Lea Enstipp hat die U16-EM im Blick - und die USA als Fernziel?

rnBasketball-Talent

Lea Enstipp gehört zu den besten Basketballerinnen ihres Jahrgangs in Deutschland. Eine Verletzung bremste sie zuletzt aus. Nach dem Abitur könnte sie sich den Weg in die USA vorstellen.

Bork

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Am Hauseingang der Familie Enstipp in Bork hängt schon ein erster Hinweis, welche Sportart hier vorherrscht: Ein Basketball ist in eine schwarze Tafel gezeichnet, daneben stehen die Vornamen der Familienmitglieder. Und bald könnte man im Hause Enstipp auch wieder einen neuen Erfolg feiern: Lea Enstipp (16) trug das Nationalmannschaftstrikot bereits. Jetzt will sie zur U16-Europameisterschaft nach Mazedonien.

Im Juni war Lea Enstipp zu einem Auftaktlehrgang vom Deutschen Basketballbund nominiert worden. In Frankreich spielten die deutschen Nachwuchsbasketballerinnen drei Mal gegen die Auswahl des Gastgebers. Lea Enstipp gehörte zum 18-köpfigen Aufgebot, obwohl sie sich eigentlich mit einer Knieverletzung rumplagte. Eine Patellasehnenüberreizung bereitet immer dann Schmerzen, wenn Lea Enstipp Vollgas geben will. „In Frankreich musste ich durchhalten, habe aber auch Tape, Massagen und Behandlungen bekommen. Ich habe auf die Zähne gebissen“, sagt Enstipp. Den Bundesadler auf der Brust tragen zu dürfen, sei spannend, aufregend und „ein Highlight“, verrät sie: „Es war schon eine Ehre, für die Nationalmannschaft zu spielen.“

Die Belastung ist hoch, das Knie ist gereizt

Die Schmerzen, die Lea Enstipp im Knie hat, gehen auf die hohe Belastung zurück. Sieben Mal trainierte sie in der vergangenen Saison pro Woche. „Das war zu viel“, sieht sie ein, „ich muss im Training aussetzen, wenn es in die volle Belastung geht.“ Komplette Ruhe für den Körper ist daher gar nicht so schlecht. Die Familie ist vergangene Woche in den dreiwöchigen Skandinavien-Urlaub gefahren. Enden könnte dieser jäh, wenn der Anruf des Bundestrainers kommt und Lea Enstipp nachnominiert wird. „Dann werde ich nochmal einen raushauen“, verspricht sie.

Lea Enstipp hat die U16-EM im Blick - und die USA als Fernziel?

Lea Enstipp hofft noch auf eine Nominierung für die U16-Europameisterschaften. © Sebastian Reith

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Familie den Urlaub vorzeitig für Basketballspiele der Tochter beendet. Nachdem Lea Enstipp 2017 die erste Kadernominierung für die Nationalmannschaft erhalten hatte, ging es wenige Tage später schon zum Turnier nach Hamburg. „Wir hatten den Urlaub damals komplett abgebrochen“, erzählt Mutter Nadine. In den Sommerferien vergangenes Jahr stand dann ein Turnier in Dänemark an. „Da haben wir den Urlaub auch wieder abgebrochen. Da hatten wir auch alles schon gebucht“, wirft Nadine Enstipp ein und lacht. Sie geht mit der Basketballverrücktheit in der Familie locker um.

Lea Enstipp könnte 1,90 Meter groß werden

Mit 1,86 Meter Körpergröße ist Lea Enstipp prädestiniert für den Sport. Wenig überraschend spielt sie auf der Centerposition. 1,90 Meter haben ihr Ärzte prognostiziert. „Ich bin eigentlich zu klein für die Fünf“, scherzt sie. Deshalb soll sie bei ihrem Verein in Zukunft eher auf Position vier spielen - dem kleineren der beiden Centerspielern, der normalerweise nicht direkt in Korbnähe agiert und auch aus der Distanz zu Würfen kommt. „Ich soll für die Vier ausgebildet werden“, erklärt Lea Enstipp.

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Lea Enstipp (l.) ist nicht nur für Korbläger zuständig. Sie muss auch werfen - manchmal sogar aus der Distanz. © Volker Martin

Die Schülerin des Selmer Gymnasiums spielt Basketball, seit sie 9 Jahre alt ist. Gerne hätte Lea Enstipp einen Sport-Leistungskurs gewählt. Der stand aber beim Städtischen Gymnasium nicht zur Wahl. Jetzt hat die 16-Jährige Mathematik und Erdkunde gewählt. Die Familie kommt gebürtig aus Bochum-Gerthe. Vater Kai ist Basketballtrainer beim TV Gerthe, wo auch Lea Enstipp anfing.

Nachwuchs-Bundesliga mit den Metropol Girls

Weiter ging sie zu den Astrostars nach Bochum. Vor zwei Jahren folgte der Wechsel zu Regionalligist Citybasket Recklinghausen. Enstipp spielt aber parallel bei den „Metropol Girls“. In diesem Team bilden derzeit drei Vereine aus dem Ruhrgebiet - Oberhausen, Bochum und Recklinghausen - eine Spielgemeinschaft für die Weibliche Nachwuchs-Bundesliga (WNBL), in der Lea Enstipp schon als U15-Spielerin gespielt hat.

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Im Jugend-Bundesligateam ist die Citybasket-Centerspielerin Lea Enstipp (l.) bereits Mitglied. © Volker Martin

Nach Bork kam die Familie, weil sie vor vier Jahren ein Baugrundstück gesucht hatte. „Wir wollten ländlich wohnen“, sagt Mutter Nadine Enstipp. Vier Generationen leben unter dem Dach - Familie pur also bei den Enstipps.

Damen-Basketball kämpft um Anerkennung und Sendeminuten

Und wie sieht die Zukunft aus? Der deutsche Damen-Basketball steht nicht gerade im Fokus. Nationalmannschaft und der Damen-Bundesliga fehlen finanzielle Ressourcen und Medienpräsenz. Und selbst in den USA kämpfen Profibasketballerinnen um eine faire Bezahlung. Das Topgehalt im US-Basketball lag bei den Männern 330 Mal höher als bei den Frauen. Top-Gehalt bei den Frauen: 113.000 US-Dollar. Bei den Männern lag der Mindestlohn bei 800.000 Dollar.

Trotzdem ist Amerika wegen der Vereinbarkeit von Hochschule und Sportkarriere eine Option für Lea Enstipp. Dass ein Auslandsaufenthalt für Tochter Lea innerhalb ihrer Familie ein Thema ist, bestätigt Mutter Nadine Enstipp: „Es ist eigentlich schon seit Jahren Thema, gerade weil Lea über den WBV einen Förderpunkt bekommt. Dadurch hat sie die Chancen, einen Studienplatz zu kriegen.“ Und für höhere Aufgaben kann sich Lea Enstipp ansonsten nur durch Körbe, Körbe, Körbe empfehlen.

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