Rickmann: „Spiele gewinnst du in der Abwehr“

Interview

Vor drei Wochen hat Heino Rickmann das Traineramt bei Olfens Kreisliga-Handballern übernommen. Im Interview spricht der 60-jährige B-Lizenz-Inhaber über seine ersten Eindrücke beim SuS, sein Konzept und warum er in sechs Jahren aufhören möchte.

OLFEN

, 20.06.2017, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Rickmann: „Spiele gewinnst du in der Abwehr“

Heino Rickmann (l.) möchte vor allem die Abwehr nach seinen Vorstellungen umbauen. „Es ist jedoch erforderlich, mit drei unterschiedlichen Deckungssystemen zu agieren. In erster Linie gilt es, mit einem modernen, offensiven Abwehrverband zu punkten“, sagte er am am Freitag vor der Olfener Sporthalle.

Bei Ihrer Vorstellung hatten Sie gesagt, dass Sie vor allem den Defensivverbund stärken wollen. Ist das immer noch das Ziel?

Das ist ein Teil meines Konzepts, das ich Verein und Mannschaft vorgestellt habe. Das Spiel wird in der Abwehr gewonnen. Im Angriff gewinnst du Zuschauer. Das ist meine alte Faustregel und deshalb fange ich während der Saisonvorbereitung nach der Kraftausdauer frühzeitig mit der individuellen Abwehrschulung an.

Bringen Sie das Konzept in jeden Verein mit, bei dem Sie bislang Trainer waren, oder müssen Sie es auf den Verein anpassen?

Voraussetzung ist immer eine Teamanalyse. Deswegen habe ich auch die letzten neun Olfener Spiele beobachtet und wusste, dass wir eine gemischte Truppe mit jungen und erfahrenen Spielern haben. Ich habe eine Stärken-Schwächen-Analyse gemacht und daraufhin ein spezielles Konzept für die Mannschaft des SuS Olfen zugeschnitten.

Das klingt nach einem Konzepttrainer.

Es geht ja nicht anders. Ich habe mir persönliche Ziele gesteckt, nämlich, unter anderem mit Freude erfolgreich zu sein.

Freude bedeutet einen Aufstieg?

Nein, der persönliche Spaß ist die Entwicklung der Spieler erleben zu dürfen. Wenn du von der Platzierung ausgehst, hängt es dicht mit dem Engagement der Mannschaft zusammen, inwieweit sie die dreimonatige Vorbereitung aufsaugt. Und dann kommen noch zwei Komponenten in der Meisterschaft hinzu: Es hat auch etwas mit Glück und Gesundheit zu tun.

Wo werden Sie in der Tabelle landen?

Für mich ist es wichtig, auf die gute Arbeit von Michael Scholten aufzubauen. Mit einer positiven individuellen Entwicklung der Spieler sehe ich mein Team unter den ersten Fünf.

Welche Stärken haben Sie in Olfen durch die Analyse festgestellt?

Die Mannschaft hat den Ansatz, ein schnelles Spiel aufzuziehen – aber nicht über 60 Minuten, sondern nur eine Halbzeit. Das reicht natürlich nicht. Die zweite Stärke ist, dass sie über den Abwehrverband in einer defensiven 6-0 schon ganz gut gespielt hat. Es ist jedoch erforderlich, mit drei unterschiedlichen Deckungssystemen zu agieren. In erster Linie gilt es , mit einem modernen, offensiven Abwehrverband zu punkten.

Heißt im Detail?

Da möchte ich an dieser Stelle nicht näher drauf eingehen. (lacht) Ich möchte auch einige Mannschaften damit überraschen.

Sie kennen die Liga gut. Sie haben lange im Kreis Industrie gewirkt.

Nunja, ich war viele Jahre im Bezirks- und Landesligabereich und die letzten neun Jahre im Damenbereich tätig. Nichtsdestotrotz bin ich im Kreis Industrie zu Hause.

Was hat zu Ihrem jahrelangen Engagement im Damenbereich geführt – und warum sind Sie nun zurückgekehrt?

Ganz einfach: Ich habe jetzt neun Jahre Jugend, neun Jahre Damen und zehn Jahre Herren trainiert. Ich fand nie gut, wie negativ der Damenhandball geredet wurde. Ich wollte meinen Beitrag leisten, den Damenhandball mehr in den Vordergrund zu rücken. Das ist mir auch gut gelungen, vor allem in Bommern.

Ist es in Stein gemeißelt, dass in sechs Jahren Schluss ist?

Dann habe ich 50 Jahre Handball voll und habe mir den Feierabend verdient.

Wird Ihnen dann nicht langweilig?

Nein, ich möchte dann für mich mehr Sport machen, zum Beispiel Laufen gehen Wenn du berufliche Verpflichtungen hast, bleibt nicht mehr viel Zeit, um mehr zu machen, als zu laufen und eine Mannschaft zu trainieren.

Wie ist der Kontakt zum SuS Olfen zustande gekommen?

Über einen Schiedsrichter, einen Freund von mir, der erzählt hat, dass für Michael Scholten ein Nachfolger gesucht wird. Wir haben uns dann bei Probetrainings näher kennen gelernt.

Sind Sie ein harter Trainer?

Ich drücke einer Mannschaft kein System auf und bin auch nicht hart. Bei mir ist es wichtig, dass eine Harmonie entsteht, eine, die auf Ehrlichkeit aufgebaut ist. Und diese Harmonie muss alle erreichen, bis zum 17. Spieler. Wenn Harmonie und Fleiß Einklang finden, ist das Team auch erfolgreich.

Ist die Harmonie in Olfen schon vorhanden?

Das kann ich noch nicht beurteilen. Ich habe die Saisonvorbereitung erst am 2. Juni begonnen.

Und der Fleiß?

Der ist da! Die Jungs waren sehr fleißig.

Wie liefen die ersten Einheiten?

Wir waren gut unterwegs. Die Jungs müssen sich halt dran gewöhnen, dass sie jetzt auch vier Mal pro Woche trainieren. Von nichts kommt nichts.

Spielt ein Spieler bei Ihnen, der nur drei Mal pro Woche zum Training kommt?

Bei mir spielen alle 17 – bloß wie lange und mit welcher Leistung, bleibt jedem selbst überlassen. Kommt jemand häufig in der Vorbereitung, lernt er viel dazu. Lernt er viel, kann ich ihn auch bringen. Fehlt er, verpasst er Elemente. Dann liegt es an ihm selber. Jeder ist seines Glückes Schmied, wie man so schön sagt.

Könnte es Positionsänderungen geben?

Es wird Veränderungen geben, nicht nur, weil uns erfahrene Spieler verlassen haben. In einem offensiven Abwehrverband muss meine Spieler anders positionieren, um schneller zu sein. Ziel ist, ein schnelleres Spiel aufzuziehen. Das heißt: Die erste, zweite, dritte Welle müssen folgen. Das kannst du nur mit schnellen Spielern. Spieler müssen also ihre bisherige Stammpositionen verändern.

Was tut sich offensiv?

Da wird es hauptsächlich taktische Kleingruppenarbeit bei mir geben. Es gibt Trainingselemente, immer mit dem Ziel, die geistige Frische in den letzten zehn Minuten zu haben, um ein Tor mehr zu machen als der Gegner. Ich lege sehr viel Wert auf Auslösehandlungen und Handlungsschnelligkeit, die zum überraschenden Torerfolg führen. Ich werde maximal sechs kurze und knackige Spielkonzeptionen einführen.

Es ist es für Sie eine Umstellung, dass ihn Olfen kein Harz verwendet wird?

Das finde ich gut. Wenn wir in den unteren Ligen harzen, haben wir etwas in der Ausbildung verkehrt gemacht.

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