Ein langer Weg in kleinen Schritten

Fußball: Kreisliga A

Tom Zentgraf hatte Schmerzen im Knie. Als ihm der Arzt sagte, dass er zwölf Monate kein Fußball spielen könne, fiel Cappenbergs Offensivmann „die Kinnlade runter“. Seitdem geht er einen langen Weg – in ganz kleinen Schritten.

Cappenberg

von Marc-André Landsiedel

, 10.01.2018, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Stop-Bewegung wurde Tom Zentgraf (r.) zum Verhängnis. Sein Weg zurück auf den Platz ist lang.

Eine Stop-Bewegung wurde Tom Zentgraf (r.) zum Verhängnis. Sein Weg zurück auf den Platz ist lang. © Malte Woesmann

Zuerst war da der Peitschenhieb. Es ist der 6. August 2017, in der Saisonvorbereitung gastiert GS Cappenberg zum Freundschaftsspiel beim Reserve-Team von Eintracht Dortmund. Cappenbergs Stürmer Tom Zentgraf (23) macht eine Stop-Bewegung – und verspürt einen „höllischen Schmerz“. Zur Halbzeit wird er ausgewechselt.

Knorpelschaden vierten Grades

Zunächst vermutet Zentgraf eine Bänderdehnung. Nach kurzer Zeit spielt er wieder. Meistens schmerzfrei, manchmal nicht. Also sucht er einen Arzt auf, der ihn zu einem Spezialisten nach Dinslaken schickt. Diagnose: Knorpelschaden vierten Grades – die schlimmste Stufe. „Auf der Skala habe ich es ganz nach oben geschafft“, sagt Zentgraf mit Sarkasmus in der Stimme. Heißt im Klartext: Der Knorpel ist nicht nur beschädigt, nein – ein komplettes Stück ist herausgerissen, der Knochen liegt frei und wird nicht mehr geschützt.

Nun hat Tom Zentgraf die Wahl: Entweder es werden Bohrungen im Knie durchgeführt, die ein Narbengewebe entstehen lassen, das als eine Art Knorpelersatz dient, sich aber mit der Zeit wieder abnutzt. Oder er lässt sich Knorpelgewebe entnehmen, das im Reagenzglas nachgezüchtet und ihm wieder implantiert wird. Der junge Mann entscheidet sich auf Anraten des Arztes für die zweite Methode – die langfristig vernünftige Lösung, deren Heilungsprozess zwölf Monate umfasst. Mit etwas Glück nur neun.

Mentale Blockade

Also lässt sich Zentgraf am 13. Oktober bei einer Kniespiegelung Knorpel entnehmen. Es folgt eine siebenwöchige „Zuchtpause“ – aber keine Fußballpause. Nach nur zweieinhalb Wochen steht er wieder auf dem Platz, ohne große Beschwerden. Nur das Laufen fühlt sich komisch an. „Der Arzt sagte, ich könne sogar nach einer Woche wieder spielen – wenn da nicht die mentale Blockade wäre“, so Zentgraf. Die Sorge spielt von nun an mit, trotzdem bringt es Zentgraf in der Hinrunde auf zwei Tore in zehn Spielen.

Am 1. Dezember schließlich wird ihm der Knorpel in einer zweiten OP wieder eingesetzt, am 5. Dezember verlässt er das Krankenhaus. Seitdem ist Ruhe das oberste Gebot. Zwölf Monate lang. Zentgraf hofft, Anfang 2019 wieder angreifen zu können. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, den Zentgraf in kleinen Schritten meistern muss. Am Samstag darf er seine Krücken „endlich in die Ecke schmeißen“ und sich wieder frei bewegen. Auch kann er das Bein schon wieder um 90 Grad knicken, in einer Woche will er mit leichtem Lauftraining starten. Das hat seine Muskulatur auch nötig. „Mein Oberschenkel ist mittlerweile so dünn wie ein Hot-Dog-Würstchen“, witzelt Zentgraf, der versucht, das Positive aus seiner Situation zu ziehen. Der angehende Wirtschatfs-ingenieur schreibt ab Februar an seiner Bachelor-Arbeit, „da tut ein bisschen Ruhe mit Sicherheit gut.“

Harte Rückkehr

Hart sei es allerdings gewesen, als er das erste Mal wieder zum Platz gefahren sei, um seinen Kollegen zuzugucken. „Da denkt man schon: ‚Wie sollst du das nur zwölf Monate aushalten?‘“ Und auch GS Cappenberg trifft der Verlust hart. „Das ist ein schwerer Ausfall für uns. Und für Tom persönlich tut es mir sehr leid“, sagt GSC-Coach Patrick Osmolski.

Doch Zentgraf weiß: „An der Situation kann ich nichts ändern.“ Also geht er den Weg seiner kleinen Schritte weiter. Im März folgt der nächste wichtige: Dann soll eine MRT-Untersuchung Aufschluss über den Heilungsprozess bringen.

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