Keine Freigabe: Vinnum-Abgang Sven Görlich muss die Rückserie auf der Bank schmoren

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Stürmer Sven Görlich will in der Winterpause zurück zu Union Lüdinghausen wechseln. Westfalia Vinnum lässt den Angreifer aber nicht ziehen und will damit ein Zeichen setzen.

Vinnum

, 02.01.2019, 17:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fußball-A-Ligist Westfalia Vinnum hat angekündigt, Stürmer Sven Görlich keine Freigabe zu erteilen. Görlich wollte nach der Winterpause wieder für seinen Ex-Verein Union Lüdinghausen auf Torejagd gehen - muss jetzt aber wohl eine halbe Saison zuschauen, weil er möglicherweise gesperrt wird.

Anfang November hatte Bezirksligist Union Lüdinghausen die Rückhol-Aktion von Sven Görlich bekanntgegeben. Der 22-jährige Stürmer war vor anderthalb Jahren aus Lüdinghausen nach Vinnum gewechselt und beim A-Ligisten voll eingeschlagen. Beruflich bedingt pendelte er in der Zeit nach Osnabrück und hatte keine Zeit, den höheren Trainingsaufwand für Union Lüdinghausen zu betreiben - so kam es zum Wechsel nach Vinnum, wo die Anforderungen geringer waren.

Vinnums Trainer Frank Bidar sagte Anfang November den „Westfälischen Nachrichten“, dass der Verein Görlich keine Steine in den Weg legen werde: „Es ist alles sauber gelaufen. Wir wussten schon im Sommer 2017, als Sven zu uns gekommen ist, dass er, sobald es seine Zeit erlaubt, eine neue Herausforderung sucht.“ In Lüdinghausen wurde als „Wunschspieler“ bezeichnet. Der Verein braucht Görlichs Dienste und Tore dringend - es droht der Abstieg aus der Bezirksliga.

Westfalia Vinnum trifft eine Grundsatzentscheidung

„Er wird keine Tore in Lüdinghausen schießen“, sagte Vinnums Vereinschef Kunibert Gerij am 2. Januar - zumindest nicht im ersten Halbjahr 2019. Der Grund: Westfalia Vinnum wird keinen Spieler in der Winterpause ziehen lassen. „Wir haben einen Vorstandsbeschluss, dass wir Spielern in der Winterpause grundsätzlich keine Freigabe erteilen“, sagte Gerij.

Diese ist aber nötig, damit Görlich für seinen neuen Klub auflaufen kann. In der Sommerpause würde sich die Freigabe mit dem Nachweis der Zahlung einer Ablösesumme an den alten Verein automatisch erledigen. Im Winter ist die Summe aber frei verhandelbar. Ohne Zustimmung des abgebenden Vereins ist der Spieler ein halbes Jahr gesperrt.

Kunibert Gerij will keine Ausnahme machen

Und Gerij machte die klare Ansage, dass Union gar nicht versuchen müsse, über die Ablöse zu diskutieren. Dafür würde sein Verein auch finanzielle Nachteile in Kauf nehmen. Darf Görlich erst im Sommer wechseln, sieht Vinnum nämlich keinen Cent mehr, statt eine satte Ablöse einzustreichen. Im Winter liegt die Verhandlungsbasis bei 500 Euro pro Spieler, der von der Kreisliga auf Bezirksebene wechselt - der Fixwert aus dem Sommer ist im Winter lediglich als Richtwert zu verstehen, kann von beiden Verhandlungsparteien deutlich unterboten sowie überschritten werden.

Eine Ausnahme zu machen, weist Gerij mit einem klaren „Nein“ zurück. „Wir haben nichts gegen Union Lüdinghausen. Es ist eine Grundsatzentscheidung. Und dabei eine Ausnahme zu machen, würde die Entscheidung absurd machen“, so Gerij, der hart bleiben will. „Dass wir einem Spieler grundsätzlich keine Steine in den Weg legen, weiß auch Sven Görlich. Er vergisst aber, dass er bei uns für eine ganze Saison zugesagt hat und nicht für eine halbe. Wir haben ihm das Signal gegeben, dass er gehen kann, wenn er wieder höher spielen kann, aber nicht, dass er kommen und gehen kann, wie er will“, sagte Gerij.

Görlich selbst wollte zu dem Thema keine Angaben machen, außer: „Wenn es so sein sollte, finde ich es sehr traurig.“

Auch Erkan Atli erhält keine Freigabe

Wenn es viele Spieler gibt, die in der Winterpause gehen wollen, dann könne eine ganze Mannschaft zerbrechen, meint Gerij, „das kann sich Westfalia Vinnum nicht leisten.“ Auch Erkan Atli, den Vinnum vor zwei Jahren von der SG Selm holte und jetzt dorthin zurückkehren möchte, werde keine Freigabe erhalten. Damals stritten Vinnum und Selm über eine Ablöse, worauf Selm den Spieler nicht freigab. Atli musste ein halbes Jahr auf der Vinnumer Bank schmoren, was Gerij aber nicht dazu bewogen habe, nun die SG Selm abzustrafen. Es handele sich um eine Grundsatzentscheidung, wiederholte Gerij. Es gebe schließlich eine Hauptwechselfrist im Sommer.

Das gleiche Schicksal droht nun Sven Görlich, der von Gerij per Kurznachricht informiert worden sein soll. Daniel Schürmann, Sportlicher Leiter bei Union Lüdinghausen, wollte den Vorgang zunächst nicht kommentieren und kündigte an, mit Westfalia Vinnum in Kontakt treten zu wollen, um Verhandlungen aufzunehmen. Schürmann ließ jedoch durchblicken, dass der für die harte Haltung gegen wechselwillige Spieler sogar etwas übrig hat. Trotzdem dürfte es ihm gar nicht schmecken, dass der Wunschspieler, der in Lüdinghausen bereits wieder Mitglied ist, nun erstmal keine Pflichtspiele bestreiten darf. Jetzt ist Verhandlungsgeschick gefragt.

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