Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

„Hurensohn“ und „Kinderschänder“ - pöbelnde Nordkirchener Fans beleidigen Schiedsrichter

rnKommentar

Beim Relegationsspiel macht der FC Nordkirchen keine Werbung für die Gemeinde. Die Schiedsrichterproteste waren unangemessen und beleidigend.

Nordkirchen

, 07.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Ihr macht unseren Sport kaputt“, skandierten viele Nordkirchener Fans nach einer Entscheidung des Schiedsrichters im Relegationsspiel des FC Nordkirchen gegen den SCV Neuenbeken in Richtung des Gespanns.

„Euren“ Sport? Gehört der Fußball nur den Nordkirchenern? Und wer macht hier eigentlich den Sport wirklich „kaputt“: Schiedsrichter, die in einem hitzigen Spiel dem Druck Stand halten müssen, nach bestem Wissen pfeifen, keinen Videobeweis haben und auch Fehler machen, oder Fans, die den Schiedsrichter diskreditieren und teilweise aufs Übelste beleidigen? Das Groteske an dem Schlachtruf: Nachdem die Nordkirchener Fans dem Unparteiischen singend schon vorgeworfen hatten, den Sport kaputt zu machen, schoben Sie ein „Du Wichser“ hinterher. Bravo, da kann man nur applaudieren.

Das war aber noch lange nicht alles, was sich Johannes Liedtke aus Hagen und seine zwei Assistenten anhören mussten. Ob sie überhaupt schon mal Bezirksliga gepfiffen hätten, wurde da einer der beiden Linienrichter gefragt, der die Seite vor der Nordkirchener Bank entlanglief. Der forderte in Halbzeit zwei nach Gewaltandrohungen („Nächstes Mal werf ich ´ne Flasche“) dann Ordner in seinem Rücken an, um die Situation etwas zu beruhigen. Teilweise waren es die Spieler auf dem Rasen wie Marvin Fritsche, die die Zuschauer hinter der Bande zu mehr Ruhe aufforderten. Und nach den 120 Minuten wurde das Gespann von einer Traube aus Ordnern vom Platz eskortiert. Zu unsicher die Lage für sie.

Video
Nordkirchens Trainer und der Schiedsrichter

„Hurensohn“ und „Kinderschänder“ - pöbelnde Nordkirchener Fans beleidigen Schiedsrichter

Das Schiedsrichtergespann wird von Ordnern des SC Lippetal vom Platz begleitet. © Sebastian Reith

Nordkirchener Fans beleidigen den Schiedsrichter übel

Na klar, und nach dem Spiel kamen wieder die Verschwörungstheorien. Der Schiedsrichter habe „100 Prozent Geld erhalten“, meinte ein Zuschauer. Da schaute Kapitän Florian Fricke, der die Aussage gehört hatte, nur fremdschämend weg. „Wir waren sicherlich ein bisschen frustriert über die eine oder andere Schiedsrichtersituation. Sicherlich waren Schlüsselszenen dabei, die man mit etwas Fingerspitzengefühl auch anders entscheiden kann. Ich möchte es aber nicht auf den Schiedsrichter alleine schieben“, sagte Fricke hinterher. Das war der Tenor bei allen Nordkirchener Spielern, die sich auf dem Platz aufregten, sich hinterher aber fair verhielten.

Jetzt lesen

Weit unter der Gürtellinie waren dagegen die schweren Beleidigungen aus dem deutlich größeren Nordkirchener Lager. Irgendwann stellten diese grundsätzlich jede Entscheidung pro Neuenbeken erstmal lautstark krakelend infrage. Von „Hurensohn“ bis „Kinderschänder“ und „Mörder“ war an Beleidigungen alles dabei. Hallo? Geht´s noch?

Nicht alle Entscheidungen waren glücklich. Über ein nicht gegebenes Handspiel im Strafraum und die Ampelkarte lässt sich neben mehreren klaren Aus-Entscheidungen diskutieren. Und Schiedsrichter müssen sich auch kritisch mit ihrer Leistung auseinandersetzen. Eine 1+ mit Sternchen war das sicher nicht, was das Gespann abgeliefert hat.

Jetzt lesen

Jaber sieht Fehlentscheidungen, kritisiert aber auch seine Elf

Das rechtfertigt aber das Nordkirchener Verhalten keineswegs. Trainer Issam Jaber regte sich in einigen Situationen auch kräftig auf und versuchte nach Abpfiff dem Unparteiischen noch seine Meinung zu sagen, ruderte aber anschließend sehr sachlich zurück: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir ein Gespann gehabt hätten, das eine Klasseleistung abgerufen hätte, wie beide Mannschaften das auf dem Platz gemacht haben. Aber es lag nicht nur am Schiedsrichter. Wir sind für die Leistung verantwortlich. Wenn wir es gut machen, gewinnen wir das Spiel“, sagte Jaber einsichtig.

Lesen Sie jetzt