Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Marcel Michl und Benedikt Sträter führen seit drei Wochen Borks Fußballer. Im Interview beziehen sie Stellung: zur Zukunft der ersten Mannschaft, zu ihrer Philosophie und externen Kräften.

Bork

, 17.05.2019 / Lesedauer: 6 min

Marcel Michl und Benedikt Sträter sind erst seit drei Wochen im Amt. Die Fußballer des PSV Bork haben durch das neue Vorstandsduo eine Frischzellenkur erhalten. Im Interview mit Sportredakteur Sebastian Reith erklären beide, wofür sie stehen.

Welche Zukunft sehen Sie für den PSV Bork?

Michl: Eine sehr, sehr Positive, sonst hätte ich den Posten auch gar nicht angenommen. Der PSV wird mit der ersten Mannschaft wieder dort hinkommen, wo er hingehört. Es ist eine gute Kreisliga-A-Mannschaft. Dafür ist die Infrastruktur perfekt. Der Damenbereich ist hervorragend mit der Bezirksliga-Mannschaft. Die Jugend ist auch hervorragend geführt. Alle Altersklassen sind besetzt. Wir überlegen, wie wir den Jugendlichen es erleichtern können, den Schritt bei den Senioren zu wagen.

ZUR PERSON

DAS IST MARCEL MICHL

„Es gibt immer Jahre, in denen es angebracht ist, sich sportlich neu aufzustellen“

Marcel Michl © Wilco Ruhland

Marcel Michl (36), neuer Vorsitzender der PSV-Fußballer, hat mit Benedikt Sträter gar nicht so lange zusammengespielt. Beide gingen gemeinsam zur Schule und waren ein Abiturjahrgang. Da Sträter aber ein Jahr jünger war, spielten sie in unterschiedlichen Jahrgangsmannschaften. Zwei Mal spielte er in der A-Jugend und bei den Senioren für Westfalia Vinnum, ging aber immer wieder zurück zum PSV Bork, mit dem er aus der Bezirksliga abstieg. Kurzzeitig hatte Sträter ganz aufgehört zu spielen, weil er in Thüringen Betriebswirtschaftslehre studierte. Heute ist er Key-Account-Manager bei einem Fleischverarbeiter und wohnt in Erkenschwick.

Haben Sie Angst, dass das Image des PSV unter der ersten Mannschaft leidet?

Sträter: Überhaupt nicht. Es gibt immer Jahre, in denen es sportlich sehr gut läuft, und Jahre, in denen es angebracht ist, sich sportlich neu aufzustellen und zu orientieren. In der Situation befinden wir uns gerade. Aber der PSV ist in der Außenwahrnehmung mehr als nur die erste Mannschaft. Gerade im Damenbereich ist der PSV über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Da schauen die Leute, wie es Bork gelungen ist, so einen funktionierenden Damenbereich aufzubauen. Es gibt keinen Imageschaden, sondern ganz im Gegenteil: eher eine Aufbruchstimmung. Klar hat es nach der Meistersaison einen kleinen Abstieg gegeben. Das muss man sagen und kann es nicht von der Hand weisen. Wir stellen uns mit einem neuen Fokus und einem neuem Trainerteam auf.

Michl: Natürlich ist es eine schwierige Zeit gewesen. Seit dem Winter war abzusehen, dass es immer schwieriger wird, die Klasse zu halten. Dennoch ist es uns ganz gut gelungen, trotz der sportlichen Situation Neuzugänge zu gewinnen.

Jetzt lesen

Unter der Woche wurden in Marian Kuhn und Darius Brüggemann zwei namhafte Abgänge bekannt. Bricht die Mannschaft auseinander?

Michl: Nein, wird haben aus dem Kader zwölf feste Zusagen. Leider verlieren wir mit den beiden Spielern zwei Säulen. Darius geht in die Bezirksliga nach Olfen. Das muss man einfach versuchen - gerade, wenn man sich die Ergebnisse der letzten Wochen vergleicht. Daher respektieren wir seine Entscheidung, sich noch einmal sportlich weiterzuentwickeln. Wenn ich ehrlich bin, würde ich es bei der sportlichen Perspektive genau so machen. Das ist nicht charakterschwach. Allerdings würde ich mich freuen, wenn man sich in nicht allzuferner Zukunft wiedersieht. Daher ist es kein Auseinanderreißen. Mit den sechs Neuzugängen und A-Jugendlichen sind wir für die Zukunft neu aufgestellt. Und wir hoffen, dass wir den einen oder anderen Wackelkandidaten noch überzeugen können.

Jetzt lesen

Was hat der PSV falsch gemacht in den letzten Jahren?

Sträter: Es ist schwierig, von Fehlern zu reden. Jeder, der in einer Funktion gearbeitet hat, hat sich viele Gedanken gemacht, wie man stetig und ständig eine gute Mannschaft in der A-Liga stellen kann. Man darf nicht unterschätzen, dass der PSV auch in der einen oder anderen Stelle sehr gefeiert wurde. Es hing sehr stark mit Ingo Grodowski zusammen, der zwei Söhne hat, die exzellente Fußballer sind und weitere Freunde hatten. Es hatten dann einige die Möglichkeit, sich sportlich erheblich zu verbessern. Dadurch ist viel zusammengebrochen. In der Situation ist es für jeden Verein schwer, eine Mannschaft aufzubauen.

Zur Person

Das ist Benedikt Sträter

„Es gibt immer Jahre, in denen es angebracht ist, sich sportlich neu aufzustellen“

Benedikt Sträter © Wilco Ruhland

Benedikt Sträter ist neuer stellvertretender Vorsitzender des PSV Bork. Der 35-Jährige spielte im Jugendbereich für den PSV Bork, später für GS Cappenberg und den SV Südkirchen im Mittelfeld sogar in der Bezirksliga. Mit dem Bork feierte er drei Aufstiege: in die Kreisliga A sowohl mit der ersten als auch mit der zweiten Mannschaft sowie mit der zweiten Mannschaft in die B-Liga. Er ist Abteilungsleiter für Soziale Dienste bei der Stadt Selm. Wie Marcel Michl ist er Schalke-Fan, hat sich mit Michl sogar mal eine Dauerkarte geteilt.

Ist der Erfolg vielleicht auch zu schnell gekommen?

Michl: Ja, das ging zu schnell. In dem ganzen Hype ist das, was man machen muss, überblendet worden. Aber Fehler wurden keine gemacht. Es ist auch eine Herausforderung, da wir für Spieler individuell kein Geld bezahlen.

Das bleibt auch so?

Michl: Ja, den Weg führen wir fort. Es ist dann für jede sportliche Leitung schwierig, Qualität und Quantität in die Mannschaft zu bekommen.

Sträter: Dass das Geld in eine Mannschaft fließt, wird es beim PSV nicht geben. Was wir aus dem Erfolg vor zwei Jahren aber lernen - das haben wir uns ja auch für die Zukunft vorgenommen: Wir wollen uns bewusst Zeit nehmen, eine erste Mannschaft aufzubauen. Derzeit ist es noch gar nicht sicher, ob es die Kreisliga A oder Kreisliga B wird. Es wäre ja vermessen, zu sagen, dass wir eine Mannschaft stellen, die mit Pauken und Trompeten aufsteigt. Das ist nicht unser Ziel.

Jetzt lesen

Gehen Sie nicht auch ein großes Risiko ein, sich zu viele Externe in den Verein zu holen? André Kracker ist ja ein relativ Unbekannter, der zuletzt nur kurze Intermezzos hatte. Berater Marco Logemann vertrauen Sie große Teile der Kaderplanung an.

Sträter: Nein, eher Chance. Den Weg, nur mit Urgesteinen im Verein zu arbeiten, ist der Verein schon gegangen. Es gehört Mut dazu, sich auch ein Stück zu öffnen. Dass Marco Logemann für uns arbeitet, wird von außen spektakulärer gesehen, als wir das wahrnehmen. Es tut gut, wenn man den Blick von außen zulässt. Dazu gehört auch, dass intern mal Kritik geäußert oder über einen Weg diskutiert wird. Ich finde das sehr belebend, neue Impulse zu bekommen. Das heißt nicht, alles aufzugeben, was vorwiegend durch Ur-Borker geschaffen wurde.

Jetzt lesen

Michl: Es war bewusst, dass wir ein Trainerteam haben, das nicht so bekannt in dieser Region ist. Die Frage ist gerechtfertigt. Ein Risiko gibt es aber immer. Ein weiterer Schritt ist, die Ur-Borker aus der Jugend wieder heranzuführen, damit wir eine gesunde Mischung haben.

„Es gibt immer Jahre, in denen es angebracht ist, sich sportlich neu aufzustellen“

Marcel Michl und Benedikt Sträter (r.) sind seit drei Wochen Vorsitzende beim PSV Bork. © Wilco Ruhland

Was motiviert Sie persönlich?

Sträter: Es ist wichtig, sich im Verein zu engagieren. Ich wohne und lebe in Bork, Selm und Cappenberg seit meiner Jugend. Mir macht es Spaß, in der Stadt Selm etwas mitzugestalten. In den Jahren hatten wir immer Vorstände beim PSV Bork, die gesorgt haben, dass wir eine gute Anlage und ein gutes Klima hatten. Das fortzuführen und jetzt zu sagen, dass wir dran sind, Verantwortung zu übernehmen, ist selbstverständlich.

Michl: Ich möchte meinen Jugendverein weiter positiv gestalten. Die Wurzeln sind sehr, sehr tief. Für mich war es schnell klar, dass ich diese Position annehmen möchte.

Die Erfolge im Damenfußball sind bereits da – müssten Sie nicht viel mehr Aufwand betreiben, um die Abteilung weiter zu fördern?

Michl: Für den Damenfußball tun wir im Vorstand aktiv etwas (lacht), wir haben ja beide jeweils eine Tochter.

Sträter: Über die letzten Jahre hat der alte Vorstand schon bewusst Entscheidungen getroffen. Dietmar De Sacco ist jetzt Sportlicher Leiter für den Damenbereich geworden. Da ist eine neue Position geschaffen worden. Wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir mehr junge Mädchen von Fußball begeistern können. Der PSV wird einen Girls Day veranstalten, damit Mädchen mal ein Schnuppertraining machen können. Vielleicht wird es möglich, auch schon im Jugendbereich Minis, F- und E-Jugend aufzustellen. Da ist der Frauenfußball aber auch noch ein bisschen jünger als der Männerfußball.

Michl: Es wird für die erste Mannschaft auch hochkarätige Neuzugänge geben, die über Landesliga-Erfahrung verfügen.

Jetzt lesen

Man hört immer wieder, dass die breit aufgestellte Altherrenabteilung das Rückgrat des Vereins ist. Wie wichtig ist Ihnen aber die Jugend des PSV?

Sträter: Jugendarbeit ist immer wichtig, beim PSV Bork ist sie elementar. Es gibt seit Jahren einen sehr aktiven Jugendvorstand. Die Fußball-Ferien-Freizeit sucht hier in der Gegend ihresgleichen. Die Mannschafte sind materiell vernünftig ausgestattet. Wir würden gerne die Vernetzung der B-Jugend, A-Jugend und Senioren vorantreiben. Trainer André Kracker und Teammanager Mark Bäcker gucken sich jetzt schon Spiele der A-Jugend an und machen sich bekannt, obwohl sie offiziell noch gar nicht im Amt sind. Das wollen wir leben im Verein.

Michl: Ich war sehr froh, dass wir im Gespräch mit André Kracker jemanden gefunden haben, der tickt wie wir. Eine seiner ersten Fragen war auf die Jugend ausgerichtet. Das ist unsere DNA. Sonst funktioniert der Verein nicht. Dauerhaft externe Spieler zu holen und sie für uns zu begeistern, hat eine Halbwertszeit. Wir wollen das Thema u.a. Trainerlizenzen noch weiter fördern, damit irgendwann die Jugendlichen überhaupt keine Lust mehr haben, über andere Vereine nachzudenken.