Schiri Liedtke bleibt nach Beleidigungen cool: „Sportplatzsprüche prallen an einem ab“

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Verpfiffen? Johannes Liedtke musste viel aushalten während und nach dem Relegationsspiel des FC Nordkirchen gegen den SCV Neuenbeken. Was da am Donnerstag passiert ist, blendet er aber aus.

Nordkirchen

, 09.06.2019, 12:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Harte Beleidigungen schallten über den Platz. Die inakzeptable Form der Schiedsrichterkritik seitens einiger Nordkirchener Zuschauer beim Relegations-Halbfinale um den Aufstieg in die Landesliga zwischen Nordkirchen und dem SCV Neuenbeken hat Schiedsrichter Johannes Liedtke abgehakt, wie er sagt - und teilweise gar nicht mitbekommen.

Johannes Liedtke hätte sich aufregen können im Interview oder erklären können, wie unpassend er die Beleidigungen am Donnerstag in Lippetal empfunden hat. All das tat er nicht. „Ich habe das kaum wahrgenommen“, sagte Liedtke am Freitag nach dem Verlängerungs-K.o. des FC Nordkirchen. „Man geht so konzentriert in ein Spiel, dass man spezielle Beleidigungen in der Regel nicht wahrnimmt. Natürlich merkt man nach einem Pfiff, wenn ein Raunen durch das Stadion geht, aber man ist sofort wieder mit den Spielern in Kontakt“, sagte er.

Als Schiedsrichter muss man (leider) abgehärtet sein

Ob Raunen, Buh-Rufe oder hämischer Applaus: „Ich kann nicht danach gehen. Meistens wird etwas gerufen, auch wenn die Entscheidung richtig war“, sagte er.

Und überhaupt: „Diese Sportplatzsprüche prallen an einem ab“, sagte Liedtke, „dass man zu Hause nichts zu sagen hat oder keinen Arsch in der Hose hat“, kann und muss man als Unparteiischer ignorieren. „Demgegenüber sind wir abgehärtet“, sagte Liedtke.

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Trotzdem meint er: „Es war ein Spiel, das sehr von außen beeinflusst war. Es herrschte schon ein bisschen Ausnahmezustand.“ Seine beiden Assistenten, die an den Seitenlinien standen, hätten das, was sich am Platz abgespielt hat, deutlicher mitbekommen. Bereits in der Halbzeitpause war das Thema des Gespanns. Liedtke zufolge habe das Gespann daher auch darauf geachtet, dass der Ordnungsdienst Präsenz zeigt.

Johannes Liedtke will Westfalenligaspiele leiten

Als Liedtke die Ansetzung bekam, wusste er von der besonderen Voraussetzungen. „Es war ein Relegationsspiel. Da geht es um alles oder nichts. Dass Emotionen da sind und auch mehr Zuschauer, die von außen reinrufen, ist normal“, sagte er. Liedtke versuche, Situationen schnell zu beruhigen und sich nicht von Hektik anstecken zu lassen.

Der 22-Jährige, der für den TuS Ennepetal pfeift und in Unna wohnt, ist seit sechs Jahren Schiedsrichter - und will hoch. Acht Landesligaspiele, die Liedtke gepfiffen hat, ließ der Verband in diesem Jahr beobachten. Mit guten Ergebnissen für den gelernten Mechatroniker. Liedtkes Ziel: Nächstes Jahr möchte er in der Westfalenliga Spiele leiten dürfen.

Die spielentscheidenden Szenen wie die Ampelkarte gegen Nils Venneker würde er auch mit Abstand erneut so ahnden. „Ich würde wieder so entscheiden. Du hast nur die eine Wahrnehmung und danach entscheidest du. Die Karte war fällig. Ob die Spieler damit einverstanden sind oder nicht - danach kannst du nicht gehen“, sagte Liedtke.

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