Das sagen heimische Sportler zu den neuen Regeln

Reform im Handball

Bereits bei den Olympischen Spielen in Brasilien gelten die Regeländerungen des Handball-Weltverbandes IHF. Zur Saison 2016/2017 müssen sich auch die heimischen Handballer auf die neuen Regeln einstellen. Insgesamt gibt es fünf Änderungen. Wir stellen die neuen Regeln vor und haben die Aktiven nach ihrer Meinung gefragt.

KREISGEBIET

10.03.2016, 07:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neuen Handball-Regeln

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Das sagen heimische zu Handballer zu den neuen Regeln

Neue Regeln für die Handballer: Zunächst gelten die Änderungen für die Profis - bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Sommer. Zur Saison 2015/16 treten die neuen Regeln aber auch auf Amateur-Ebene in Kraft.
09.03.2016
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Ingo Nagel (r.), Trainer des Kreisligisten TV Werne: „Die Blaue Karte ist absoluter Quatsch. Da würde es auch ausreichen, wenn der Schiedsrichter dem Spieler nach dem Zeigen der Roten Karte einfach ,mit Bericht‘ sagt. Dann weiß er auch Bescheid, dass er gesperrt wird. Prinzipiell finde ich gut, dass es eine Regelung zum Passiven Spiel gibt. Diese sollte dann aber bitte klar formuliert sein. Maximal sechs Pässe ist mir persönlich einfach wieder zu ungenau. Entweder sind es sechs Pässe oder nicht.“© Foto: Helga Felgenträger
Nina Karau (Mitte), Kapitänin der Verbandsliga-Handballerinnen des VfL Brambauer: „Ich finde es gut, dass die Mannschaft, beziehungsweise der Trainer selbst, entscheiden kann, ob der siebte Feldspieler ein Leibchen tragen muss oder nicht. Gut ist, dass es beide Varianten gibt. Die alte Variante mit Leibchen finde ich aber viel spannender. Wenn der siebte Feldspieler kein Leibchen trägt, so muss dieser auf jeden Fall wechseln. Das macht das Ganze irgendwie unflexibel. Bei uns in der Liga habe ich das Spielen mit einem siebten Feldspieler bisher noch nicht gesehen. Wir machen so etwas auch nicht. Die Regel der letzten 30 Sekunden finde ich ein wenig schwammig. Ich denke einfach, dass taktische Fouls zum Handball dazu gehören. Und klar ist ja auch nicht immer, ob eine gute Tormöglichkeit entsteht oder nicht.“© Foto: Günther Goldstein
Michael Scholten, Trainer des Kreisligisten SuS Olfen und Handball-Abteilungsleiter: „Dass es jetzt eine Regel für den Torhüter in Sachen Kleidung gibt, finde ich gut. Der Torhüter ist eh anders gekleidet. Ihn erkennt man sofort. Ganz schlimm finde ich jedoch die Regelung mit dem verletzten Spieler. Da denke ich vor allem an die Mannschaften der unteren Ligen, die einen kleinen Kader haben. Wenn sie Pech haben, müssen sie so sogar in Unterzahl spielen. Ich finde, dass diese Regel in den unteren Ligen nicht umgesetzt werden sollte.“© Foto: Sebastian Reith
Markus Cortner (am Ball), Trainer der 1. Kreisklasse-Herren des PSV Bork: „Ich frage mich, in welcher Tasche der Schiedsrichter die Blaue Karte mit sich tragen soll. Schwierig finde ich auch für den Schiedsrichter genau zu zählen, wie viele Angriffe bei einem Passiven Spiel die angreifende Mannschaft gespielt hat. Bei uns ist teilweise nur ein Schiedsrichter auf dem Feld, der 60 Minuten lang das Spiel alleine pfeifen muss. Und dann soll er noch bei jedem Passiven Spiel den Überblick behalten und die Angriffe zählen? Da kann ich mir schon vorstellen, dass das zu Problemen führen wird.“© Foto: Archiv
Marcel Mai, Trainer der Landesliga-Handballerinnen des Lüner SV: „Die Regel mit dem verletzten Spieler finde ich nicht verkehrt. Es ist nun mal so, dass Spielerinnen öfter mal liegen bleiben, um sich auszuruhen. Die Regel mit dem Torwart als siebter Feldspieler ist mir relativ egal. Das haben wir noch nie ausprobiert. Komplizierter finde ich jedoch die Regel der letzten 30 Sekunde. Ich halte es für überzogen, wenn man nicht mal mehr einen Abwurf verhindern darf.“© Foto: Günther Goldstein
Markus Steinhoff, Vorsitzender der Handballer des TV Werne: „Die Regel der letzten 30 Sekunden macht das ganze Handballspiel einfach noch komplizierter. Ich denke, dass es situationsabhängig ist. Wenn eine Mannschaft mit drei oder vier Toren 30 Sekunden vor Schluss führt, dann braucht man diese Regel einfach nicht. Wenn ein Team aber 30 Sekunden vor Schluss nur mit einem Tor führt, dann kann dieses Team zu taktischen Mitteln greifen. Da ist diese Regelung schon sinnig, vor allem im Profibereich. Ich glaube aber, dass es zu Problemen in den unteren Klassen führt. Schiedsrichter, Spieler und Trainer müssen darauf achten, und das ist, glaube ich, einfach kompliziert umzusetzen.“© Foto: Archiv
Klaus Wabner (l.), stellvertretender Vorsitzender der Handballer des SuS Oberaden: „Ich finde, dass es einfach eine klare Regelung beim Passiven Spiel geben muss. Maximal sechs Pässe ist wieder zu ungenau. Bei der Blauen Karte hingegen ist es nichts anderes als bei der damaligen Regel des Kreuzens beider Arme des Schiedsrichters. Damit haben sie auch einen schriftlichen Bericht angekündigt. Insgesamt kann man sagen, dass ständig neue Regeln für Vereine, Spieler, Trainer und Schiedsrichter mehr Belastung bedeutet.“© Foto: Bernd Warnecke
Das sagt Schiedsrichter Alexander Rehagel (Lünen, l.): „Die Geschichte mit dem Leibchen ist einfach lästig. Letztendlich haben wir Schiedsrichter damit nichts zu tun, sondern das Kampfgericht. Mir ist es eigentlich egal, ob der siebte Feldspieler mit Leibchen aufläuft oder ohne. Aus Schiedsrichter-Sicht, finde ich die Regel mit dem verletzten Spieler gut. Denn einige Spieler simulieren nun mal. Aber das Problem haben wieder die Zeitnehmer am Kampfgericht. Die müssen die Anzahl der Angriffe nachhalten. Für die ist es eine zusätzliche Belastung.“© Foto: Archiv
Das sagt Schiedsrichter Alexander Rehagel zur Regelung des Passiven Spiels: „Die Regelung des Passiven Spiels finde ich sehr schwammig. Wo fangen sechs Pässe an, wo hören sie auf? Wir Schiedsrichter müssen aufpassen und mitzählen. Ich denke, dass wir schon genug belastet sind. Für uns ist es einfacher zu werten, wann druckvoll gespielt wird und wann nicht. Maximal sechs Pässe ist einfach wieder zu ungenau. Schiedsrichter können beispielsweise nach vier Pässen abpfeifen, müssen dann wieder mit Geschrei von außen rechnen. Das kann zu Unruhe führen.“© Foto: Archiv
Das sagt Schiedsrichter Alexander Rehagel zur 30-Sekunden-Regelung: „Die Regel der letzten 30 Sekunde begrüße ich. Ich wäre aber bei einer Minute geblieben und nicht bei 30 Sekunden. So wird es aus Schiedsrichter-Sicht wieder schwierig. Wann bekommt ein Spieler die Rote Karte? 31 Sekunden vor Abpfiff darf er eine Regelwidrigkeit begehen. 29 Sekunden vor Abpfiff nicht. Das ist für Schiedsrichter schlicht und ergreifend doof. Die Blaue Karte wiederum finde ich gut. Da erspare ich mir den Weg zum Kampfgericht.“© Foto: dpa
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Torwart als Feldspieler

Der Torwart kann weiterhin als siebter Feldspieler eingesetzt werden. Dieser muss nicht mehr zwingend – so wie es bisher der Fall war -  mit einem Leibchen gekennzeichnet sein. Trägt er kein Leibchen, darf jedoch kein Feldspieler den Torraum betreten. Der Torwart muss erst wieder für einen Feldspieler eingewechselt werden, damit der Torraum betreten werden darf.

Verletzter Spieler

Wenn ein verletzter Spieler medizinisch auf dem Spielfeld behandelt werden muss, muss er zunächst für drei Angriffe seiner Mannschaft das Spielfeld verlassen. Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz und endet, wenn ein Tor erzielt wurde oder die angreifende Mannschaft den Ball verliert. Falls der verletzte Spieler vor den drei Angriffen das Spielfeld wieder betreten sollte, wird das als Wechselfehler geahndet, der eine Zwei-Minuten-Strafe zur Folge hat. Bei einer Bestrafung des Gegenspielers des Gefoulten gilt die Regel nicht, ebenso bei einem Torwart, der nach einem Kopftreffer liegenbleibt.

Passives Spiel

Wenn Zeitspiel durch die Schiedsrichter gegen die angreifende Mannschaft angezeigt wird, so dürfen nur noch maximal sechs Pässe gespielt werden, um auf das Tor zu werfen. Wenn der angreifenden Mannschaft ein Freiwurf zugesprochen wurde, wird die Anzahl der Pässe nicht unterbrochen. Das Zählen der Pässe erfolgt durch den Schiedsrichter und ist eine Tatsachenfeststellung.

Letzte Minute

Der Wortlaut „letzte Spielminute” in den Regeln wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt. Begeht ein Abwehrspieler in den letzten 30 Sekunden eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung (beispielsweise beim Anwurf, Freiwurf oder Einwurf), erhält er nun eine rote Karte ohne Bericht. Neu ist, dass die andere Mannschaft automatisch einen Siebenmeter erhält. Die Siebenmeter-Regelung gilt allerdings nicht bei jedem Foulspiel in den letzten 30 Sekunden. Betroffen sind nur Fouls, die sowieso eine Rote Karte nach sich ziehen. Ansonsten dreht sich die Regel um Vergehen, bei denen der Ball nicht im Spiel ist.

Blaue Karte

Ab dem 1. Juli 2016 tragen die Schiedsrichter neben der Gelben und Roten Karte jetzt auch eine Blaue Karte mit sich. Damit können sie bei einer Disqualifikation eines Spielers direkt für Klarheit sorgen. Wenn die Schiedsrichter - nach dem Zeigen der Roten Karte - auch noch die Blaue Karte zeigen, wird ein schriftlicher Bericht in den Spielbericht aufgenommen und die Disziplinarkommission ist für weitere Maßnahmen verantwortlich.

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