Codewort "Leo" verhindert in Cappenberg Chance

Fragen und Antworten

Eigentlich sind bestimmte Signalwörter unter Fußballern mittlerweile fast ausgestorben. In Cappenberg verhinderte ein Ruf trotzdem eine gute Torchance. Ein Spieler soll den Ball für einen Mitspieler durchlassen und erhält ein Kommando. In bestimmten Szenen kann der Schiedsrichter das abpfeifen. Wann und warum erklären wir Ihnen hier.

CAPPENBERG

, 18.10.2017 / Lesedauer: 3 min
Codewort "Leo" verhindert in Cappenberg Chance

Schiedsrichter können das Spiel unterbrechen, wenn sie feststellen, dass gerufene Worte irritieren können.

Warum rufen Fußballer „Leo“?

Um sich besser abzustimmen, sprechen Spieler miteinander auf dem Fußballplatz, ordnen sich gegenseitig und korrigieren so das Stellungsspiel. Verbale Kurz-Kommandos sind nicht nur in dieser Sportart üblich. „Lass“ für „lass den Ball durch“ oder „Leo“ – das Wort lässt sich einfach gut rufen – sind Codewörter, die mannschaftsübergreifend bekannt sind. Torhüter rufen manchmal „meiner“ oder „hab ich“.

Warum sind manche Wörter verboten?

Pauschal verboten sind sie nicht, stellt Michael Liedtke, Vorsitzender des Verbands-Schiedsrichter-Ausschuss, klar: „Der Begriff oder jeglicher anderer Zuruf ist verboten, wenn er verwendet wird, um einen Gegenspieler zu täuschen“, erklärte Liedtke am Montag. Das Paradebeispiel: Ein Verteidiger weiß nicht, ob der Zuruf hinter ihm von einem Mitspieler oder einem gegnerischen Spieler erfolgt ist. Diese Irritation stelle dann eine Unsportlichkeit dar, müsse aber im Einzelfall betrachtet werden, so Liedtke.

Wie ist das Leo-Codewort entstanden?

Nachdem Schiedsrichter in den 1980er-Jahren das Wort „lass“ verstärkt abpfiffen, setzte sich „Leo“ durch. Geprägt und zur Verbreitung beigetragen hat offenbar der ehemalige finnische Torhüter Olli Isoaho. Er spielte 1982/83 für Arminia Bielefeld in der Bundesliga und rief immer „Leo“, wenn er aus dem Tor kam, um einen Ball abzufangen.

Was ist in Cappenberg passiert?

Cappenbergs Flügelflitzer Julius Becker hatte am Sonntag mit dem Leo-Kommando Marius Mantei aufgefordert, den Ball für ihn durchzulassen. Das unterband der Schiedsrichter mit einem Pfiff. Nach Regelstudie lag der Unparteiische für GSC-Trainer Patrick Osmolski mit seiner Entscheidung nicht korrekt, weil ein Gegenspieler zu weit entfernt war. „Er war zwei bis drei Meter entfernt“, sagte Osmolski. Zu diesem Zeitpunkt stand es aber schon 5:2 für Cappenberg. Spielendscheidend war das also nicht.

Wie ist die Meinung der Trainer?

Osmolski selbst findet die Regelauslegung sinnvoll, wenn ein Spieler irritiert wird und hat akzeptiert, dass Schiedsrichter die Rufe meist unterbinden. Jens Kalender, Südkirchens Spielertrainer, sieht es anders. „Ob das Kommando ‚Leo‘ heißt oder ‚Nils ist da‘ irritiert niemanden. Das Abpfeifen ist für mich nicht sinnvoll“, sagte er am Montag. Borks Co-Trainer Giuliano Buccini sagte: „Ich halte es für Blödsinn, da sonst jeglicher Ausruf abgepfiffen werden müsste.“

Was sagen die Schiedsrichter?

Thorsten Perschke, Chef der Schiedsrichter im Fußballkreis Unna-Hamm, verteidigte das Vorgehen gegen irritierende Kommandos. „Es gibt keine Regel, die besagt, dass die Wörter verboten sind. Es gibt eine Regel, die besagt, dass ein Schiedsrichter abpfeifen muss, wenn er unsportliches Verhalten erkennt“, sagte Perschke. Thema sei das eigentlich aber nicht mehr. „Das letzte Mal, dass ich es gehört habe, war vor 15 Jahren“, sagte er.

Was sagt ein Spieler mit dem Namen „Leo“ dazu?

Was aber, wenn ein Spieler „Leo“ heißt und ihn jemand ruft? Leon Hügemann, Spieler der Cappenberger, habe durch den Namen noch nie ein Problem gehabt, versicherte Patrick Osmolski.

Gibt es Fälle auch in anderen Sportarten?

In den Kontaktsportarten Handball ist das nicht bekannt. Im Basketball können Irritierungsversuche, dazu zählen auch laute Rufe, als Technisches Foul ausgelegt werden, sagte Nordkirchens Basketballcoach Frank Benting. Codewörter gebe es hier aber nicht.

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