Benedikt Hülsbusch tritt in "Arnies" Fußstapfen

Bodybuilding

Benedikt Hülsbusch ist konsequent. Schon seit vielen Jahren ist Arnold Schwarzenegger sein großes Vorbild. Seit 2005 betreibt der mittlerweile 23-jährige Borker intensiv Bodybuilding. Aktuell lebt Hülsbusch in Australien, gibt dort Fitness-Kurse und genießt das Leben im Land auf der anderen Seite der Erdkugel.

SELM

, 14.07.2015, 10:44 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Oberarme schwellen auf die Größe von Wassermelonen an. Die Adern am Bizeps treten deutlich hervor. Aus den Kopfhörern dröhnt harte Techno-Musik. Wenn Benedikt Hülsbusch am frühen Morgen sein Training startet, dann ist für Schwächephasen kein Platz. Hülsbusch ist Bodybuilder. Momentan absolviert der 23-Jährige aus Selm-Bork aber nur leichtere Trainingseinheiten. Die großen Wettkämpfe hat das Kraftpaket in diesem Jahr bereits abgeschlossen. Und seine Saison ging mit einigen herausragenden Erfolgen zu Ende.

Hülsbusch nimmt einen großen Schluck aus der Kaffetasse und lächelt, als er auf die Saison 2015 zurückblickt. Er lässt das anstrengende erste Halbjahr Revue passieren. Insgesamt sechs Wettkämpfe hat der gelernte Industriekaufmann seit Anfang März bestritten. Die Erfolge können sich sehen lassen. Sogar international gelang Hülsbusch in diesem Jahr der Durchbruch.

Sowohl in Deutschland als auch in Australien und in Dänemark ließ Hülsbusch im laufenden Jahr seine Muskeln spielen. Bei den Gold Coast Classics in Queensland, Australien erreichte er in der Kategorie „Männer über 100 Kilogramm“ den dritten Rang. Noch besser schnitt der Borker am 18. April bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Berlin ab, als er sich den Vizemeistertitel sicherte.

Bereits knapp zwei Wochen zuvor krönte Hülsbusch seine bisherige Bodybuilder-Karriere mit dem ersten Platz beim Loaded Cup in Dänemark in der Kategorie „Junioren bis 23 Jahre“. „Das war eine internationale Meisterschaft und sicherlich einer meiner größten Erfolge“, sagt Hülsbusch, während er sich seine Frühstücksbrote dick mit Schmier-Käse, Honig und Marmelade bestreicht.

Nach monatelanger Vorbereitung, knallharter Diät und intensivem Training darf der Bodybuilder momentan wieder das essen, was ihm lieb ist. Während Hülsbusch zu seiner Wettkampf-Phase „trockene“ 103 Kilogramm auf die Waage brachte und penibel auf die Ernährung achtete, hat er seit Mitte Mai wieder an Masse zugelegt. 124 Kilogramm wiegt der Borker aktuell. „Nach der Saison ging natürlich das große Essen los. Fast ein Jahr lang musste ich auf Vieles verzichten“, erklärt der 23-Jährige.

So viel Gewicht hat der Industriekaufmann, der im Jahr 2005 mit dem Bodybuilding begann, nicht immer auf die Waage gebracht. „In meiner Anfangszeit habe ich so etwa 75 Kilogramm gewogen“, erinnert sich Hülsbusch. Als 13-Jähriger wollte er unbedingt seinem großen Vorbild Arnold Schwarzenegger nacheifern.

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Muskelpaket Benedikt

Der 19-jährige Benedikt Hülsbusch hat den Titel "Deutscher Meister errungen". Die Woche nach der Meisterschaft macht er leichtes Training.
02.12.2011
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Benedikt Hülsbusch trainiert mit unterschiedlichen Gewichten. In dieser Position nimmt er auch gern zwei 42,5-Kilo-Kurzhanteln.© Foto: Nico Drimecker
Nach den Übungen posiert Benedikt Hülsbusch ab und zu vor dem Spiegel.© Foto: Nico Drimecker
Mit seinem Trainer bespricht Benedikt Hülsbusch auch Dinge abseites des Sports.© Foto: Nico Drimecker
So hat Benedikt Hülsbusch den Titel "Internationaler Deutscher Meister der Junioren 2" gewonnen.© Foto: Oliver Rink
Es ist seine Lieblingspose, sagt Benedikt Hülsbusch.© Foto: Nico Drimecker
Aber auch sonst kann sich Benedikt Hülsbusch gut präsentieren.© Foto: Nico Drimecker
Das sind die neusten Pokale von Benedikt Hülsbusch.© Foto: Nico Drimecker
Das Training ist anstrengend. Das bloße Posieren übrigens auch.© Foto: Nico Drimecker
100 Kilo aus dieser Position zu stemmen, ist für Benedikt Hülsbusch "leichtes Training".© Foto: Nico Drimecker
Bruno Lexy ist Benedikt Hülsbuschs Trainer. Ihm gehört auch das Fitnessstudio, in dem der 19-Jährige trainiert.© Foto: Nico Drimecker
Noch einmal konzentrieren, tief durchatmen, dann 42,5 Kilo pro Arm hochstemmen.© Foto: Nico Drimecker
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„Ich habe jeden Tag zwei bis drei Stunden trainiert. Ich hatte damals zwar noch keine Pläne und wenig Ahnung vom Bodybuilding, aber ich wollte unbedingt so aussehen wie er“, schwelgt der 23-Jährige in Erinnerungen. Seine Trainingsgeräte, Gewichte und sogar eine Hantelbank, mit der er in den Anfangsjahren trainierte, hat der Kraftsportler selbst geschweißt und gebaut.

Bevor es mit dem Kraftsport jedoch so richtig losging, spielte Hülsbusch Handball. So wirklich imponierte ihm die Ballsportart allerdings nicht. Die Motivation ließ früh nach. „Ich bin eher ein Einzelkämpfer. So trage ich auch alleine die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg. Das ist für mich viel interessanter“, so der 23-Jährige. Daher machte sich der Kraftsportler auf den Weg, ein angesehener Bodybuilder zu werden: mit Erfolg.

Vizemeister in Südaustralien

Seinen ersten Wettkampfsieg bejubelte Hülsbusch gleich bei seiner Premiere im Jahr 2010. Bei der Meisterschaft der Deutschen Newcomer holte sich der damals 18-Jährige in der Jugendklasse den ersten Platz. Es folgten Titel bei NRW-Meisterschaften und Deutschen Jugend-Meisterschaften. Im November 2011 gelang Hülsbusch gar der Gewinn der Deutschen Juniorenmeisterschaft.

Im Oktober 2014 nahm er zudem erstmals an einem australischen Wettkampf teil. Bei der südaustralischen Meisterschaft der Männer über 100 Kilogramm wurde Benedikt Hülsbusch Vizemeister. Stolz blickt der Borker auf seine vielen Pokale. Insgesamt elf Podiumsplätze fuhr er bisher ein. Der Erfolg in Australien gehört zu seinen persönlich wichtigsten.

Im September 2013 entschloss Hülsbusch sich zu einem Work-And-Holiday-Jahr in Australien. Zunächst hatte er geplant, neun Monate in Australien zu bleiben. „Diesen Plan habe ich aber über den Haufen geworfen, weil ich in Australien so viele gute Jobangebote hatte“, so Hülsbusch. Er arbeitete auf riesigen Weizenfarmen und Baumwollfeldern.

„Das zweite Jahr habe ich dann direkt drangehängt.“ Nur die Zeit von Mitte März bis Anfang Juli verbrachte Hülsbusch wettkampfbedingt in Deutschland.

In Australien pendelt der Borker regelmäßig zwischen Sydney an der Ostküste und Adelaide an der Südküste Australiens. Dort gibt er Fitness-Kurse und genießt das Leben. „Ich war hier an den schönsten Orten der Welt. Vor allem vom Outback war ich überwältigt. Wenn ich meine Heimat nicht so sehr vermissen würde, ich würde glatt hier bleiben“, schwärmt Hülsbusch.

Bis Ende August wird er noch in Australien sein. Dann läuft das Visum ab, und er kehrt endgültig nach Deutschland zurück. Dann will er sich als Personal-Trainer selbstständig machen. „Für die Leute in und um Selm herum bin ich persönlich als Ansprechpartner da. Darüber hinaus will ich auf Online-Basis arbeiten“, sagt er. Er wolle Trainings- und Ernährungspläne schreiben und künftig auch online coachen.

Training auf dem heimischen Hof

Das eigene Training kommt bei Hülsbusch weder in Australien noch in Deutschland zu kurz. Jeden Morgen steht Hülsbusch zwischen 6 und 7 Uhr auf und geht trainieren.

„Jetzt geht es auf den Hof. Dort werde ich ein paar Strongman-Übungen machen“, sagt er. Dazu benötigt er die Hilfe seiner Schwester Katharina. Gemeinsam mit ihr bringt er einen alten Mitsubishi Colt, Baujahr 1993, auf den Vorplatz des Bauernhofs seiner Familie. Die Schwester übernimmt das Steuer. Benedikt Hülsbusch nimmt hinter dem Wagen Position ein. Der Motor bleibt aus, das Auto rollt dennoch. Allein mit seiner Körperkraft bewegt der Bodybuilder den rund eine Tonne schweren PKW. „Noch eine Runde. Jetzt geht es den Berg herauf“, sagt Hülsbusch und lacht.

Der Kraftakt macht ihm Spaß, fordert ihn aber auch. Die ersten Schweißperlen zeichnen sich auf der Stirn ab. Immer wieder motiviert er sich selbst, peitscht sich mit lauter Musik an. Rund zehnmal schiebt Hülsbusch das Auto über den Hof. Dann legt er eine Pause ein, nimmt einen großen Schluck aus der Wasserflasche. „Ich bin eher der experimentelle Typ. Ich trainiere und ernähre mich so, wie es mir am besten passt. Ganz wichtig ist, dass der Kopf dabei mitspielt. Diese Strongman-Aktivitäten nebenbei passen perfekt in meinen Plan“, so Hülsbusch.

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Bodybuilder Benedikt Hülsbusch

Benedict Hülsbusch möchte Mr. Universum werden. Erste Erfolge erzielte er bereits bei Meisterschaften.
14.05.2010
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Benedikt Hülsbusch erreichte bei den Deutschen Newcomer-Meisterschaften bei Frankfurt den Gesamtsieg.© Foto: privat
Benedikt Hülsbusch trainiert fünf Mal in der Woche im Fitnessstudio Pro Active.© Foto: Ruhfaut
Das Training ist für Benedikt Hülsbusch wie eine Sucht. "Aber eine positive", sagt er.© Foto: Ruhfaut
Benedikt Hülsbusch möchte mit seiner Disziplin Vorbild für Jugendliche auf der Straße sein.© Foto: Ruhfaut
Sein Vorbild ist Arnold Schwarzenegger: Benedikt Hülsbusch.© Foto: Ruhfaut
Benedikt Hülsbusch und sein Trainer Bruno Lexy sind stolz auf ihren Erfolg.© Foto: Ruhfaut
Trainer Bruno Lexy hat immer ein Auge auf seinen Schützling Benedikt Hülsbusch.© Foto: Ruhfaut
Benedikt Hülsbusch hat in dieser Saison gute Platzierungen bei den Wettkämpfen belegt.© Foto: Ruhfaut
Benedikt Hülsbusch erreichte bei den Deutschen Newcomer-Meisterschaften bei Frankfurt den Gesamtsieg.© Foto: privat
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Der Einsatz anaboler Steroide spielt in diesem Plan keine Rolle. „Das, was ich bisher erreicht habe, ist natürlich, also ohne den Einsatz von Hormonen möglich. Von solchen Mitteln halte ich überhaupt nichts, und ich habe auch nie welche genommen. Die großen Punkte, die viele Leute unterschätzen, sind der Ehrgeiz, die Disziplin und die richtige Mentalität. Auch ein gutes Umfeld und die richtige Ernährung spielen eine große Rolle beim Erfolg“, so der 23-Jährige.

Nach der Trinkpause geht es auf die großen Grünflächen. Dort hat Hülsbusch einen kleinen Fitness-Parcours aufgebaut. Mit dem Dips-Gerät trainiert er seine Schulter- und Trizepsmuskulatur. Anschließend geht es zu den meterlangen Holzbalken. Diese schleudert er quer über die Grünflächen. Sogar so lange, bis das Holz in zwei Teile zerbricht. „Ja, geschafft“, schreit Hülsbusch. Die Einheit endete so zwar frühzeitig, zufrieden ist Hülsbusch aber allemal.

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