Die Geschichte hinter dem legendären 1:0-Heimsieg im Kreispokalfinale gegen den SV Herbern kennt in Olfen jeder: Siegtorschütze Tobias Bobrow kam nicht aus taktischen Gründen von der Bank.

Olfen

, 02.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Obenherum vollkommen nackt stand der Joker nach seinem 1:0-Treffer in der 89. Spielminute schreiend vor seinem Trainer: „Ich habe es dir gesagt“, schrie Tobias „Bobby“ Bobrow damals. „Ich habe dir gesagt, ich mach das Tor.“ Der damalige Coach Wolfgang Rödiger sei laut Bobrow so angespannt und fokussiert gewesen, dass er „durch mich durchgeguckt hat“.

Rödiger erinnert sich dennoch gut an den Moment: „Der ist direkt auf mich zugerannt, hat sich das Trikot vom Leib gerissen und mich angebrüllt.“ Auch die A-Junioren seien sofort auf den Platz gestürmt und haben gefeiert. Am Ende blieb es beim 1:0 und Bobrow wurde zum gefeierten Held des Abends. Dabei war der Mittelstürmer, der erst in der 72. Spielminute eingewechselt wurde, kurz vor dem Finale alles andere als positiv in Erscheinung getreten. Der Vorstand des SuS Olfen habe ihn laut Bobrow damals überhaupt nicht antreten lassen wollen. „Es hieß erst, ich solle gar nicht spielen“, sagt Bobrow.

Tobias Bobrow: Eigentlich Stammspieler

Das Kreisliga-A-Spiel gegen die Zweitvertretung des SV Herbern hatte Bobrow 2010 ohne Fremdeinwirkung verpasst: „Ich habe besoffen verschlafen und wurde als Strafmaßnahme degradiert“, sagt Bobrow und fügt hinzu: „Ich musste mich eine Woche vor dem Finale noch vor versammelter Mannschaft entschuldigen, der Vorstand war sauer.“

Eigentlich habe Trainer Rödiger, der heute die U19 trainiert, die Spieler „immer an der langen Leine gelassen, aber wenn einer nicht pariert hat, dann hat der halt einen Einlauf gekriegt“, sagt der damalige Kapitän Christian Brüse über den Fauxpas des Torschützen. „War auch damals richtig bei der Truppe so“, sagt Brüse weiter. Im Finale durfte der spätere Siegtorschütze also zunächst nur von der Bank aus zusehen.

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„Das sollte halt nachträglich so ein bisschen die Strafe sein, so war Wolle halt - der hat das immer so gemacht“, sagt Brüse. Bobrow, der laut eigener Angabe nicht bekannt für Kondition und Laufstärke war, kam die Strafe entgegen. „Da muss ich die Mannschaft loben“, sagt Bobrow. „Die haben richtig geil gekämpft, hatten die besseren Chancen und wir haben am Ende verdient gewonnen.“

Der richtige Zeitpunkt für den Torschützen

In der Schlussphase wurde Bobrow langsam nervös, konnte nicht mehr sitzen. „Das Spiel lief gerade genau für mich: Der Gegner war platt, Olfen hatte die besseren Chancen, machte das Spiel“, erinnert sich Bobrow. Also ging er auf seinen Trainer zu und sagte: „Wolle! Ich laufe mich jetzt warm und mache gleich das 1:0.“

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SuS Olfen wird vor zehn Jahren Kreispokalsieger

Tobias Bobrow schießt den SuS Olfen 2010 zum Titel.
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© Foto: Theo Wolters
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Wolfgang "Kirsche" Kirschtein war wie immer in Olfen der Stadionsprecher.© Foto: Malte Woesmann
Kreispokalfinale SuS Olfen - SV Herbern© Foto: Malte Woesmann
Jubel beim SuS Olfen nach dem Kreispokalsieg.© Foto: Malte Woesmann
Jubel beim SuS Olfen nach dem Kreispokalsieg.© Foto: Malte Woesmann
Die Fans können es kaum fassen, der SuS hat gewonnen.© Foto: Malte Woesmann
Jubel beim SuS Olfen nach dem Kreispokalsieg.© Foto: Malte Woesmann
Jubel beim SuS Olfen nach dem Kreispokalsieg.© Foto: Malte Woesmann
Danny Achtenberg und Trainer Wolfgang Rödiger.© Foto: Malte Woesmann
Das 1:0.© Foto: Malte Woesmann
Jubel nach dem 1:0.© Foto: Malte Woesmann
Justus Radke trinkt das Bier direkt vom Fass.© Foto: Malte Woesmann
Tobias Bobrow lässt sich nach seinem 1:0 feiern.© Foto: Malte Woesmann

Rödiger sei absolut im Fokus gewesen, habe noch abgewartet. „Er hat auf sich aufmerksam gemacht“, erinnert sich Rödiger und ergänzt: „Er war normalerweise Stammspieler, aber das musste Konsequenzen haben.“ In Minute 72 war es dann endlich soweit. Bobrow: „Er lächelte mich an und meinte: Ja komm!“ Eine Einwechslung, die der Trainer nicht bereuen sollte.

Eine gute Viertelstunde später leitete ein langer Ball aus der Defensive über die rechte Seite Olfens Angriff ein. Bobrow bekam den Ball von Christian Koslowski durchgesteckt, bei der Annahme sei der Ball allerdings etwas versprungen. „Mein Gegner im Rücken hat sich dann von mir gelöst und wollte den Ball wegspitzeln - ich kam mit meiner Fußspitze aber noch einen Moment vor ihm an den Ball“, sagt Bobrow. So spielte er stattdessen einen schnellen Doppelpass mit Andre Pohlmann.

Dramatik pur vor dem 1:0 für den SuS Olfen

„Der Gegner war dann in der Vorwärtsbewegung und ich war weg“, sagte Bobrow. Knapp 25 Meter lagen noch zwischen ihm und der Torlinie. Im Duell mit dem gegnerischen Keeper Sebastian Adamek legte Bobrow das Spielgerät rechts an ihm vorbei, er selbst wich nach links aus. „Ich sah dann, dass der Ball wohl knapp am rechten Pfosten vorbeigehen wird, und bin dann diagonal nach rechts gespurtet, um den Ball im allerletzten Moment noch über die Linie zu schieben.“

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Einen großen Bogen habe er dabei laufen müssen. „Einen Schritt später und ich hätte ihn nicht mehr gekriegt.“ Herbern verpasste das Double, der SuS Olfen schaffte im dritten Anlauf die große Überraschung gegen den Bezirksliga-Meister und haushohen Favoriten. „Wir haben uns damals ganz anders vorbereitet“, sagt Rödiger. „Das war der Tag vor Himmelfahrt, wir haben uns zum Spazieren getroffen, Kaffee getrunken und lockere Gespräche geführt.“

Mallorca-Revival-Reise geplant

Zum zehnjährigen Jubiläum haben die Olfener vor, wie bereits nach dem gewonnenen Pokalspiel zusammen nach Mallorca zu fliegen. „17 Leute haben zugesagt, auch Wolle und Co-Trainer Uwe Kösters kommen mit“, sagt Bobrow. „Wir hoffen, dass wir fliegen können.“ Ob die Reise in der Zeit der Corona-Krise für August wie geplant umsetzbar ist, steht noch nicht fest. „Wenn es möglich ist, wäre es schön. Fast alle kommen mit - das ist beeindruckend“, sagt Rödiger.

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