Fritsch und Pieper: Sie wollen nur spielen

Interview mit den BVB-Talenten

Als Kinder haben sie für den FC Nordkirchen und den PSV Bork zwischen Ruhrgebiet und Münsterland gespielt. Mittlerweile laufen Patrick Fritsch und Amos Pieper für den größtmöglichen Verein in der Region auf: Borussia Dortmund. Beide dürfen sich Deutscher U19-Meister nennen, beide sind in ihrer Heimat verwurzelt und beide haben nur einen Traum: Profi werden.

SELM

, 07.07.2016, 06:13 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf den langweiligen Busfahrten? Typ Handy oder Typ Taschenbuch?

Fritsch: Ich bin eher der Typ Musik aufs Ohr. Vor dem Spiel höre ich gerne mal Hip-Hop und Rap, damit ich ein wenig gepushed werde.Pieper: Ich bin auch eher der Typ Handy. Leider! Aber es kommt auch vor, dass die Kollegen hinten im Bus Karten kloppen. Solange es nicht unmittelbar vor dem Spiel ist, höre ich auch gerne Musik.

Zur vielleicht schönsten Auswärtsfahrt der Saison: Das U19-Finale gegen Hoffenheim war für den BVB bedeutsam. Beim letzten U19-Titel waren Sie, Herr Fritsch, 1998 noch nicht geboren. Wie haben Sie die Bedeutung erlebt?

Fritsch: Wir haben schon die ganze Zeit gemerkt, dass es kein normaler Titel wäre, weil es eben schon so lange her ist, dass Dortmund den Titel geholt hat. Es war sehr viel Anspannung und Erwartungsdruck dabei, auch weil wir mit der U17 zweimal Meister waren. Wir waren natürlich alle erleichtert.Pieper: Ich habe erst kurz vor dem Finale erfahren, dass der letzte Titel schon 18 Jahre her ist. Aber wir wussten, dass es möglich ist, diese Durststrecke zu beenden.

Sie sind kurz nach dem größten Erfolg der Dortmunder Vereinsgeschichte, dem Champions-League-Titel 1997, geboren. Seitdem ging es für den BVB einmal ganz nach unten und wieder ganz rauf. Ist das typisch für den Fußball?

Fritsch: Es ist typisch Sport, nicht unbedingt typisch für den Fußball. In jeder Sportart geht es auf und ab und jetzt gerade ist der BVB wieder fast ganz oben. Dass man momentan an Bayern nicht rankommt, ist kein Geheimnis.

Wie haben Sie die Zeit nach dem Finale genutzt?

Pieper: Wir waren erst mit der ganzen Mannschaft auf Mallorca, danach war ich zu Hause, habe viel unternommen, auch mit meiner Freundin. Manchmal bin ich ins Freibad gefahren oder habe mich abends mit Freunden getroffen. Dinge, die ich während der Saison nicht machen kann. Aber auch die mentale Erholung ist wichtig nach einer langen Saison, nicht nur die körperliche. Im Urlaub auf Ibiza ging es dann aber schon wieder los mit Training.Fritsch: Ich habe gar nicht pausiert, sondern habe durchtrainiert. Nach dem Finale war ich auch nicht mit auf Mallorca. Ich war vergangene Woche drei Tage in Berlin, das hat auch gereicht.

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Können Sie viele Spiele als Zuschauer verfolgen?

Pieper: Wir kriegen immer wieder mal Tickets, aber wenn wir selber gerade spielen und direkt nach dem Spiel ins Stadion könnten, fahre ich manchmal lieber entspannt nach Hause. Erholung geht vor. Ich habe sieben oder acht Spiele gesehen, man pickt sich die brisanteren heraus.Fritsch: Ich war gar nicht oft in dieser Saison im Stadion, vielleicht drei Mal.

Was wollten Sie werden, als Fußballer noch nicht zur Debatte stand?

Pieper: Ich kann jetzt kein genaues Alter benennen, aber seit ich denken kann, wollte ich Fußball spielen. Ab vier Jahren durfte man zu den Minikickern - und die Jungs ganz oben fand man natürlich schon immer cool. Irgendwann kam der Gedanke, dass man vielleicht Talent mitbringt und es mit viel Arbeit schaffen kann.Fritsch: Es fing ja schon im Kindergarten an: Wenn da etwas Rundes rumlag… Mein Vater war in Bork Trainer bei den Minis. Ich wollte das schon immer machen.

Jupp Heynckes hat einmal gesagt: Wenn die jungen Menschen nicht lernen, ihr Leben zu organisieren, dann verzetteln sie sich. Hat er Recht?

Fritsch: Ja, wenn man nicht früh genug weiß, was man machen will, muss man eine Entscheidung treffen, die man gar nicht treffen will. Dann läuft es auf etwas hinaus, was einem nicht so viel Spaß macht. Wenn man sich früh genug entscheidet, kann man alles dafür tun, den Weg einzuschlagen.

Wie sieht der Plan B aus?

Fritsch: Ich habe seit Jahren nichts anderes gemacht als Fußball. Praktika in der Schule konnte ich oft nicht komplett machen, weil Spiele oder Training waren. Ich habe dadurch nicht so viele Eindrücke gewonnen. Nach der Schule würde ich ein Studium anstreben, zum Beispiel BWL.Pieper: Ich hatte bereits eine Ausbildung als Versicherungskaufmann angefangen. Mein Abitur habe ich letztes Jahr gemacht. Das war mir wichtig und meinen Eltern auch. Im Anschluss habe ich eine Ausbildung als Versicherungskaufmann begonnen. Dort durfte ich eher gehen, um zum Training zu kommen, und wurde auch oft freigestellt, habe dann aber gemerkt, dass Leistungssport und Ausbildung trotzdem schwer zu kombinieren sind.

Entscheidung für den Fußball

Kürzlich habe ich daher die Ausbildung abgebrochen. Der einzige Grund war der Zeitfaktor, Spaß gemacht hat mir die Arbeit. Es war eine Entscheidung für den Fußball. Mit Unterstützung des BVB werde ich nun noch mehr und gezielter trainieren und auch besser regenerieren können. Indem ich den Fokus auf nur eine Sache lege, erhöhe ich die Chance, tatsächlich Profi zu werden. Das ist mein absolutes Ziel. Klappt das am Ende nicht, bin ich immer noch jung genug für eine Ausbildung oder ein Studium.

Herr Fritsch, hat der Kreuzbandriss Ihre Pläne beeinflusst?

Fritsch: Ja, sehr. Ich wollte eigentlich mein Fachabi nächstes Jahr machen. Durch den Kreuzbandriss wurde ich bis zum Sommer beurlaubt. Nachdem ich aus Chile wiederkam, musste ich viele Arbeiten nachschreiben, was auch nicht so gut geklappt hat. Im Sommer müsste ich noch zwei Jahre zur Schule gehen. Die Frage ist, ob ich das mache oder wie Amos den Fokus auf Fußball lege.

Bei wie viel Prozent sind Sie derzeit?

Fritsch: Bei 80, würde ich sagen. An die 100 Prozent kommt man erst wieder, wenn man mit der Mannschaft trainiert und spielt. Derzeit mache ich Einzeltraining mit einem Fitnesscoach.

Blicken wir fünf Jahre nach vorn: Wo wollen Sie stehen?

Pieper: Mein Wunsch ist natürlich, Profi beim BVB zu werden. Den hat jeder in unserem Jahrgang. Natürlich muss man das realistisch sehen. Es kann klappen, muss es aber nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, ganz auf den Fußball zu verzichten oder auf tiefem Amateur-Niveau zu spielen. Wir sollen durch die ideale Ausbildung beim BVB den besten Fußballer aus uns machen, den wir nur aus uns machen können.

Ein Verteidiger-Duo Pieper/Fritsch würde uns freuen!

Pieper: Die Karten werden aber wieder neu gemischt. Es kommen viele von der U17 hoch, die auch im B-Junioren-Finale waren.

Sie spielen kommende Saison auch in der Uefa Youth League, der Champions League der U19 - wen wünschen Sie sich?

Pieper: FC Barcelona, Real Madrid und viele englische Vereine zählen in Europa und der ganzen Welt auch in der Jugend zu den besten Mannschaften. Sich mal mit denen messen zu können, ist für jeden ein Traum. Auch in Kroatien und Portugal gibt es viele gute Jugendakademien. Ich freue mich riesig auf die Crème de la Crème.Fritsch: Ich würde auf jeden Fall gerne englische Mannschaften in der Liga haben. Leicester wäre schön, einen spanischen Verein und eine italienische Mannschaft wie Juve.

Herr Fritsch, Sie haben einen Vorgeschmack auf den Hype im Profifußball erlebt, als Sie für die Europa League nominiert worden Sind. Nervt das schon?

Fritsch: Wenn man jetzt schon sagt, dass es nervt, ist man fehl am Platze. Ich habe mich gefreut, dass ich dabei sein durfte. Vom Drumherum habe ich nicht viel wahrgenommen.

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