Handballprofi Max Höning sitzt in der Schweiz die Corona-Krise aus

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Handballprofi Max Höning verdient sein Geld seit drei Jahren beim Schweizer Erstligisten St. Gallen. Wie er die Corona-Krise erlebt und wie seine Zukunftspläne aussehen.

Olfen

, 17.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es sah nach einer richtig guten Saison aus für den Olfener Handballprofi Max Höning in der Schweizer Nationalliga A. Der 26-Jährige, der Deutschland 2017 verlassen hat und beim TSV St. Otmar St. Gallen seine mittlerweile dritte Saison spielt, würde momentan in den Playoffs um die Meisterschaft und internationale Startplätze mit seiner Mannschaft spielen.

„Es ging eigentlich gerade erst richtig los“, sagte Höning am Telefon. 25 Spiele hatte der TSV St. Otmar St. Gallen absolviert. Nur noch wenige Spiele hätte der Tabellenvierte bestreiten müssen, bevor die Playoffs beginnen und die Jagd auf Serienmeister und Tabellenführer Schaffhausen eröffnet ist. „Wir hätten als Vierter zunächst Heimrecht gehabt“, sagt Höning.

Das fünfte und womöglich entscheidende Spiel um das Weiterkommen gegen den Tabellennachbarn (5.) in den Playoffs hätte Höning also vor heimischem Publikum bestritten. „Das ist ein großer Vorteil im Handball.“ Und wenn St. Gallen erst einmal im Halbfinale steht, winkt auch das internationale Geschäft: Champions-League-Plätze, Tickets für den EHF-Cup und den Challenge-Cup.

Schweizer Handballverband bricht die Saison ab

Es kam alles ganz anders. Der Schweizer Handballverband hat die Saison abgebrochen und angekündigt, sie nicht zu werten. Auch das Pokalfinale ist abgesagt. Es gibt keine Meister, keine Cupsieger und auch keine Auf- oder Absteiger. Wie es weitergeht, ist unklar.

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Max Höning hat sich entschieden, während der Corona-Krise in der Schweiz zu bleiben. Er besitzt eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Arbeitserlaubnis. „Ich wusste ja nicht, ob die Grenze schließt oder nicht. Ich habe einen deutschen Pass und würde vermutlich ohne Probleme nach Deutschland einreisen können. Aber ich wusste nicht, ob ich zurückkomme“, sagte er. Und Höning wollte vorbereitete sein, wenn die Saison doch noch einmal fortgesetzt werden sollte.

Coronavirus breitete sich in der Schweiz aus

Ein Heimatbesuch in Olfen ist vorerst nicht geplant. Außerdem sei ihm das Risiko zu groß, sich anzustecken oder unwissend Überträger zu werden. Die Alpenrepublik meldete im Februar und März nach Italien, wo das Virus sich schnell ausbreitete, und Österreich als dritter europäischer Staat stark steigende Infektionszahlen. In der Schweiz gab es auch eher bestätigte Fälle als in der Bundesrepublik.

63 Tore warf Max Höning in der abgebrochenen Saison für seinen schweizer Arbeitgeber.

63 Tore warf Max Höning in der abgebrochenen Saison für seinen schweizer Arbeitgeber. © Stefan Risi/TSV St. Otmar St. Gallen

Darauf reagierte der Schweizer Bundesrat mit Einschränkungen, allerdings nicht so streng wie in Deutschland. Versammlungen mit mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum sind verboten, in Deutschland liegt die Zahl bei zwei Personen. Gegenüber anderen Personen ist ein Abstand von mindestens zwei Metern einzuhalten. Es gab Einreisebeschränkungen und Ladenschließungen bis auf Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Das Hochfahren des öffentlichen Lebens ist wie in Deutschland auch bereits wieder Thema, weil die Zahl der Neuinfektionen abnimmt.

Mannschaftstraining per Videoübertragung

„Wir können uns draußen bewegen und ich habe den Eindruck, dass die Menschen in der Schweiz sich an die Maßnahmen gehalten haben“, sagt Höning. Zudem werde viel getestet, was statistisch zu einer hohen Pro-Kopf-Zahl an Infizierten führe.

Max Höning, hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2016, verfolgt ein Handballspiel in der Olfener Halle. Sein Bruder Benedikt spielt beim SuS.

Max Höning, hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2016, verfolgt ein Handballspiel in der Olfener Halle. Sein Bruder Benedikt spielt beim SuS. © Weitzel

Die vergangenen vier Wochen hat er trotzdem sinnvoll genutzt. Als der TSV St. Otmar das Mannschaftstraining einstellte, standen weiter zwei Einheiten auf dem Programm. Regelmäßig läuft und wandert Max Höning, der die Natur und die Berge mag. In seiner Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung nutzt er auch Sportgeräte. „Es geht um Grundlagen, Kraft und Bewegung“, sagt er. Eine Trainingseinheit absolviert die Mannschaft täglich sogar zusammen - per Webcam sind alle Handballer mit dem Athletiktrainer verbunden.

Max Höning hatte über Wochen keinen Ball mehr in der Hand

„Ich bin sicher, dass wir wieder schnell im Rhythmus sind. Aber einen Handball hatte ich in den letzten zwei bis drei Wochen nicht in der Hand. Das geht mit dem Harz nicht“, scherzt der Linkshänder. Viel Zeit verbrachte Höning auch mit seinem Studium. Er studiert an einer Fernuniversität Sportmanagement, schrieb sogar eine Klausur während der Corona-Pause, bei der er per Kamera kontrolliert wurde.

Rückraumschütze Max Höning ist in St. Gallen angekommen.

Rückraumschütze Max Höning ist in St. Gallen angekommen. © Stefan Risi/TSV St. Otmar St. Gallen

In der Schweiz ist Max Höning angekommen. 2017 verließ er den TBV Lemgo, bei dem er nur Reservist war, sehr kurzfristig. Eine Leihe zum ASV Hamm-Westfalen war gerade ausgelaufen, Höning sollte eigentlich nach Lemgo, wo er noch ein Jahr Vertrag hatte, zurückkehren. Doch es war absehbar, dass die Spielanteile des zwei Meter großen Rückraumspielers überschaubar waren. Dann kam über seinen Berater das Interesse aus St. Gallen.

Das Ausland reizt Max Höning

„Ich wollte schon immer mal etwas ausprobieren. Das Ausland reizt mich. Den Lebensstandard in der Schweiz weiß ich zu schätzen“, sagt er. Dabei ist die Schweiz nicht unbedingt als große Handballnation bekannt. Höning vergleicht die Nationalliga A mit der 2. Bundesliga in Deutschland. Der Zuschauerschnitt bei Heimspielen in St. Gallen ist knapp vierstellig. „Sport hat in der Schweiz nicht so einen hohen Stellenwert wie in Deutschland“, sagt Höning.

Aber: „Die Nationalmannschaft hat eine relativ gute EM gespielt“, erklärt Höning. Erstmals seit 14 Jahren waren die Eidgenossen überhaupt wieder bei einer Endrunde dabei. Das ist schon als Erfolg zu werten. Und mit den Kadetten Schaffhausen gibt es immerhin einen Klub, der europäisch mitmischt, auch wenn der große Wurf bislang fehlt. Sein Klub wartet seit 2001, als St. Gallen Meisterschaft und Pokal gewann, auf einen Titel.

Kreuzbandriss wirft Max Höning zurück

Doch ganz optimal verlief sein Auslandsabenteuer nicht. Kurz vor Weihnachten 2018 riss sich Höning das Kreuzband im Knie. Bei einer Abwehraktion im Block traf ein Mitspieler Höning unglücklich. „Schnell war klar, dass etwas kaputt ist“, sagt Höning. Sein Verein verlängerte daraufhin trotzdem den auslaufenden Vertrag. Er läuft noch bis 2021 mit beidseitiger Option auf ein weiteres Jahr. „Das war nicht selbstverständlich“, bemerkt Höning.

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Nach sechs Monaten meldete er sich wieder topfit und eroberte auch seinen Stammplatz zurück. Auf 70 Ligaspiele kommt er bislang in der Schweiz. 154 Tore bejubelte er. 27 Spiele und 63 Tore entfallen allein auf die nun abgebrochene Saison. Wohin in die Zukunft treibt, weiß er aber noch nicht. „Ich bin in einer körperlich guten Verfassung“, sagt er. Anfragen aus der Bundesliga in Deutschland würde er sich anhören, aber auch weitere Auslandserfahrungen reizen den 26-Jährigen. Daraus macht er keinen Hehl, auch wenn er betont, wie wohl er sich bei seinem aktuellen Verein fühlt.

Als Max Höning noch TBV Lemgo leitete ein Jugendtraining bei seinem Heimatverein, dem SuS Olfen.

Als Max Höning noch TBV Lemgo leitete ein Jugendtraining bei seinem Heimatverein, dem SuS Olfen. © Weitzel

In St. Gallen trainiert er die U17 des Vereins in der Elite-Liga, macht also auch Trainererfahrungen. Den Berufseinstieg hat er auch ins Auge gefasst. Bei einem Sportartikelhersteller einzusteigen, sei schon jetzt eine Möglichkeit, ebenso auf einer Geschäftsstelle eines Vereins zu arbeiten, wo er auch seiner Trainertätigkeiten weiter nachgehen könnte. Doch noch hat Max Höning die Rückkehr auf das Handball-Parkett im Visier - wenn die Corona-Pandemie irgendwann vorüber ist.

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