Peter Wongrowitz: "Fußball ist das Leben"

Nordkirchens neuer Trainer

Peter Wongrowitz wird im Sommer Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen und damit Nachfolger von Heiko Ueding. Im Interview spricht der 64-Jährige über seine Karriere, Titel mit den BVB-Jugendmannschaften und das Leben als Scout.

NORDKIRCHEN

, 12.03.2016, 06:03 Uhr / Lesedauer: 3 min
Peter Wongrowitz wird ab Sommer den Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen trainieren.

Peter Wongrowitz wird ab Sommer den Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen trainieren.

Sie sind Fußball-Lehrer – so einen wie Sie hatte Nordkirchen noch nie. Sind Sie für die Bezirksliga überqualifiziert?

Das könnte man so sehen, muss man aber nicht. Ich verlange vielleicht auch manchmal ein bisschen viel. Auf der anderen Seite können die Spieler etwas mitnehmen, wenn sie möchten. Man darf sich selbst als Trainer auch nicht zu wichtig nehmen. Alle sollen ja Spaß an der Geschichte haben.

Welchen Eindruck haben Sie von Verein und Mannschaft bislang?

Der Verein ist ordentlich aufgestellt und macht einen soliden Eindruck. Die Verantwortlichen bauen keine Luftschlösser. Der Verein ist seriös und das ist leider nicht überall so.

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Issam Jaber wird Ihr Co-Trainer – wie kam das zustande?

Mit Issam habe ich mich getroffen und es war ein sehr fruchtbares Gespräch. Die Chemie stimmte sofort. Er ist nah dran und hat auch klare Vorstellungen unserer Zusammenarbeit.

Werden Sie Spieler mitbringen?

Ich verfüge über ein gutes Netzwerk. Viele meiner ehemaligen Spieler sind Trainer und unterstützen mich bei der Suche nach Verstärkungen. Wir brauchen schon Verstärkung auf ein paar Positionen. Und der Kader ist relativ klein. Der Kader soll größer werden. Wir möchten ein paar junge Leute aus der Region holen, die bei uns die Möglichkeit bekommen zu spielen.

Sie haben bei den Amateuren von Borussia Dortmund gespielt. Warum hat es nicht für eine Profikarriere gereicht?

Ich hatte Angebote aus Belgien und der Schweiz. Das habe ich aber ausgeschlagen. Ich hatte gerade in Herdecke eine Tankstelle aufgemacht. Bei den Dortmunder Amateuren haben wir für damalige Verhältnisse auch ganz gut verdient.

Michael Skibbe hat sie 1990 von Schalke zurück nach Dortmund geholt ...

Ja, ich war anfangs bei Klaus Fichtel Co-Trainer bei Schalke. Das war im Nachhinein ein Glücksfall, weil er ein super Typ ist. Der hat Dinge gesehen, die ich nicht gesehen habe. Das hat mir in der Entwicklung sehr geholfen. Das war mehr wert als zehn Trainerscheine. Dann kam das Angebot von Michael Skibbe und ich habe die B-Jugend übernommen. Im Sommer 1993 bin ich Co-Trainer unter Michael Henke bei den Amateuren geworden.

Sie waren dreimal Deutscher Jugendmeister mit Dortmunds B-Jugend – welcher Erfolg war am schönsten?

Der erste wahrscheinlich, aber ich habe alle genossen. Ich war fünfmal im Endspiel. Das war schon erstaunlich. Man muss bedenken: Wenn man heute als Jugendtrainer ein paar Mal Deutscher Meister in der Jugend wird, wird man später Bundesligatrainer.

Seite 2: Peter Wongrowitz über sein Leben als Scout.

Sie sind als Scout durch die Welt gereist – ein Traumjob?

Könnte man meinen, es ist aber nicht so. Scouts sind einsam, weil sie immer allein unterwegs sind.

Wie sieht das Leben als Scout denn aus?

Eine Reise habe ich gerade im Kopf: Morgens von Düsseldorf nach Frankfurt, weiter nach Sao Paulo und von dort nach Santiago de Chile – das ist der erste Tag und du guckst dir ein Länderspiel an. Am nächsten Tag geht es nach Buenos Aires und du guckst in zwei Tagen sieben Spiele an. Man hat natürlich jemanden, der einen betreut. Nach den zwei Tagen geht es nach Porto Alegre. Da sind mir in der zweiten Halbzeit bei einem Spiel dann die Augen zugefallen.

Nach welchen Spielern haben Sie gesucht?

Man kriegt entweder den Auftrag, einen Spielertyp X zu suchen oder man sucht nach einer Position. Oder ich soll einen Spieler speziell scouten, den man empfohlen bekommen hat. Ich war damals auch beispielsweise eine Woche in Porto Alegre und habe Tinga beobachtet. Fliegen habe ich als sehr belastend empfunden. Es hört sich sehr toll an, ist aber Raubbau an der Gesundheit.

Sie haben Pelé kennen gelernt – wo war das?

Beim FC Santos. Ich habe ein Spiel geguckt und man hat mich vorgestellt. Wir haben ein bisschen Smalltalk gehalten. Für mich war das toll. Ich habe Pelé aus Büchern erlebt. Einen Fernseher hatten wir erst ab 1963. Für mich ist Fußball das Leben und ich habe mich immer dafür interessiert. Pelés 1000 Spiele – das war so weit weg. Da hätte man nie gedacht, dass man ihn mal kennen lernen darf.

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