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Olympia-Teilnehmerin Karin Schnaase im Interview

Badminton-Spielerin Karin Schnaase aus Lüdinghausen ist Deutschlands einzige Olympia-Starterin im Damen-Einzel. Für die 31-jährige werden ihre ersten Olympischen Spiele gleichzeitig das letzt große Turnier sein, das sie spielt. Im Interview mit Sportredakteur Sebastian Reith spricht sie über dieses besondere Erlebnis.
26.07.2016
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Spüren Sie schon Euphorie?

Schnaase: Ich habe im Rahmen des Olympia-Tags verschiedene Interviews gegeben. Da ist mir das erste Mal bewusst geworden, was Olympia eigentlich bedeutet und dass ich selber dabei bin. Viele Leute fragen mich, ob ich mich freue. Ja, ich habe mich gefreut, konnte das aber bislang alles nicht einschätzen. Vergangene Woche war die Einkleidung – spätestens da bin ich in das Gefühl reingekommen.© Foto: Weitzel
Ist Ihnen bewusst, dass Sie jetzt Geschichte schreiben?
Schnaase: Ich?

Ja natürlich, weil Sie Teilnehmer bei Olympischen Spielen sein werden.
Schnaase: Nein, das ist noch nicht realisierbar. Wenn ich im Flieger sitze und im
Olympischen Dorf bin, verstehe ich es wahrscheinlich. Alle reden immer von
der „Olympiamannschaft“ – darauf bin ich gespannt. Wir sind ein Team, das
zusammengewürfelt wird, aber sich auf Anhieb gut versteht. Man unterstützt Sportler aus anderen Sportarten. Das kennen wir als Badmintonspieler so gar nicht. Ich war vor zwei Jahren schon bei einem Turnier in Rio und habe mir alles angeschaut. Damals standen wir am Zuckerhut und haben gesagt: „Wenn wir hier in zwei Jahren stehen, haben wir ja alles richtig gemacht.“© Foto: Weitzel
Gibt es schon ein Olympia-Gefühl in Lüdinghausen?

Schnaase: Es ist unglaublich, wie die ganze Stadt in dem Jahr mitgefiebert hat, dass ich es schaffe. Jetzt sind alle sehr, sehr stolz und freuen sich sehr für
mich. Ich muss auch sagen, dass es mir sehr viel Kraft gegeben hat, dass immer so viele an mich geglaubt haben.© Foto: Weitzel
In Deutschland sind die Richtlinien strenger als in anderen Ländern, um zu
den Spielen zu fahren. Ist das fair?

Schnaase: Im Badminton hat man sich zwar an den internationalen Kriterien entlanggehangelt. Deutschland hat jedoch das Kriterium eingeführt, dass wir zu den Top 24 der Welt gehören müssen. Aber wenn man sieht, wer sonst noch dabei ist: Es geht bis zu Platz 80 der Welt. Da ist es als
Einzelathlet schon hart, wenn ich das nicht geschafft hätte. Das Kriterium
gibt es aber, damit wir Medaillenchancen haben.© Foto: Weitzel
Welches Ziel haben Sie?

Schnaase: Mein erstes Ziel ist das Achtelfinale. Es gibt Gruppenspiele und nur der
Gruppensieger kommt weiter ins Achtelfinale. Es wird Dreier- und
Vierergruppen geben. In einer Vierergruppe müsste man also dreimal
gewinnen. Wenn man da erfolgreich sein will, ist es hart. Für andere
Länder ist es toll, weil sie drei Spiele haben. 13 Spielerinnen sind
gesetzt, es gibt aber mehr als 13 Gruppen. Erwischt man eine dieser
Gruppen, ist die Chance, weiterzukommen, natürlich höher. Ist das erste Ziel erreicht, ist alles möglich© Foto: Weitzel
Wer sind Ihrer Meinung nach die Favoriten auf die Goldmedaille?

Schnaase: Carolina Marín aus Spanien und Ratchanok Intanon, wenn Sie nach ihren
Dopinganschuldigungen denn spielt. Ein Vorbild von mir ist auch Nozomi
Okuhara, eine ganz kleine Spielerin – noch kleiner als ich. Sie ist Athletik pur auf dem Feld. Die muss ich nicht unbedingt in der Gruppe haben, würde aber gerne mal gegen sie spielen. Gegen Carolina Marín spiele ich gerne, weil sie eine temperamentvollere Spielerin ist und eine
Angriffsspielerin. Sie ist die Topfavoritin, zweifache Weltmeisterin und wird tendenziell immer stärker. Wenn sie Olympiasiegerin wird, hat sie alles erreicht.© Foto: Weitzel
Ist es ein Privileg, fahren zu dürfen oder das Ergebnis harter Arbeit und damit der gerechte Lohn?

Schnaase: Ich sehe es vor allem als schönen Abschluss für meine Karriere an. Es ist der Lohn für ein sehr hartes Qualifikationsjahr.Olympischen Spiele im Damen-Einzel in Rio nominiert. Im Interview mit Sebastian Reith spricht Schnaase über die Spiele.© Foto: Weitzel
Sollten Olympische Spiele unpolitisch bleiben oder können Sie verstehen, wenn Menschen die Spiele als Bühne nutzen, um auf Probleme aufmerksam zu machen?

Schnaase: Es ist okay, wenn es die Spiele nicht beeinflusst. Wenn jemand Probleme aufzeigen möchte und wir Sportler deswegen nicht zu den Stätten gelangen, wäre es fies. Wir Sportler können ja für die politische Situation nichts. Ich finde es aber gut, dass man die Politik auf die Probleme hinweist.© Foto: Weitzel
Welchen Sportler würden Sie in Rio gerne treffen?

Schnaase: Angelique Kerber. Sie ist annähernd in meinem Alter, hat sich durchgeboxt und jetzt auch erst ihre Erfolge. Tennis und Badminton sind nicht so weit
voneinander entfernt.© Foto: Weitzel
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