen, weiter spielen soll. Hoja versteht das angesichts der hohen Infektionszahlen nicht und plädiert für einen vorübergehenden Stopp.

Im Sommer baggert und pritscht Hoja seit Jahren erfolgreich im Sand und ist Dauer-Teilnehmerin bei der Beach-Tour mit ihrem Saisonabschluss, der Deutschen Meisterschaft in Timmendorfer Strand. Schon die Beach-Saison 2020 wurde Corona-bedingt auf ein Minimum reduziert.

In den Wintermonaten steht Beachvolleyballerin Anna Hoja in der Halle für den TSV Bayer Leverkusen am Netz.

In den Wintermonaten steht Beachvolleyballerin Anna Hoja in der Halle für den TSV Bayer Leverkusen am Netz. ©

In den Wintermonaten steht Hoja dann in der Halle am Netz, für den TSV Bayer Leverkusen in der 2. Bundesliga Nord. Weil die vergangene Saison im Frühjahr 2020 abgebrochen wurde, entschied sich Hoja, noch eine weitere Saison für die Leverkusenerinnen dranzuhängen. Sie wollte einen rühmlicheren Abschluss ihrer Hallenkarriere als einen Saisonabbruch.

Als Profi-Liga eingestuft

Doch nunmehr wünscht sich Hoja, dass sie aktuell gar nicht spielen müsste. Und dass sie es doch soll, ruft bei ihr nur großes Kopfschütteln hervor. Die Volleyball-Bundesliga hat entschieden, dass die 2. Bundesliga der Frauen trotz Corona und Lockdown light weiterläuft – und hat sie damit quasi als Profi-Liga eingestuft.

„Das ist aber verrückt, weil es einfach nicht der Wahrheit entspricht“, meint Hoja, die wie ihre meisten Kolleginnen Volleyball nur neben dem Hauptberuf spielt. „Mit Einschränkungen war zu rechnen“, sagt Hoja. „Aber jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir nicht mehr spielen sollten.“

Volleyballerin Anna Hoja sagt deutlich: „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir nicht mehr spielen sollten.“

Volleyballerin Anna Hoja sagt deutlich: „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir nicht mehr spielen sollten.“

Grund dafür sind auch Spielabsagen und Infektionsfälle bei anderen Teams am vergangenen Wochenende. Das Spiel der Bayer-Damen gegen Essen musste am Samstag gecancelt werden, weil Essener Spielerinnen behördliche Quarantäne angeordnet wurde. Laut Hoja gebe es nunmehr schon vier Mannschaften in der 14er-Liga mit infizierten Spielerinnen – trotz des strengen Hygienekonzepts, das auch Schnelltests beinhaltet.

Hoja selbst vermutet Termindruck und auch finanzielle Gründe hinter der Entscheidung der Volleyball-Bundesliga, die Saison vorerst weiterlaufen zu lassen. „Dabei müsste gerade sie Verantwortung übernehmen und eine Vorbildrolle einnehmen“, fordert Hoja.

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Sie sehe es sehr kritisch, mit einer Ausnahmegenehmigung in der aktuellen Situation durchs Land zu reisen – am Wochenende spielt Leverkusen etwa in Stralsund. Allein pro Mannschaft treffen sich dann mehr als 15 verschiedene Haushalte. „Da nimmt sich der Sport gerade eine falsche Stellung heraus“, kritisiert die 28-Jährige weiter.

Für Unsicherheit und Angst sorge die Fortführung des Ligabetriebs auch, weil Hoja hauptberuflich als Lehrerin in Borken arbeitet und sie das Risiko einer Verbreitung so gering wie möglich halten will. Deshalb wird sie zumindest regelmäßig mit einem „richtigen“ Coronatest auf das Virus überprüft.

Als Lehrerin im Zwiespalt

Anna Hoja ist aktuell in einem Zwiespalt. Seit vergangenem Wochenende habe sie erstmals darüber nachgedacht, auf die Spiele in der 2. Liga zu verzichten. „Gleichzeitig ist es meine letzte Saison und da möchte ich möglichst viel spielen. Ich bin da definitiv in einem Gewissenskonflikt“, gesteht Hoja.

Mit Bayer Leverkusen steht sie mit acht Siegen aus acht Spielen an der Tabellenspitze. Die Meisterschaft als Abschluss der Hallenkarriere ist eine realistische wie lukrative Aussicht.

Hoffen auf die Unterbrechung

Und auch wenn Hoja für eine Unterbrechung der Saison plädiert, glaubt sie, dass es zunächst weitergehe. Irgendwie und mit weiteren Spielabsagen. Einen Abbruch fände sie sehr schade. Also hofft sie: zunächst auf einen vorübergehenden Stopp, dann auf einen Rückgang des Infektionsgeschehens.

Aktuell ist Anna Hoja krankheitsbedingt noch etwas angeschlagen. Eigentlich müsste es für das Spiel in Stralsund am Wochenende aber gesundheitlich reichen. Dass sie trotzdem noch nicht sicher ist, ob sie am Wochenende tatsächlich hunderte Kilometer nach Mecklenburg-Vorpommern fährt, hängt nicht mit ihrem Wohlbefinden zusammen. „Vielleicht können wir dorthin fahren“, sinniert sie. „Vielleicht aber auch nicht.“

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