Kritik, Unverständnis, Durcheinander: Corona-Lockerungen verunsichern Sportler

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Dass die neuen Corona-Regeln umfangreiche Lockerungen mit sich bringen, hat die Sportwelt erfreut aufgenommen. Gleichzeitig gibt es Kritik an der Umsetzung und auch am hohen Lockerungstempo.

Selm

, 10.05.2020, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kritik kommt von allen Seiten. Die Lockerung der Corona-Beschränkungen in Nordrhein-Westfalen haben viele aktive Sportler und Funktionäre überrascht – zeitlich und inhaltlich.

Denn dass die Ausübung von kontaktfreiem Sport unter freiem Himmel bereits ab vergangenem Donnerstag möglich sein würde, darauf waren trotz Vorbereitungen dann viele Sportvereine doch nicht vorbereitet, als sie Mittwochnachmittag davon erfuhren. Das lag nicht daran, dass die Vorsitzenden und ihre Corona-Beauftragten nicht genug Vorarbeit geleistet hatten, sondern an der Kurzfristigkeit der Entscheidung. Auch Fachsportverbände und Kreissportbunde zeigten sich überrascht. Die, die lange um Lockerungen gebeten hatten, beschweren sich nun, dass es zu schnell ging – irgendwie kurios, aber auch verständlich. Denn die Corona-Krise ist nicht beendet. Vorsicht ist weiterhin geboten, Hektik unangebracht.

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Mit einigen Tagen Abstand fällt vor allem auf, dass diese ganze Lockerungsmaßnahme ein einziges Kommunikationsdesaster war. Vereine klagen über Unsicherheit, was denn jetzt konkret erlaubt ist. Fitnessstudiobetreiber wussten am Freitag noch nicht richtig, was sie am Montag dürfen und was nicht. In sozialen Netzwerken diskutierten User über Maskenpflicht und Abstandsgebot und Kontaktverbote – es herrscht ein heilloses Durcheinander von Vorschriften und Regelungen.

Und dann kam ja im Kreis Coesfeld durch den Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb prompt die Rolle rückwärts. Hier mussten sich viele Betriebe wieder umorientieren und die kurzfristig geplante Öffnung noch einmal verschieben.

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Verwundert zurückgelassen hat viele Sportler die Geschwindigkeit der Öffnungen. Dass schon Ende Mai wieder Kontaktsport möglich sein soll, stößt bei vielen auf Unverständnis. Es ist ja das genaue Gegenteil von „bleibt zuhause!“ und konterkariert vergangene Maßnahmen massiv.

Und gleich ruderte Staatssekretärin Andrea Milz am Donnerstag auf Nachfrage auf einer Pressekonferenz schnell wieder zurück. „So war das nicht gemeint“, sagte sie und ordnete dieses Datum lediglich als eine Zielgröße ein. Nicht so gemeint? Es wurde aber so gesagt. „Ab dem 30. Mai – ungefähr Pfingsten – ist Ausübung von Sportarten auch mit unvermeidbarem Körperkontakt und in geschlossenen Räumen, auch in Hallenbädern wieder möglich“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet noch am Mittwoch.

Hier stellt sich wirklich die Frage, ob das alles noch verhältnismäßig ist, angesichts der starken Einschränkungen, die es im März gab und die gesellschaftlich hoch akzeptiert waren. Der Tenor: Die Wirtschaft ans Laufen zu bekommen, sei ja wichtig, aber unbedingt überlebensnotwendig seien sportliche Angebote noch nicht.

Die offene Konfrontation hat deshalb Gundolf Walaschewski, Präsident des Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverbandes, nicht gescheut, die Landesregierung für ihre Pläne direkt kritisiert: „voreilig, unausgegoren und hoch riskant.“ Und er wies auf einen „Öffnungs-Überbietungswettbewerb“ hin, spielt auf Wahlkampfmanöver an. Da kann man Gundolf Walaschewski nur beipflichten.

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