GS Cappenberg II ist neuer Tabellenführer - Ex-Werner sind in Cappenberg gern gesehen

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Viele Ex-Werner spielen mittlerweile bei GS Cappenberg II - kein Problem für den Präsidenten. Denn Werner Spieler hat es in Cappenberg immer schon gegeben. Reicht es sogar für den Aufstieg?

Cappenberg

, 14.10.2019, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Spitzenreiter! Die Fußballer von GS Cappenberg haben den Patzer von Ex-Tabellenführer Billmerich genutzt. Der B-Ligist setzte sich dank eines lockerleichten 9:0-Kantersieges gegen Kaiserau III an die Tabellenspitze. Und will da eigentlich nicht mehr weg.

Grün-Schwarz Cappenberg II ist schon ein kleines Phänomen. Und der Aufstieg in die gleiche Spielklasse wie die erste Mannschaft ist offenbar nicht unrealistisch. „Wenn es so weitergeht, kann es passieren“, sagte Philipp Wiesmann, Sportlicher Leiter der Cappenberger am Montag nach dem Sprung auf den Thron. Damit steht GSC vor dem Derby am Sonntag beim PSV Bork (13 Uhr, Waltroper Straße, Bork) sieben Punkte vor dem Konkurrenten - wer hätte das vor Jahren noch gedacht? „Ich habe mich sehr gefreut“, sagte Präsident Thorsten Garben und ließ der Mannschaft ausrichten, dass das Präsidium zwei Kisten Bier sponsert.

GS Cappenberg II hat den Abgang eines Leistungsträgers verkraftet

„Ich habe die Liga stärker eingeschätzt“, sagt Wiesmann. Dass Cappenberg II den Abgang von Spielern wie Top-Torjäger Daniel Piotrowski (29 Saisontreffer) verkraftet, war Voraussetzung für 22 Zähler, die GSC II nach dem ersten Saisondrittel auf dem Konto hat. Für Wiesmann ist der Aufstieg ein Thema, wenn die Mannschaft diszipliniert bleibt. „Die Mannschaft ist gut. Es scheitert, wenn überhaupt, nur an der Einstellung“, sagte er.

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Dem pflichtet Torjäger Nils Bußkamp bei. Der 24-Jährige, der vor der Saison aus Herbern gemeinsam mit seinem Bruder Lars (23) nach Cappenberg zurückgekehrt ist, traf Sonntag drei Mal gegen Kaiserau - seine Saisontreffer neun bis zwölf. Anschließend traf er noch zwei Mal für die erste Mannschaft ins Schwarze. Nils Bußkamp sagt, dass Pleiten wie die 4:5-Niederlage gegen RW Unna vermeidbar gewesen sei. „Wir sind dahin gefahren und dachten: Die schießen wir ab. Der Schuss ist dann nach hinten losgegangen.“

GS Cappenberg II ist neuer Tabellenführer - Ex-Werner sind in Cappenberg gern gesehen

© GS Cappenberg

Den Kern bilden Spieler aus Werne

Die Mannschaft hat ihr Gesicht im Sommer noch einmal verändert. Mittlerweile bilden den Kern der „GSC-Amateure“, wie sie sich als zweite Mannschaft selbstironisch in sozialen Netzwerken betiteln, viele gebürtige Werner, die in den Mannschaften des Werner SC kein Fußball mehr spielen wollten und nun beim Nachbarn Cappenberg gestrandet sind.

Die neue sportlicher Heimat vieler Spieler ist nun der Cappenberger GSC-Sportpark am Kohuesholz. Fast jeder der 17 Spieler im Kader beim 9:0-Sieg gegen Schlusslicht Kaiserau hat eine WSC-Vergangenheit und spielte schon in zurückliegenden Jahren zusammen - gleichzeitig kann man es auch nicht unkritisch sehen, dass echte Cappenberger im Team derzeit rar sind. Einen Verein im Verein - das wollen die Verantwortlichen keinesfalls.

In Cappenberg war die Werner Fraktion schon immer groß

Aber Thorsten Garber merkte an, dass Cappenberg schon immer auf Spieler gesetzt hat, die nicht aus dem Dorf kommen. „Wir brauchen die. Und das ist auch nichts Neues. Bei uns kam immer ein Drittel der Spieler aus Cappenberg, ein Drittel aus Lünen und das letzte Drittel aus Selm, Bork und Cappenberg“, sagte Garber, „traditionell ist die Werner Fraktion immer groß gewesen.“ Das sei schon so gewesen, als Garber selbst noch kickte.

GS Cappenberg II ist neuer Tabellenführer - Ex-Werner sind in Cappenberg gern gesehen

Nils Bußkamp spielte Sonntag auch für die erste Mannschaft. © Patrick Fleckmann

„Im Fußball zählen Netzwerke und Freundschaften. Das kann man kritisch sehen. Denn geht einer, gehen alle. Aber sollen wir sagen, dass wir fünf Werner Spieler nicht nehmen?“, fragte Garber, gab aber mit einem Augenzwinkern zu: „An Sim-Jü ist das fast schon ein Wettbewerbsnachteil.“

Mannschaft identifiziert sich mit dem Verein

Eine sich separierende Gruppe scheint GSC II auch nicht zu sein. Mit dem Verein können sich die Spieler augenscheinlich identifizieren. Nils Bußkamp küsste am Sonntag auf einem Foto das Vereinswappen seines Oberteils. „Liebe in Grün-Schwarz“ stand dahinter - verbunden mit zwei Herzen in ebendiesen Vereinsfarben.

Auf dem Instagram-Kanal der Mannschaft, der mittlerweile 900 Follower hat, necken sich die Admins manchmal gegenseitig, geben Einblicke in die Welt der Kreisligafußballer und erreichen damit eine junge Zielgruppe potenzieller Neuzugänge, die der Klub mit herkömmlichen Methoden wohl nie erreichen würde. Man sieht Bußkamp im GSC-Trainingsanzug, wie er seinem Kind etwas vorliest, wie er ein gekochtes Ei mit Maggi-Würze isst oder sein verdientes Hattrick-Weizenbier trinkt.

Markus Schnatmann erhält Lob von allen Seiten

Für die Vereinsführung steht derzeit der sportliche Erfolg im Vordergrund. Und der lässt sich sehen. „Markus hat wirklich tolle Arbeit geleistet in den letzten Jahren“, sagt Sportchef Philipp Wiesmann über Markus Schnatmann. Was im Aufstiegsfall passiert, sei noch nicht besprochen. So weit ist es ja auch noch nicht.

Jetzt muss GS Cappenberg erstmal gegen den PSV Bork ran und ist tabellarisch Favorit. Danach kommt dann schon Verfolger Billmerich - ausgerechnet am Sim-Jü-Wochenende, wenn die Kirmes die Stadt Werne zum Volksfest verwandelt. „Nach einem Bierzelt-Samstag müssen wir uns da durchkämpfen“, sagte Nils Bußkamp.

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